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Die kunſtgeſchichtlichen Vorträge des Kollegen Werner, dieſchon im vorhergehenden Schuljahre begonnen hatten, wurden auch im letzten Jahre von den Zöglingen der Ober und Mittelklaſſe beſucht und erfreuten ſich auch eines regen Beſuches ſeitens weiteren Publikums. Herrn Ober— lehrer Werner ſei an dieſer Stelle für ſeine Mühe von der Anſtalt beſtens gedankt.
Die Zöglinge beſuchten daneben auch mehrmals das Großherzogliche Hoftheater in Darm— ſtadt, deſſen Direktion wieder in höchſt dankenswerter Weiſe Einlaßkarten zu ermäßigten Preiſen zur Verfügung geſtellt hatte. So beſuchten die Oberklaſſe die Vorführung der zur Feier von Schillers Geburtstag veranſtalteten Wallenſteintrilogieng und die Meiſterſinger und die Zöglinge der Mittelklaſſe den Tannhäuſer und die der Unterklaſſe die Lortzing'ſche Oper Zar und Zimmermann und Wilhelm Tell.
Der Sedantag, das Weihnachtsfeſt und Faſtnacht wurden in üblicher Weiſe durch interne Veranſtaltungen gefeiert.
Eine für das Volksſchulweſen und die Entwickelung der Schullehrerſeminarien wichtige Ver⸗ ordnung wurde am 9. September 1903 erlaſſen. Darnach können Volksſchullehrer und Schul— amtsaſpiranten, die in der Entlaſſungsprüfung an einem heſſiſchen Seminar die erſte, in der Definitorialprüfung die erſte oder zweite Note erhalten und ſich im praktiſchen Schuldienſt be— währt haben, ſofern ſie mindeſtens drei Jahre an öffentlichen Schulen des Landes tätig geweſen ſind, von Großh. Miniſterium des Innern für die Dauer von drei Jahren zum Beſuch der Landesuniverſität beurlaubt und in dieſem Falle als„Studierende der Pädagogik“ zur Imma— trikulation in der philoſophiſchen Fakultät zugelaſſen werden.
Der Abſchluß der akademiſchen Studien erfolgt bei den Studierenden der Pädagogik durch eine beſondere Prüfung, die früheſtens nach Ablauf von fünf Studienhalbjahren abgelegt wer⸗ den kann.
Während der letzten Monate hatten die Schüler der Oberklaſſe Gelegenheit, dem Unterricht in zweiklaſſigen Schulen zu Schönberg und Zell anzuwohnen.
Zum Ankauf eines etwa 10 Morgen großen, ſchön gelegenen Geländes für einen Seminar— neubau hat Großh. Regierung 54000 ℳ in das nächſtjährige Büdget eingeſtellt, und es iſt zu hoffen, daß die Forderung von den Landſtänden Genehmigung findet.
Bemerkt ſei auch noch, daß der Unterzeichnete am 27. Juni vom Kreisausſchuß zum Mit⸗ glied der Großh. Kreisſchulkommiſſion des Kreiſes Bensheim gewählt und mit Wirkung vom 1. Oktober im Nebenamt zum Leiter der in ſtädtiſche Verwaltung übernommenen nunmehrigen höheren Bürgerſchule(Mädchenſchule) vom Großherzogl. Miniſterium ernannt wurde.
Lehrer und Schüler erfreuten ſich im verfloſſenen Schuljahre guter Geſundheit. Tie herr⸗ liche Umgebung wurde von den Zöglingen viel durchſtreift, und Schwimmbad und Eisbahn waren fleißig beſucht.
Für die Zuſendung von Büchern, Zeitſchriften, Muſikalien und anderen Lehrmitteln wird den freundlichen Gebern geziemend gedankt.
II. Prüfungen und Entlaſſungsfeier. Schriftliche Prüfungen der 3 Klaſſen: am 25., 26. und 27. Februar. Mündliche Entlaſſungsprüfung: am 14., 15. und 17. März. Mündliche Prüfung der Mittelklaſſe: am 16. und 23. März. Mündliche Prüfung der Unterklaſſe: am 24. März.
Freitag, den 18. März 1904. (In der Seminarturnhalle.) Vormittags 10 Uhr: Turnſchau.
Nachmittags 3 Uhr: Feſtfeier. Hierzu wird ein beſonderes Programm ausgegeben.


