Jahrgang 
1914
Einzelbild herunterladen

3) Sprechstunden, Schulzeugnisse und Konfirmandenunterricht.

Die Zeit der Sprechstunden wird im unteren Hausflur und in allen Klassen- zimmern durch Anschlag bekannt gemacht, so daß jeder Schüler imstande ist, seine Eltern genau darüber zu unterrichten. In den Sprechstunden können sich die Eltern über Fleiß, Aufmerksamkeit, Betragen und Leistungen ihrer Söhne Auskunft verschaffen und, wenn die Leistungen hinter den Anforderungen der Klasse zurückbleiben, auch. Rat über etwa zu ergreifende Maßregeln erhalten. Wenn sich auf diese Weise die Eltern über die Fortschritte ihrer Kinder während des ganzen Schuljahres auf dem Laufenden erhalten, werden auch die meist zwecklosen Besuche der Eltern kurz vor Schluß des Schuljahres, die nur die Versetzung der Schüler betreffen, von selbst wegfallen. Doch stehen der Direktor und die Lehrer hinsichtlich anderer Fragen auch gegen Ende des Schuljahres den Eltern stets gern mit Rat und Tat zur Seite. UÜUber die Leistungen und Fortschritte der Schüler geben übrigens auch deren Hefte Auskunft. Es ist daher dringend wünschenswert, daß sich die Eltern die Hefte der Söhne öfters vorlegen lassen, wobei sie auch auf eine saubere und gute Handsebrift hinweisen sollen, die gerade in den häuslichen Arbeiten oft vermißt wird. Der Eifer der Schüler wird durch die Aufmerksamkeit, die die Eltern den Hausaufgaben widmen, sicherlich gesteigert werden. Unbedingt müssen auch die Eltern darüber wachen, daß ihre Söhne die Hausaufgaben rechtzeitig und vor allen Dingen selbständig machen. Die Schule kann die Hausarbeiten der Schüler nicht entbehren, die Lehrer sorgen gewissen- haft dafür, daß sie nicht zu umfangreich und so vorbereitet sind, daß sie jeder Schüler bei der nötigen Aufmerksamkeit selbst anfertigen kann. Leider machen wir aber vielfach die unliebsame Erfahrung, daß viele Schüler ihre Aufgaben nicht an dem Tage machen, an dem diese aufgegeben sind, ja daß sie diesc gar von anderen Schülern zu Hause oder in der Schule abschreiben. Die Eltern können das Anfertigen der Hausaufgaben an der Hand der Aufgabenbücher ihrer Kinder leicht überwachen. Wir haben sichere Beweise dafür, daß dieses Abschreiben bei manchem Schüler der Grund für ihr Zurückbleiben gewesen ist.. S e were ke

Wie man Schulzeugnisse lesen soll. Seit einer Reihe von Jahren ist die Rung- ordnung abgeschafft worden. Die Platzberechnung ist nämlich einem gewissen Schematismus unterworfen, und ihre Ergebnisse täuschen die Eltern oft über den wahren Kenntnisstand ihrer Kinder. DasHerauf- und Herunterkommen hängt nicht nur von den Leistungen des einzelnen Schülers ab, sondern auch von denen der Mit- schüler. Allerdings ist es nicht allen Eltern gegeben, ein Zeugnis ohne Platznummer richtig zu lesen. Daher dürften einige Aufklärungen über das Zustandekommen der Zeugnisse und die Art der Bewertung der einzelnen Fächer willkommen sein.

Jedes Schulzeugnis unterscheidet 1) allgemeine Noten über Betragen, Aufmerk- samkeit, Ordnung, Handschrift und Fleiß und 2) besondere über die Leistungen in den einzelnen Fächern. 118,n.;

Die allgemeinen Noten werden von der Gesamtheit der Lehrer der Klasse fest- gesetzt. Die Fleißnote fällt an Lyceen ganz weg, an Knabenschulen wird der Fleiß nur charakterisiert, wenn besondere Umstände dazu nötigen. Der Grund dafür liegt in der Schwierigkeit, den häuslichen Fleiß ohne Einblick ins Elternhaus zu beurteilen.

Für die Leistungen in den einzelnen Fächern sind amtlich fünf Prädikate vor- geschrieben: Sehr gut, Gut, Genügend, Mangelhaft, Nicht genügend. Wo der Lehrer