Jahrgang 
1902
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Am 1. Oktober musste Herr Kasper seinen einjährigen Militärdienst antreten. Die vakante Oberlehrerstelle wurde von dem Kgl. Provinzial-Schulkollegium dem wissenschaftlichen Hilfslehrer Schnädter zu Montabaur übertragen.

Joseph Schnädter, geboren 1866, katholischer Konfession, besuchte das Gymnasium zu Wiesbaden und nach erlangtem Reifezeugnisse die Universitäten München, Berlin und Marburg, um Geschichte, Geographie und klassische Philologie zu studieren. 1890 bestand er die Turnlehrerprüfung in der Centralturnanstalt zu Berlin und 1892 das philologische Staatsexamen in Marburg. Die praktische Ausbildung erhielt er als Seminar- kandidat am Gymnasium zu Weilburg und als Probekandidat am Kaiser Friedrichs-Gymnasium in Frankfurt a. M. Seit 1894 war er als wissenschaftlicher Hilfslehrer thätig und zwar zunächst als unbesoldeter an dem Gymnasium zu Wiesbaden und dann zur Aushilfe an dem Gymnasium zu Hanau und Montabaur. An der letzteren Anstalt wurde er Herbst 1898 zum etatsmässigen Hilfslehrer ernannt. In dieser Eigenschaft wirkte er 3 Jahre lang, bis er Herbst 1901 als Oberlehrer an das hiesige Kgl. Realprogymnasium berufen wurde.

Herr Dietz beteiligte sich an einem archäologischen Kursus in Bonn und Trier in den Pfingstferien und wurde deshalb noch für die zwei ersten Schultage nach Pfingsten beurlaubt.

Herr Schmelz wurde zu einer achtwöchigen, Herr Eckhardt zu einer sechswöchigen militärischen Uebung eingezogen. Der Erstere musste deshalb für die erste Hälfte des August, der Letztere vom 24. September bis 5. November beurlaubt werden.

Für die Zeit der Ferien der Elementarschule übernahm Herr Burk die Unterrichtsstunden Eckhardts; in der übrigen Zeit musste der Beurlaubte so gut es ging, durch die Lehrer der An- stalt vertreten werden.

Mit dem Eintritt der drei genannten Herren war das Lehrerkollegium fast vollständig erneuert und es konnte, nachdem die Herren auch ihren militärischen Verpflichtungen nachgekommen waren, auf längere Zeit ein ungestörter Betrieb des Unterrichts erwartet werden. Das Winter- semester hat diese Hoffnungen vollständig erfüllt. Von den Lehrern waren nur zwei für wenige Stunden zu vertreten.

Die Gesundheitsverhältnisse der Schüler waren ebenfalls recht befriedigend. Ueber ein Drittel derselben hat während des ganzen Jahres nicht eine Unterrichtsstunde versäumt. Xur ein Fünftel hat mehr als eine Woche gefehlt.

Auf das Gesuch der Schülerväter aus dem oberen Lahnthal, den Unterricht vor Abgang des Nachmittagszuges zu schliessen, wurde versuchsweise der Vormittagsunterricht auf 5 Stunden aus- gedehnt und die 6te Stunde auf 2 Uhr 15 Min. bis 3 Uhr 5 Min verlegt. Nachdem Herr Ober- regierungsrat Dr. Lahmeyer am 9. Dec. durch persönliche Verhandlung mit den Interessenten sich überzeugt hatte, dass die geplante Aenderung keinem Widerspruch begegne, wurde die Genehmigung erteilt und zu Neujahr der neue Stundenplan eingeführt..

Am 10. Juli und am 9. December wurde die Anstalt seitens des Herrn Oberregierungsrats Dr. Lahmeyer einer Revision unterzogen.

Die Turnfahrt führte die Schüler am 25. Juni über Weifenbach durch das Gebirge über Richstein und Raumland nach Berleburg, wo im Hotel Bald ein gutes Mittagsmahl die ermüdeten und zum Teil durchnässten Wanderer erquickte. Die Rückfahrt bewies, dass die Schüler durch ungünstiges Wetter sich den fröhlichen Mut so leicht nicht rauben lassen.

Zur Feier des Geburtstages des Kaisers und Königs fand der übliche öffentliche Aktus statt, an dem Prof. Dr. Wertsch die Festrede hielt.

Das Reife- bezw. Versetzungszeugnis für Obersckunda erwarben sich 2 Schüler der Sekunda. Von einer förmlichen Präfung wurde mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde abgesehen.