Jahrgang 
1915
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6.

V. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Ernst-Ludwigs-Seminar begann das Schuljahr 1914/15 am 28. April mit 172 Zöglingen.

Für den erkrankten und noch weiter beurlaubten Seminarlehrer Dr. Glöckner wurde der Lehramtsreferendar Anton Hainstadt aus Butzbach, seither an der Oberrealschule zu Worms tätig, am 20. April zur Vertretung berufen. Schon am ersten Mobilmachungstage, am 2. August, musste er dem Rufe in den Kampf für das Vater- land folgen und als Vizefeldwebel der Reserve bei seinem Regiment in Strassburg einrücken, um an den Kämpfen im Ober-Elsass teilzunehmen. Nach Heilung der da- bei empfangenen Wunde am Fusse weilt Kollege Hainstadt, der unterdessen zum Leutnant d. R. befördert worden ist, jetzt beim Regiment in Courtray in Belgien. Seine Ernennung zum Lehramtsassessor erfolgte während seiner Genesung.

Seinen Unterricht hatte Lehramtsassessor Dr. Heinrich Kreickemeier aus Darmstadt übernommen. An Stelle des nach Ostern definitiv an die Seminarschule zu Friedberg von unserer UÜbungsschule berufenen Schulverwalters Karl Heberer, der nach Ausbruch des Krieges als Unteroffizier eingezogen wurde und trotz siebenfacher Verwundung im Felde wiederhergestellt werden konnte, trat Schulverwalter Ludwig Klenk aus Wimpfen. Auch er wurde im Oktober zur Ausbildung beim Ersatz- Bataillon in Worms eingezogen und kämpft jetzt in Polen vor Warschau.

Zuvor war im August der Seminarhilfslehrer Wilhelm Schuchmann beim Regiment 221 eingerückt. Nach seiner Ausbildung nahm er an den Kämpfen in Polen teil, wurde durch 3 Schrapnellkugeln verwundet und sieht seiner Heilung im Reserve- Lazarett II in Lissa entgegen.

Die beiden Kollegen Seminarlehrer Bentz und Schmidt leisten als Ersatz- reservisten in Worms dem Vaterland Kriegsdienste.

Seit dem ersten Mobilmachungstage steht auch unser Heizer Johann Klober in militärischem Dienst. In den Argonnen nahm er seither an unzähligen Gefechten teil, erwarb sich durch seine Tapferkeit das eiserne Kreuz und bewahrt trotz der Mühen des Schützengrabendienstes, der unausgesetzten Gefahren in den Angriffs- gefechten seinen Humor und beweist letzteren in zahlreichen und höchst interessanten Karten und Briefen.

Während der Monate August und September war der Direktor beim Land- sturm-Infanterie-Bataillon II. als Hauptmann bei der Ausbildung einer Kompagnie tätig. Darauf übernahm er wieder seinen Schuldienst und leitete daneben von den Kollegen Professor Geissler, Seminarlehrer Muth und einigen andern Herren aus der Stadt unterstützt die Ubungen der etwa 150 Jünglinge starken jugendwehr-Kompagnie Bensheim.

Wie vor Ausbruch des Krieges sich die Seminaristen an der Ausbildung der Krankenträger-Abteilung beteiligten und nach der Kriegserklärung mit grossem Fleiss beim Einbringen der Ernte in den Nachharorten Schwanheim und TZell halfen, so sind sie jetzt auch mit regem Eifer bei den Obungen und Belehrungen der Jugendwehr.

Aus den 3 oberen Klassen sind folgende Schüler länger oder kürzer ein- gezogen oder im Felde:

Aus Klasse l:

Georg Enders aus Lützel-Wiebelsbach in Frankreich Karl Kröll aus Offenbach, jetzt in Belgien

Joseph Jans aus Lindenfels, wieder in Frankreich Adolph Staudt aus Hohenstadt in Frankreich.