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gefeiert. Am Nachmittage nahmen Lehrer und Schüler an dem gemeinsamen Volksfeste Theil, zu welchem sich die Feier dieses vaterländischen Gedächtnisstages auch in hiesiger Stadt gestaltet hat.
Zum Herbsttermin unterzogen sich zwei Schüler der Secunda der Abgangsprüfung. Die schriftlichen Aufgaben, welche in der Zeit vom 19. bis 23. August bearbeitet wurden, waren ausser dem lateinischen, französischen und englischen Exercitium folgende:
1. Deutscher Aufsatz: Welche Momente haben am Ende des Mittelalters eine neue Periode der Weltgeschichte angebahnt? 2. Mathematische Arbeit:U a, Eine metallene Hohlkugel hat 2r= 9 cm äusseren Durchmesser und a= l em Wandungsdicke; wie gross würde die Wandungsdicke sein, wenn aus derselben Metallmenge eine IIohlkugel von 2 R 12 cm gegossen würde?
b, Auf welche Summe wüchst eine jährlich in arithmetischer Progression mit.der Differenz d steigende Einlage von a Mark, welche zu Anfang jedes Jahres bei einer Kasse eingezahlt wird, bis zu Beginn des nten Jahres bei Zinseszinsen zu p Prozent?
In einem Dreieck sind gegeben eine Seite e, ein anliegender Winkel A und die nach ihrer Mitte ge- zogene Transversale te. Daraus sollen der Inhalt und die beiden anderen Seiten berechnet werden. c= 305,258 m, te= 136,247; A= 550 47 16*.
Auf einer Strecke von 84 m macht das Treibrad einer Schnellzuglocomotive 9 Umdrehungen weniger als das Vorderrad. Bei einer anderen Locomotive, deren Treibrad 1m kleineren Umfang hat, während das Vorderrad ebenso gross ist, beträgt auf derselben Strecke der Unterschied nur 7 Umdrehungen. Wie gross ist der Umfang jedes Rades?
Die mündliche Prüfung fand am 17. September unter Vorsitz des Königlichen Commissa- rius, Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel aus Casse!, statt. Die geprüften Abiturienten waren:
1. Carl Frohnhäuser, geboren zu Biedenkopf, 16 Jahre alt, evangelischer Confession, Sohn des Tuch- fabrikanten Ieinrich Frohnhäuser dahier; war 7 ½ Jahre auf der Schule, davon 1 ½ Jahre in der Secunda und erwarb sich das Zeugniss der Reife mit dem Prädikat„gut“ bestanden. Er besucht zu seiner Vorbil- dung für das Polytechnikum die Bauschule zu Langensalza.
2, Carl Vollmar, geboren zu Biedenkopf, 15 Jahre alt, evangelischer Confession, Sohn des Kaufmanns Christian Vollmar hierselbst; war 6 ½ Jahr auf der Schule, davon 1 ½ Jahr in der Secunda und erhielt das Zeugniss mit dem Prädikat„gut“ bestanden. Er besucht demnächst die mit der Wöhlerschule ver- bundene Handelsschule zu Frankfurt a'M. und wird sich sodann dem Kaufmannsstande widmen.
Am 18. October, dem Jahrestage der Schlacht bei Leipzig und dem Geburtstage unseres Kronprinzen, fand, leider bei sehr ungünstiger Witterung, aber dennoch unter grosser Betheiligung der Bewohner unserer Stadt, die feierliche Grundsteinlegung zu einem neuen Gebäude für die höhere Bürgerschule und zwar in folgender Weise statt. Nach genommener Aufstellung auf dem Festplatze wurde der Choral:„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ gesungen, worauf der Rector an die Versammlung eine Ansprache hielt, in welcher er hervorhob, dass Ehr- furcht gegen Gott, gegen Kaiser und König, Treue und Wahrheit die sittlichen Grundpfeiler auch im neuen Gebäude sein sollten, auf denen das sittliche Leben der Anstalt aufgebaut werde. Die alle Glieder der Schule verbindende Liebe möge bewirken, dass aus ihr eine frische und fröhliche Jugend hervorgehe, in deren Herzen die höchsten Jdeale des Lebens noch einen Platz haben im Kampfe gegen den Materialismus der Zeit. Die Ansprache endete mit einem Danke an die hie- sigen Bewohner für die bedeutenden Opfer, welche sie sich im Interesse der Schule auferlegen. Darauf gab der Herr Bürgermeister Unverzagt eine kurze Uebersicht über die Verhandlungen des seit vielen Jahren bereits projectirten Schulhausbaues; auch er schloss mit dem Wunsche, duss
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