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Anfangs März 1911 wurde Kandidat Luckey zur Vollendung seines Probejahres und zur Vertretung eines Lehrers an das Gymnasium zu Marburg überwiesen. Der auf Anregung des Prof. Schmidt in Arolsen gegründete Zweigverein des Wandervogel verlor in ihm einen eifrigen Förderer und Führer. Während des Sommers wurden von den ihm zugehörenden Schülern der Sekunda und Tertia mehrere zweitägige bezw. 1 ½ tägige Touren(am Samstag und Sonntag) und ausserdem eine achttägige Tour durch das Lahntal nach dem Rhein unternommen. Die übliche Turnfahrt der ganzen Schule fand unter Führung der Herren Selnadltst, Kühn, Luckey und Henkel
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am 5. September nach Gladenbach statt.
Der Spielplatz an der Lahn wurde auch in diesem Jahre, trotz vielfach nassen Wetters eifrig besucht.
Die von dem Badeverein geschaffene Eisbahn konnte an 21 Tagen zum Schlittschuhlaufen benutzt werden, während sonstige nutzbare Eisflächen nur an wenigen Tagen vorhanden waren. Da die Erwachsenen bei den schlechten Eisverhältnissen der letzten Jahre sich allzusehr des Schlittschuhlaufens entwöhmt haben, so wird es dem Badeverein schwer fallen, ohne Unterstützung der Gemeinde oder von anderen Verbänden die Anlagen zu erhalten und zu unterhalten.
Von Seiten der vorgesetzten Behörde wurde die Anstalt während des Jahres dreimal besucht. Im Juni wohnte Herr Provinzial-Schulrat Wassner dem Unterricht in verschiedenen Klassen bei. Am 8. Dezember kam Herr Provinzial-Schulrat Kanzow und am 10. Januar war der Direktor des Provinzial-Schulkollegiums Herr Geh. Oberregierungsrat Dr. Pähler auf einige Stunden hier.
Oberlehrer Dr. Kiesel wurde im Dezember zum Professor ernannt und erhielt im Januar den Rang der Räte vierter Klasse.
Mit dem 1. April 1911 ist Prof. Schnädter an das Kgl. Gymnasium zu Wiesbaden versetzt. Zehn Jahre hat er seine Kräfte unserer Anstalt gewidmet. Er hat es verstanden, die Schüler von seinem Wohlwollen zu überzeugen und ihnen den Unterricht durch seinen Humor zu würzen und zu beleben, und stets war er bereit, seine Arbeitskraft auch ausserhalb der Unterrichtszeit zur Verfügung zu stellen, hat er doch seit dem Jahre 1905 die Schülerbibliothek ohne irgend eine Vergütung verwaltet. Auch die gemeinnützigen Vereine haben sich mehrfach seiner Mitarbeit erfreut.
Kaisers Geburtstag wurde am 27. Januar durch Gesang, Klavierspiel und Deklamation in üblicher Weise gefeiert. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Kühn über„Die Entwickelung der deutschen Einheit“.
Die schriftliche Prüfung der Untersekundaner fand vom 28. Februar bis zum 4. März statt, die mündliche Prüfung war am 24. März. 17 Schüler erhielten das Zeugnis der Reife für Ober- sekunda.


