Jahrgang 
1902
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III. Chronik der Anstalt.

Die Aufnahmeprüfung für das Schuljahr 1901/02 war am 15. April 1901.

Es hatten sich zu derselben 12 Knaben gemeldet, 10 für Sexta, 1 für Quarta und 1 für Untertertia.

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres traten in dem Lehrerkollegium der Anstalt grosse Veränderungen ein.

Prof. Harff hatte während des Winterurlaubs in Wiesbaden nicht die gewünschte Ge- nesung gefunden und sich genötigt gesehen um seine Pensionierung einzukommen. Diese wurde ihm für den 1. April 1901 gewährt. Die Anstalt verlor mit ihm einen geschickten und erfolgreichen Lehrer, der immer für ihre Ehre und ihre Interessen einzutreten bereit war. Möge ihm die Ruhe- zeit nicht allzusehr durch sein Leiden beeinträchtigt werden.

Sein Vertreter während des Winterhalbjahres, Herr Lorch, wurde zum 1. April an das Gymnasium zu Dillenburg versetzt. Für ihn trat der Probekandidat Kasper ein.

Oberlehrer Flach, der wegen Nervosität bis zum 15. Mai beurlaubt war, wurde am 1. Mai an das Realgymnasium zu Perleberg versetzt.

Ersatz wurde der Anstalt durch die Ueberweisung des Prof. Dr. Wertsch, der sich wiederholt um Versetzung in eine der westlichen Provinzen bemüht hatte.

Friedrich Wertsch, geboren am 8. October 1854 in Coburg, besuchte von Ostern 1865 1874 die Gymnasien zu Coburg, Eisenach und Weimar, studirte Mathematik und Naturwissenschaft in Göttingen, sodann Geschichte, Geographie und neuere Sprachen in Strassburg, wo er im Februar 1878 die Prüfung pro facultate docendi bestand. Von 187879 diente er als Einjährig-Freiwilliger im Inf.-Regt. Nr. 77, war von Michaelis 1879 bis Ostern 1881 erster Lehrer der höheren Töchterschule zu Bochum und absolvirte gleichzeitig sein Probejahr am Gymnasium daselbst. Im Sommer 1880 promovirte er in Göttingen und war von Ostern 1881 bis Ostern 1895 Oberlehrer am Realprogymnasium in Spremberg. Ostern 1895 wurde er an das Kgl. Real- gymnasium nach Perleberg berufen, wo er bis Ende April 1901 wirkte. Im Sommer 1899 wurde er zum Professor ernannt und ihm von Sr. Majestät dem Könige der persönliche Rang als Rat vierter Klasse verliehen.

Oberlehrer Riese hatte sich durch die in Aussicht gestellten Vorteile inbezug auf Gehalt und Stellung bestimmen lassen, seine Entlassung aus dem Staatsdienst zu bewirken und in den städtischen Dienst von Frankfurt a. M. einzutreten. Mit dem 1. April trat er in diesen über. Schüler und Lehrer der Anstalt und namentlich auch der Direktor sahen ihn ungern scheiden,

An seine Stelle trat der bisherige wissenschaftliche Hilfslehrer am Lessing-Gymnasium zu Frankfurt a. M., Schmelz.

Heinrich Schmelz, geboren am 5. Dezember 1866 zu Cassel, besuchte von Ostern 1876 an das Königliche Realgymnasium zu Wiesbaden und wurde Ostern 1885 von demselben mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Er widmete sich in Marburg und Berlin dem Studium der Mathematik und Phyik und bestand im November 1889 das Examen pro facultate docendi. Das Seminarjahr legte er ab von Ostern 1890 bis 1891 am Kgl. Gymnasium zu Wiesbaden, das Probejahr von Ostern 1891 1892 am Kgl. Realgymnasium dortselbst. Er war sodann vorübergehend oder dauernd beschäftigt, an den genannten Anstalten in Wiesbaden, dem damaligen Realprogymnasium zu Limburg und dem Lessinggymnasium zu Frankfurt a. M. Am 1. April 1901 warde er Oberlehrer. Der Armee, in die er Oktober 1892 als Einjährig-Freiwilliger eintrat, gehört er als Leutnant der Landwehr I an.