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4. Chronik der Anſtalt.
Das erfreulichſte Ereigniß für die Anſtalt war die Errichtung einer weiteren, dritten Klaſſe, indem, nach lang gepflogenen Verhandlungen, von Seiten des Stadtraths 600 Thlr. als weiterer Jahreszuſchuß bewilligt und das Königliche Cultus⸗ und Unterrichtsminiſterium auch ſeinerſeits die erfreuliche Zuſage zur Leiſtung eines weiteren angemeſſenen jährlichen Beitrag ertheilt, damit die Anſtalt ſich ſucceſſive zu einer Realſchnle II. Ord., reſp. Höheren Bürgerſchule entwickeln und zur Zeit abſchließen könne.—
In Folge des von der Localkommiſſion gefaßten und von Königlicher Regierung genehmigten Beſchluſſes, wurde der Beginn des Schuljahres, ſtatt wie ſeither zu Pfingſten, zu Oſtern verlegt, weßhalb die öffentliche Prüfung im vorigen Jahre ausfiel und die Abfaſſung des Programmes unterblieb.
Deßgleichen erfolgte mit Oſtern 1869 die Trennung der Realſchule von der Töchterſchule in der Weiſe, daß die Reallehrer vom Unterricht an derſelben entbunden wurden und zwiſchen beiden Anſtalten nur noch ein direckorialer Zuſammenhang ſtattfindet. Ebenſo wurden die Lehrer an den Stadtſchulen ihrer Verpflichtung, als Hilfslehrer an der Realſchule zu fungiren, enthoben.— Indeß mußten vorerſt, wie früher aus Mangel an Lehrkräften, der Religions⸗, Zeichnen⸗ und Geſangunterricht an der Realſchule noch von zwei ſtädtiſchen Lehrern fortertheilt werden.—
Die Aufnahmeprüfung fand am 17., die Verſetzung der älteren und Einführung der neu eingetretenen Schüler am 19. April Statt.—
Das neue Schuljahr wurde am 19. April unter Einführung der beiden neu eintretenden Herrn Lehrer, Blecker und Held, vom Dirigenten mit einer kurzen Anſprache eröffnet, worin derſelbe zuvörderſt der Freude über die vorweilige Erweiterung der Anſtalt Ausdruck gab und der Königlichen Staatsregierung und dem Vorſtand der Stadt geziemenden Dank ausſprach. Nach einem kurzen Rückblick auf die frühreren Schulverhältniſſe hob er die nunmehr geſteigerten Anforderungen an Lehrer und Schüler und die mancherei, mit der Anbahnung, Ent⸗ wicklung und dem hoffentlich recht bald eintretenden beabſichtigten Abſchluß der Schule verknüpften Schwierigkeiten hervor, getragen jedoch von der zuverſichtlichen Hoffnung, daß ſie alle unter dem Beiſtand deſſen würden über⸗ wunden werden, der in den Schwachen mächtig, Seinen Segen legt auf jegliches Menſchenwerk, und gewiß auch auf unſer Werk, wenn es im rechten Geiſte begonnen und fortgeführt wird: im Geiſte der Einmüthigkeit und Eintracht, im Geiſte des Wetteifers ohne Eiferſucht, im Geiſte der ſelbſtloſen Hingebung an die heilige Sache, die Er uns anfgetragen. Darnach wurden die beiden Lehrer, Herrn Blecker als Ordinarius der neuen 3. Klaſſe und Herrn Konrector Held als Religionslehrer der Anſtalt unter kurzer Darlegung ihrer reſp. Pflichten den ver⸗ ſammelten Schülern unter Hinweis und Beherzigung von Ebr. 13,17 vorgeſtellt, die Anſtalt dem göttlichen Schutze empfohlen und die Eröffnung des Schuljahres verkündigt.
Eine große, zu fortgeſetzter Kraftanſtrengung ermunternde Freude wurde den Reallehrern durch Verleihung von Gratifikationen bereitet, ſowie durch Reſcript des Herrn Cultus⸗ und Unterrichtsminiſters vom 26. Februar d. J. die abermalige Erweiterung der Anſtalt durch Errichtung einer 4. Klaſſe mit Oſtern nächſthin in Ausſicht geſtellt und unter huldvoller Verheißung von Renumerationen an die Lehrer für das folgende Schuljahr die Verſicherung ertheilt, die zur voller Entwicklung der Anſtalt nöthigen Mittel auf den nächſten Staatsetat zu bringen.
Unter dem 1. Januar d. J. wurde Referent,— laut Decret Gr. Heſſ. Oberſtudien⸗Direction zu Darm⸗ ſtadt vom 7. Januar 1866 proviſoriſch als erſter Lehrer mit der Direction der Realſchule betraut,— von Königlicher Pegierung zu Wiesbaden, Abtheilung für Kirchen⸗ und Schulſachen, in gleicher Eigenſchaft definitiv beſtätigt.—


