— 17—
Hoffentlich tragen die überaus reichen Erfahrungen und Beobachtungen, die auf dieser Reise gemacht wurden, zur Schaffung eines in jeder Hinsicht möglichst zweck- entsprechenden, schönen und geräumigen Neubaues für unsere Anstalt bei. Noch unter dem frischen Eindrucke dieser Studienreise konnte der Unterzeichnete im Auftrage Großh. Ministerialabte lung für Schulangelegenheiten während der Sommerferien im August ein ins Einzelne gehendes Programm für das neue Seminar entwerfen.
Wenn auch noch mancherlei Schwierigkeiten für die Großh. Regierung zu über- winden sein werden, so dürfen wir doch hoffen, dass in nicht allzuferner Zeit mit der Ausführung der neuen Anstalt begonnen wird. Zunächst sind im Staatsvoranschlag für 1905 4500 M. zur Beschaffung von Plänen und zur vollständigen Ausarbeitung des Pro- jekts während des kommenden Sommers eingestellt.
An Anderungen im Lehrkörper sind folgende zu berichten: Am 1. April 1904 wurde der seitherige Lehramtsassessor Christoph Glückert als Oberlehrer angestellt.
Christoph Glückert wurde am 19. Januar 1877 zu Mainz als Sohn des Kaufmanns Alois Glückert geboren. Nach gjährigem Besuch des dorügen Gymnasiums legte er Ostern 1895 die Reifeprüfung ab und widmete sich dann dem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften an den Universitäten München und Giessen. Im Frühjahr 1899 bestand er das Examen für das höhere Lehramt und er- warb die Lehrbefähigung in Mathematik, Physik, Chemie, Mineralogie und Deutsch. Den vorgeschriebenen Akzess absolvierte er an dem Grossh. Neuen Gymnasium zu Darmstadt. Nach Beendigung seiner Militär- dienstzeit beim Inf.-Regt. 117 in Mainz und einigen vorübergehenden Verwendungen in Langen, Darm- stadt und Worms kam er als Assessor an das Seminar in Bensheim und wurde am 1. April 1904 definitiv als Oberlehrer angestellt.
Am 1. Oktober wurde Kollege Eck, der 6 ½ Jahre an der Anstalt wirkte, durch Allerhöchstes Dekret zum Großh. Kreisschulinspektor in Alsfeld ernannt. Lehrer und Zöglinge verloren ungern den liebenswürdigen Kollegen und pflichttreuen Lehrer, dem selbst das Scheiden aus der unterrichtlichen Täſigkeit, die ihm in vielen Jahren lieb und teuer war, nicht leicht wurde. Möge es daher Herrn Kreisschulinspektor Eck vergönnt sein, in seiner neuen und verantwortungsvollen Stellung noch eine lange Reihe von Jahren sein reiches Wissen und Können zum Nutzen und Frommen der Volksschule Hessens zu betätigen.
Als Nachfolger des Herrn Eck wurde ein früherer Abiturient unserer Anstalt, der Kandidat des höheren Lehramts, Herr Dr. Heinrich Made, der zuvor am Großh. Real- gymnasium zu Mainz tätig war, von Großh Ministerium berufen.
Die patriotischen Feste wurden in üblicher Weise gefeiert. Am Geburtstage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs würdigte Kollege Glückert die Verdienste des Ahnherrn des hessischen Fürstenhauses. Philipps des Groôßmütigen, um seine Lande und gedachte dabei der Fürsorge des Großherzogs Ernst Ludwig für seine Untertanen mit dem Ausdruck der Freude über die am 21. November 1904 erfolgte Verlobung des Landesherra mit Prinzessin Eleonore von Solms-Hohensolms-Lich. Das ausgebrachte, aus vollem Herzen kommende Hoch galt dem erlauchten Brautpaare.
Zum Geburtstage des Landesherrn am 25. November wurde dem Direktor das Ritterkreuz Philipps des Großmütigen allergnädigst verliehen.
Die Festrede zu Kaisers Geburtstag hielt Kollege Gutzler und brachte das Hoch auf Seine Majestät aus. Der Vortrag behandelte die Entwickelung der deutschen Kaisersage.
Der Sedantag wurde zu Ausflügen in die Umgegend benützt, das Weihnachtsfest durch eine Bescherung gefeiert, während an Fastnacht Frohsinn und Scherz zu ihrem Rechte kommen werden.
Kollege Werner setzte auch im verflossenen Schuljahre seine knnstgeschichtlichen Vorträge fort und behandelte vor einem zahlreichen Publikum aus der Stadt und den


