I. Sur Geſchichte der Anſtalt
Das Jahr 1926 auf 1927 war ein Markſtein in der Entwickelung unſerer An⸗ ſtalt; denn in ihm vollzog ſich die Vollendung des Ausbaues der Aufbauſchule. Am 19. Februar 1927 entließen wir die erſten Abiturienten. Sechs Jahre redlicher Arbeit liegen hinter uns. Wir können ſagen, der Gedanke der Aufbauſchule hat ſich praktiſch bewährt.
Unſere Abiturienten zeigten eine geiſtige Reife, die uns beſtimmt hoffen läßt, daß ſie ſich auch beim Studium auf der Univerſität und ſpäter im praktiſchen Leben be⸗ währen werden.
Mehr über dieſen Punkt zu ſagen, dürfte für uns als Beteiligte am Urteil nicht am Platze ſein.
Ein kurzer Rückblick auf die Entwickelung unſerer Anſtalt in den letzten ſechs Jahren möge aber geſtattet ſein.
Nach dem wohlgefügten und wohldurchdachten Plane des leider ſo früh verſtor⸗ benen Herrn Miniſterialrates Dr. Bach gingen wir vor 6 Jahren frohen Mutes ans Werk und kamen in ruhiger ſteter Arbeit nach dieſem Plane ans Ziel. Nur ganz unter⸗ geordnete Aenderungen erwieſen ſich als nötig. Die Anſtalt wuchs nach und nach immer mehr, ſo daß wir in den letzten zwei Jahren ſogar Doppelklaſſen einrichten mußten.
Der Gedanke der Aufbauſchule, der anfangs der Allgemeinheit gar ſpröde war, brach ſich nach und nach Bahn. Freilich manch aufklärender Vortrag mußte gehalten und mancher Artikel in die Tageszeitungen geſchrieben werden. Regen Eifer entfaltete die Lehrerſchaft auf dem flachen Lande für unſere Schule. Auch bei der Geiſtlichkeit fanden wir vielfach Unterſtützung. Sie beide haben uns manchen begabten Schüler zugeführt. Herzlichen Dank hierfür auch an dieſer Stelle.
In zweifacher Weiſe wurde dieſe ruhige und ſtetige Entwickelung während der letzten ſechs Jahre geſtört. Wenig für unſere auf dem Gebiete der Schule ſo haſtende Zeit.
Einmal geſchah dies, daß entſprechend dem Verlangen der Univerſitäten auch die zweite Fremdſprache verbindlich wurde; denn es wurden dadurch die Charak⸗ terzüge der Aufbauſchule etwas verwiſcht. Die Realfächer und Muſik mußten die Zeche zahlen. Verbunden hiermit war die Feſtlegung des Lateiniſchen als erſte und des Franzöſiſchen als zweite Fremdſprache.
Dann war es die Einführung des Schulgeldes für die Aufbauſchulen, die ſtörend auf ihre Weiterentwickelung wirkte. Gar mancher Schüler aus den mittleren Ständen ging uns dadurch verloren. Zum Glücke beſtehen noch weite Mög⸗ lichkeiten der Befreiung vom Schulgelde für bedürftige Schüler. Damit in Verbindung ſtand die infolge der ſchlechten Finanzlage Heſſens eingetretene Kürzung der Summe für Freiſtellen hinſichtlich Koſt und Wohnung.
Trotz und alledem marſchiert der Gedanke der Aufbauſchule und ſind für das neue Schuljahr ſchon eine ſtattliche Zahl Schüleer angemeldet.
Geben wir nun noch einen kurzen Ueberblick über die Verhält⸗ niſſe des letzten Schuljahres.


