I. Der Unterricht. a) Die Aufbauſchule.
Das humaniſtiſche Gymnaſium ſtellt in den Mittelpunkt ſeines Unterrichtsbetriebes das klaſſiſche Altertum, die Oberrealſchule iſt gekennzeichnet durch das Vorwiegen der naturwiſſen⸗ ſchaftlich⸗mathematiſchen Fächer und im Realgymnaſtum halten ſich ſprachliche Fächer, unter Betonung der neueren Sprachen, und Realfächer das Gleichgewicht. Zu ſtreiten, welcher von dieſen Bildungsgängen der einzig richtige ſei, iſt müßig, dieſe Gliederung entſpricht eben dem Bedürfniſſe unſerer Zeit, die entſprechend der reichen Gliederung unſerer Berufsarten eine Möglichkeit verſchiedener Art der Vorbereitung hierauf verlangt. Dazu iſt nun im letzten Jahrzehnt eine weitere Schulgattung gekommen. Dem Wunſche, gleich anderen Kulturvölkern das nationale Kulturgut in den Mittelpunkt des Unterrichts zu ſtellen, entſprang dieſe aller⸗ neuſte Schulgattung, die deutſche Oberſchule. Sie läßt die Fremdſprachen, alte wie neue, ohne ſie zu vernachläſſigen gegenüber dem Unterrichte in deutſcher Sprache, deutſcher Geſchichte und deutſcher Kunſt zurücktreten, pflegt alſo in erſter Linie die Geſchichte und Kenntnis des heimiſchen Kulturgutes, ſo viel wie möglich in Anſchluß an die engſte Heimat. Ob der Verſuch gelingt, auf dieſem Wege die Schüler zur Reife für die Hochſchule zu bringen, müſſen wir abwarten. Die Bedingungen hierfür ſind vorhanden und die Anfänge vielverſprechend.
Eine Abart dieſer deutſchen Oberſchule iſt die Aufbauſchule. Während die übrigen höheren Schulen einſchließlich der zuletzt genannten deutſchen Oberſchule an die ſog. Grund⸗ ſchule anſchließen, alſo die Schüler nach vierjährigem Beſuche der Volksſchule aufnehmen, baut die Aufbauſchule, daher ihr Name, auf den vollendeten Beſuch der Volksſchule auf, beginnt ihren Unterricht alſo erſt mit Schülern, welche die Volksſchule ganz abſolviert haben. Wie bezüglich des Grundſchulbeſuches Ausnahmen geſtattet ſind, iſts auch hier: Schon nach vollendetem ſiebenjährigem Beſuche der Volksſchule können beſonders begabte und körperlich gut entwickelte Schüler ausnahmsweiſe in die Aufbauſchule aufgenommen werden.
In 6 Jahren nun führt die Aufbauſchule zum Maturum, d. h. zur Reife für die Univerſität, während dies bei den anderen höheren Schulen in 9 Jahren geſchieht.„Muß alſo drei Jahre einholen“, wird da mancher ſagen und fortfahren:„So etwas iſt ja gar nicht möglich.“ Der begeht den erſten großen Fehler, daß er die Tätigkeit in den Oberklaſſen der Volksſchule einfach gleich Null ſetzt, was doch grundverkehrt iſt: denn nicht nur reicher an Kenntniſſen, ſondern auch an geiſtiger Reife als die Grundſchüler ſind die Schüler, welche die ganze Volks⸗ ſchule abſolviert haben. Allerdings gewiſſe Kenntniſſe, namentlich in fremden Sprachen, fehlen ihnen. Dieſe Lücke muß ausgefüllt werden, der Unterrichtsbetrieb ein raſcher fortſchreitender ſein. Wie nun wird das ermöglicht?
Dieſer Schwierigkeit begegnet die Aufbauſchule, indem ſie ihr Schülermaterial ſcharf auslieſt. Nur Schüler, die in der Volksſchule die Durchſchnittsnote II haben, werden zur Aufnahmeprüfung zugelaſſen, während ſolche in anderen Schulen ohne Prüfung aufgenommen


