Jahrgang 
1906
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F. Gottesdienst.

Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienſt ihrer Konfeſſion teil und ſangen mehr⸗ fach während deſſelben geiſtliche Chöre.

G. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr 1905/06 begann am 9. Mai 1905 und wird am 4. Kpril 1906 endigen.

Aus dem vorhergehenden iſt noch zu berichten, daß durch Allerhöchſtes Dekret vom 14. Januar 1905 dem Oberlehrer Georg Lenhart der Charakter als profeſſor erteilt wurde.

Während der Oſterferien ſtarb in Rothenberg im Kreiſe hHeppenheim der hoffnungs⸗ volle Schüler der Unterklaſſe Wilhelm Schwinn, der eines Bruſtleidens wegen im Januar 1905 in ſeine heimat beurlaubt worden war. Wegen der Ferien konnten Lehrerkollegium und ööglinge nicht an dem Begräbnis teilnehmen. Der Direktor drückte aber im Ramen der Anſtalt den tiefbetrübten Eltern herzlichſtes Beileid aus und beauftragte den Seminariſten Schäfer aus hHeſſelbach, am Grabe ihres Sohnes eine Kranzſpende niederzulegen. Ebenfalls in den Oſterferien ſtarb am 2. Mai 1905 im hoſpital zu Bensheim nach langem Leiden der brave 5ögling der Oberklaſſe Friedrich Adam aus Lützelbach. Un der Beerdigung, die in Neunkirchen ſtattfand, beteiligten ſich 5 Lehrer und eine große Anzahl von 5öglingen aus Bensheim und der Umgebung. Um Grabe widmete der Direktor mit geziemenden Worten dem Entſchlafenen eine Kranzſpende.

Mit Beginn des Schuljahres mußte Kollege Döbert, der an einer heftigen Influenza ſchon längere Zeit erkrankt war, einen halbjährigen Urlaub nachſuchen. Sein Unterricht wurde von Seminarhilfslehrer Gutzler erteilt, und deſſen Stunden wurden vom Schulverwalter Georg. Born aus Fränkiſch⸗Crumbach bis zu den herbſtferien übernommen.

Der Unterricht wurde mit einer Feier des 100 jährigen Todestages Friedrichs v. Schiller eingeleitet, wobei Oberlehrer Werner den Dichterfürſt als Menſchen, Poeten, Gelehrten und Erzieher der Menſchheit würdigte. Der nächſte Feſttag für die Anſtalt war der 30. Juni, an welchem die üblichen Sommerausflüge unternommen wurden. Es fuhr die Oberklaſſe gemeinſam mit der Mittelklaſſe nach Cronberg im Caunus, marſchierte über den Altkönig nach dem Feldberg und weiter nach Rönigſtein und Eppſtein, wo die heimfahrt angetreten

wurde. Die Mittelklaſſe wanderte nach Beſichtigung des Kaiſer Friedrich⸗Denkmals nach der

Feſte Königſtein und dann ebenfalls nach dem Feldberg, beſichtigte am Nachmittage die Saal⸗ burg und ſpäter vor der heimreiſe die vornehme Badeſtadt Homburg v. d. hH. mit ihren Anlagen. Die Unterklaſſe marſchierte von Weinheim nach Reckarſteinach und unternahm am Rachmittage eine Kahnfahrt nach heidelberg, wo noch vor der heimfahrt nach Bens⸗ heim dem Schloß ein Beſuch abgeſtattet wurde.

Der Ludwigstag war dem Beſuch der Gartenbau⸗fusſtellung in Darmſtadt gewidmet, und der Sedantag wurde in Lamberts Saal in Reichenbach durch Vortrag patriotiſcher Lie⸗ der, Muſikvorträge und eine Anſprache gefeiert. Im Geburtstage des Landesfürſten hielt der Direktor die Anſprache und ſchilderte in ſeinem Vortrage den Zuſtand der heſſiſchen Volksſchulen am Schluſſe des 18. Jahrhunderts. Seine Rönigliche Hoheit der Großherzog ver⸗ lieh an dieſem Tage dem Oberlehrer Profeſſor Flegler das Ritterkreuz I. Klaſſe des Ver⸗ dienſtordens Philipps des Großmütigen.