16—
F. Gottesdienst.
Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienst ihrer Konfession teil und sangen mehrfach während desselben geistliche Chöre.
G. Lur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr 1904/05 begann am 19. April 1904 mit einem Bestande von 114 Zöglingen, wozu noch ein Hospitant kam, der sich auf die Prüfung als israelitischer Religionslehrer vorbereiten will. Der Schluss des Schuljahres fällt diesmal auf den 12. April..
Gleich im Anfang des Jahres mußte Oberlehrer Glückert eine militärische Ubung von achtwöchentlicher D)auer in Main⸗ absolvieren. Seine Unterrichtsstunden mußten von den übrigen Herren des Kollegiums bis Fronleichnam gehalten werden.
Eine weitere Störung im regelmäßigen Unterrichtsbetrieb trat durch die Erkrankung des Seminarhilfslehrers Gutzler nach den Osterferien ein. Herr Gutzler mußte Heilung und Erholung in der Heilstätte zu Naurod im Taunus suchen und konnte erst nach den Herbstferien seine dienstliche Tätigkeit wieder aufnehmen. Mit seiner Vertretung war der jetzt in Vilbel verwendete Schulverwalter Johannes Hoffmann von Großh. Ministe- rium beauftragt worden.
Die gewöhnlichen Tagesausflige wurden wieder im Mai unternommen. Die Ober- klasse besuchte Mannheim und Schwetzingen, und die beiden anderen Klassen machten eine gemeinschaftliche Tour von Weinheim an der Bergstr. aus durch den Odenwald an den Neckar und nach Heidelberg.
Fär die weitere Belehrung und Unterhaltung der Zöglinge dienten im Laufe des Jahres die Besuche des botanischen Gartens der technischen Hochschule zu Darmstadt, die Teilnahme am Unterricht der zweiklassigen Schulen zu Schönberg und Zell, der Besuch einiger Vorstellungen des Großh. Hoftheaters, eines Konzertes des Darmstädter Lebrervereins, der Sommerkonzerte, Kammermusikabende und Vorträge während des Winters in hiesiger Stadt.
Wie im vorigjährigen Programme mitgeteilt wurde, steht für unsere räumlich sehr beengte und gesundheitlich nicht entsprechende Anstalt ein Neubau in Aussicht, für den vorsorglich bereits ein sehr günstig gelegenes und schönes Baugelände von hoher Regier- ung mit Zustimmung der Landstände wäbrend des Schuljahres erworben wurde.
Eine von Großhb. Ministerium ernannte Kommission bestehend aus den Herren Ge- heimer Oberbaurat Klingelböffer aus Darmstadt, Grossb. Bauinspektor Plock von Bens- heim und dem Unterzeichneten besuchte im Juli eine Reihe der neuesten und zweck- mäßigst ausgestatteten Seminarbauten und Schulhäuser in Sachsen und Bayern. Dem Herrn Geheimen Regierungsrat Grüllich in Dresden, der die Kommission zu empfangen die Güte batte, und den Direktionen der Seminare zu Altenburg. Cöthen, Dresden-Plauen, Ba tzen, Annaberg, Frankenberg. Stollberg, Plauen i. V., Bamberg und Würzburg, die eine eingehende Besichtigung shrer mustergiltigen Neubauten gestatteten und die Kom- mission mit ihren Erfahrungen und Ratschlägen bereicherten, sei auch an dieser Stelle wärmster Dank ausgesprochen. Auch dem Herrn Stadtbaurat Scharenberg in Leipzig, der uns den Besuch der neuesten und schönsten Schulhäuser der Stadt Leipzig ermög- lichte, und nicht am wenigsten der Direktion des großartig angelegten und geradezu glänzend ausgestatteten Freimaurer-Institutes in Dresden gebührt unser bester Dank.


