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Das fremdſprachliche Element tritt in der Aufbauſchule etwas zurück. Anfangs ſollte nur eine Fremdſprache und zwar Franzöſiſch getrieben werden. Infolge davon, daß ſich namentlich die Hochſchulen gegen einſprachliche Abiturienten ausſprachen, wurde als zweite Fremdſprache Latein eingeführt, aber nur im Ausmaße von 14 Wochenſtunden in den oberen 4 Klaſſen zuſammen.
In Zukunft ſoll das Latein die führende Stellung haben und Franzöſiſch erſt in Unter⸗ ſekunda beginnen.
Mathematik wird etwa in der Ausdehnung wie am Gymnaſtum erteilt und die natur⸗ wiſſenſchaftlichen Fächer ſowie Erdkunde wie an den Realgymnaſien.
Wir haben ſchon oben angedeutet, daß die Wahl der Art der höheren Schule für ihre Kinder von den Eltern am beſten in Rückſicht auf den zukünftigen Beruf getroffen werden ſolle. Darnach käme beiſpielsweiſe für den werdenden Theologen oder Juriſten in erſter Linie das Gymnaſium in Betracht, während der Neuſprachler an das Realgymnaſium zu denken hätte und der Mathematiker oder Naturwiſſenſchaftler ſich der Oberrealſchule zuwenden müßte.
In dieſer Hinſicht iſt die Aufbauſchule in erſter Linie zukünftigen Lehrern zu empfehlen, doch, das ſei ausdrücklichſt hervorgehoben, nicht nur etwa für dieſe beſtimmt. Wie die Abiturienten der anderen höheren Schulen in der Auswahl ihres Studiengegenſtandes nicht beſchränkt ſind, haben auch die Schüler der Aufbauſchule in dieſer Richtung vollſtändig freie Wahl. Beſonders wichtig iſt die Errichtung der Aufbauſchulen in ſozialer Beziehung. Nicht jedermann kann ſich den Luxus geſtatten, ſein Kind einmal ein paar Jahre in eine höhere Schule zu ſchicken und es herauszunehmen, wenn es dort nicht mitkommt. Oft entwickeln ſich auch die Fähigkeiten eines Kindes erſt ſpäter, und da iſt der Übertritt in eine der ſeitherigen Schulen nicht gerade unmöglich, aber doch recht ſchwer. Wieder andere können die Koſten der Ausbildung noch gerade für 6 Jahre aufbringen, aber nicht für 9. Hier ſetzt nun die Aufbauſchule ein und ermöglicht auch Schülern in weiter fortgeſchrittenem Alter den Weg zur Hochſchule einzuſchlagen. Noch wichtiger aber iſt die Aufbauſchule fürs flache Land, wo die höheren Schulen oft nur ſchwer zu erreichen ſind oder die Eltern ihre Kinder nicht ſo früh aus der Hand geben wollen.
Hier hilft die Aufbauſchule, in deren Internat man gute hübſche Unterkunft und für geringes Entgelt vorzügliche Verpflegung findet. Anfangs war die Aufbauſchule gar reich mit Freiſtellen bedacht. Mit der Verſchlechterung unſerer Finanzen iſt das leider auch ſchlechter geworden. Sehr zu bedauern, denn herzerfriſchend war es zu beobachten, wie da mancher kleinen Leute Kind ſich prächtig entwickelte. Immerhin iſt das Erlangen von Freiſtellen noch möglich, wenn auch viel ſchwerer geworden. Bezüglich Erlaß des Schulgeldes iſt aber die Möglichkeit hier noch mehr geboten als an anderen Schulen. Untergebracht iſt die Aufbauſchule in Bensheim in den prächtigen Räumen des nun aufgehobenen Ernſt⸗Ludwigs⸗Seminars, wo die Schüler mit Ausblick auf die herrlichen Randgebirge der Bergſtraße geſunde Wohnung haben. Der beim Gebäude befindliche geräumige Park mit ſeinem großen Spielplatze dient den Schülern zur Erholung und körperlichen Ertüchtigung, die ganz hervorragend an der Aufbauſchule gefördert wird. Ob die Aufbauſchule ſich bewährt, muß, wie geſagt, die Zukunft lehren. Nach dem ver⸗ heißungsvollen Anfange iſt es zu hoffen.
Möge die neue Schulart in edlem Wettbewerbe mit den anderen höheren Schulen an der Heranbildung einer arbeitſamen, pflichtbewußten, ſittlich hochſtehenden Jugend zum Heile unſeres Vaterlandes wirken!


