Jahrgang 
1904
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E. Gottesdienſt.

Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienſt ihrer Konfeſſion teil und ſangen mehr⸗ fach während desſelben geiſtliche Chöre.

(. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Das Schuljahr 1903/04 nahm am 28. April 1903 ſeinen Anfang und wird am 24. März enden. Im Anfang hatte die Anſtalt 113 Zöglinge, von denen einer im Laufe des Jahres austrat.

Gleich zu Anfang mußte am 9. Mai der Kollege Buxbaum eines inneren Leidens wegen um einen längeren Urlaub nachſuchen. Während ſeiner Beurlaubung bis zum Beginn des Winterhalbjahres war der Schulverwalter Karl Bentz von der Stadtſchule zu Worms mit der Vertretung beauftragt.

Die üblichen Frühjahrsausflüge wurden im Monat Mai unternommen. Die Oberklaſſe fuhr über Mannheim nach Dürkheim und beſuchte das Kloſter Limburg, die Hardenburg und den Drachenfels in der Pfalz und kehrte über Neuſtadt-Ludwigshafen zurück. Die Mitttelklaſſe reiſte zunächſt mit der Bahn nach Mainz, ſuhrvon da mit dem Dampfer bis St. Goar und wieder mit der Bahn zurück nach Bingen, von wo aus Aßmannshauſen und der Niederwald mit ſeinen Sehenswürdigkeiten beſichtigt wurden. Das Reiſeziel der Unterklaſſe war diesmal die Stadt Aſchaffenburg mit ihren ſehenswerten Gebäuden und der Johannisberg mit ſeiner prächtigen Rundſicht.

Vom 4. Juni an war Lehramtsaſſeſſor Glückert zu einer achtwöchigen Uebung einge zogen und wurde während ſeiner Abweſenheit durch die übrigen Herren des Kollegiums vertreten. Das Gleiche geſchah, als der Hilfslehrer Gutzler im Juli und Auguſt an dem Zeichenkurſus unter der Leitung des Großh. Oberlehrers Hölſcher in Darmſtadt teilnahm.

Am 25. Juni beteiligte ſich die Anſtalt an dem Leichenbegängnis ihres am 22. Juni in Wildungen im 84. Lebensjahre verſtorbenen ehemaligen Direktors, des Herrn Geh. Schulrat Mühr. Der Unterzeichnete legte im Namen des Lehrerkollegiums unter geziemender Anſprache einen Kranz am Grabe des verdienten Schulmannes nieder, nachdem die Zöglinge unter Leitung des Muſiklehrers Döbert ein Grablied von Fr. Kuhlau geſungen hatten.

Beſuch hatte das Seminar im verfloſſenen Schuljahr öfters. Zunächſt beſichtigte am 8. Juli Herr Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth aus Darmſtadt die Anſtalt und wohnte dem Unterricht mehrerer Lehrer in allen Klaſſen bei. Am 1. September hielt der Herr Biſchof von Mainz, Dr. Brück, ſeine erſte und leider auch ſeine letzte Religionsprüſung mit den katholiſchen Zöglingen unſeres Seminars ab. Der Turnuntcrricht wurde dann kurz vor den Prüfungen am 28. Januar 1904 von dem Großh. Turninſpektor Herrn Schmuck aus Darmſtadt beſichtigt, und am 2. Ok⸗ tober wohnte Herr Profeſſor Crayſſac vom Lycée d'Angouléème einigen Stunden bei.

Bei den patriotiſchen Feſttagen wurden in üblicher Weiſe Feſtreden gehalten, Deklamationen, Lieder und Muſikſtücke zum Vortrag gebracht. Bei der Feier des Geburtsfeſtes Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs gedachte Oberlehrer Lenhart in ſeiner Anſprache der tiefen Trauer, in welche der Landesfürſt und mit ihm alle Heſſen durch das in Skierniewice am 16. November 1903 erfolgte Ableben der jungen lieblichen Prinzeſſin Eliſabeth verſetzt worden ſind. An Kaiſers Geburtstag hielt Oberlehrer Werner den Vortrag und ſchilderte die Bemühungen, in den Jahren 1848 bis 1852 eine deutſche Flotte zu ſchaffen, und das Anwachſen und Blühen unſerer heutigen Seemacht.