III. Chronik der Anstalt.
Das Schuljahr begann mit der Aufnahmeprüfung am 23. April 1900. Es wurden neu aufgenommen 15 Schüler und zwar in Sexta 12, Quinta 2 und Quarta 1. Pfingstferien waren vom 3. bis 11. Juni. Sommerferien vom 15. August bis 18. September. Weihnachtsferien vom 23. Dezember 1900 bis 6. Januar 1901. Die Kandidaten Heinze und Plangemann hatten mit Schluss des Schuljahres die Anstalt verlassen. Herr Prof. Harff konnte seinen Dienst wieder antreten und an Stelle des ver- storbenen Herrn Baumann wurde Herr Dietz als Oberlehrer an die Anstalt berufen.
Ernst Dietz, geboren am 2. Mai 1863 zu Lispenhausen bei Rotenburg a. Fulda, evang. Konfession, wurde vorgebildet auf der höheren Bürgerschule zu Rotenburg und dem Gymnasium zu Hersfeld, studierte zu München, Berlin und Marburg von Michaelis 1882 bis dahin 1886 klassische Philologie und Geschichte und be- stand am 29. Juli 1887 das Examen pro facultate docendi in Marburg. Von Michaelis 1887 bis dahin 1888 leistete er das pädagogische Probejahr am Gymnasium zu Rinteln ab. Nachdem er darauf seiner Militärdienst- pflicht in Eisenach genügt hatte, war er ein Jahr privatim und von November 1890 bis Ostern 1891 als unbe- soldeter Hilfslehrer an der höheren Bürgerschule zu Rotenburg beschäftigt. Von Ostern 1891 bis dahin 1892 war er Hauslehrer in Warschau und von Ostern 1893 bis 1. Oktober desselben Jahres an der„v. Hartung'schen“ Militärvorbildungsanstalt zu Cassel thätig. Darauf war er von November 1893 ab mehrfach mit Vertretungen kranker oder beurlaubter Oberlehrer beauftragt, teils auch als unbesoldeter wissensch. Hilfslehrer beschäftigt. Bis Ostern 1897 war er an folgenden Anstalten thätig: am Gymnasium in Fulda, am Realprogymnasium in Arolsen, am Kaiser Friedrich-Gymnasium in Frankfurt a. M., am Realprogymnasium in Eschwege, am Realgymnasium in Cassel, am Gymnasium in Hanau, am Gymmasium in Wiesbaden. Von Ostern 1897 ab war er wissensch. Hilfslehrer am Gymnasium in Fulda, bis er Ostern 1900 als Oberlehrer dem hiesigen Realprogymnasium über- wiesen wurde.
Herr Riese war zu einem naturwissenschaftlichen Ferienkursus zu Göttingen beurlaubt und trat seinen Dienst erst Anfang Mai an; im Uebrigen verlief der Sommer ohne bedeutendere Störungen des Unterrichts.
Leider war dasselbe nicht im Winterhalbjahre der Fall.
Prof. Harff musste wegen seines rheumatischen Leidens wieder für den ganzen Winter beurlaubt werden. Zu seiner Vertretung wurde der Anstalt der wissenschaftliche Hilfslehrer Karl Weber überwiesen.
Mitte Oktober kam auch Oberlehrer Flach wegen Nervosität um Urlaub ein; unter der Voraussetzung, dass er sich alsbald, nach Massgabe des ärztlichen Rates, einer zur Herstellung seiner Gesundheit geeigneten Kur unterziehe, wurde ihm ein solcher auf sechs Monate, bis zum — 15. Mai 19901, bewilligt.
Da vor Weihnachten ein Ersatz nicht zu beschaffen war, mussten die Unterrichtsstunden unter den 6 übrigen Mitgliedern des Lehrerkollegiums neu verteilt werden.
Nach Neujahr trat der wissenschaftliche Hilfslehrer Lorch in das Kollegium ein. Da derselbe als Altphilologe nicht den Unterricht Flachs übernehmen konnte, so war abermals eine Neuverteilung der Stunden nötig.
Die Turnfahrt wurde am 6. Juli ausgeführt. Das Ziel war diesmal Marburg, das von Caldern aus zu Fuss erreicht wurde. Nach dem Besuche des Schlosses, der Universität und der Elisabethenkirche verbrachten Schüler und Lehrer noch einige Erholungsstunden aut Spiegelslust. Mit dem um 9 Uhr von Marburg abgehenden Zuge erfolgte die Rückfahrt.


