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Mummelſee aufgeſucht und am Abend des zweiten Ausflugtages im Kurhaus Ruhſtein über⸗ nachtet. Südwärts führte am dritten Morgen der Weg über Allerheiligen mit ſeiner romantiſchen Kloſterruine und großartigen Waſſerfällen nach Oppenau und von da mit der Bahn nach dem idylliſch gelegenen Triberg. Der elektriſch beleuchtete Waſſerfall wurde noch am Abend beſichtigt und der Reſt des Tages in heiterem Kreiſe und deutſcher Wander⸗ und Sangesluſt verbracht.
Auch die Heimreiſe am vierten Tage bot noch Gelegenheit Merkwürdiges und Schönes zu ſehen. In Karlsruhe wurden noch die Großherzogliche Gemäldegallerie und ſonſtige Sehens⸗ würdigkeiten bewundert.
Das Reiſeziel für die Unterklaſſe waren der Vogelsberg und die Rhön. In Gelnhauſen, wo man den erſten Reiſehalt machte, wurde die Barbaroſſaburg, das romaniſche Haus und die herrliche Stadtkirche betrachtet. Nach mehrſtündiger Fußwanderung wurde dann Büdingen mit ſeinem alten Fürſtenſchloß und ſeiner mittelalterlichen Stadtbefeſtigung erreicht und gewürdigt. Weiter führte die Reiſe nach Gedern, dem erſten Nachtquartier, und von da bei ſtrömendem Regen nach Lauterbach und Fulda. Hier wurden noch am gleichen Reiſetag, da der Himmel ſich wieder aufgeheitert hatte, die Pfarrkirche, das Schloß, der Frauenberg und der Dom den Zöglingen gezeigt. Die Rhönbahn führte am dritten Tage die Reiſegeſellſchaft nach der Station Milſeburg. Zu Fuß ging es dann weiter auf die zewaltigen Phonolithkuppen der Milſeburg und am Teufelsſtein vorüber über Abtsroda zur Großen Waſſerkuppe, der höchſten Erhebung der Rhön mit großartigem Rundblick auf das ganze Gebirge. Die Tour wurde nach kurzer Raſt in der Schutzhütte über das rote Moor, den Heiligkreuzberg über Oberweißenbrunn nach Gersfeld fortgeſetzt, wo man recht müde aber auch recht befriedigt von dem Geſehenen um 10 Uhr Abends ankam. Da auch in der Rhön am vierten Ausflugstage Regenwetter eintrat, ſo wurde von weiteren Fußwanderungen Abſtand genommen und die Heimreiſe mit der Bahn über Fulda angetreten.
Alle drei Ausflüge boten den Zöglingen eine überaus reiche Fülle von Anregung und haben gewiß das Wiſſen der jungen Leute bereichert und ihren Geſichtskreis erweitert.
Die Vorſtellungen des Großherzoglichen Hoftheaters wurde auch im letzten Schuljahre von den Zöglingen öfters beſucht. Ebenſo wurde im September von den zwei oberen Klaſſen ein Beſuch der Sehenswürdigkeiten von Worms unternommen, bei welcher Veranlaſſung auch das Wormſer Sedanfeſt mitgefeiert wurde. Weitere Exkurſionen und Spaziergänge in den ſchönen Odenwald gewährten Erfriſchung und Abwechſelung in der angeſtrengten Seminartätigkeit.
Die diesjährige Prüfung der Lehramtsaſpirantinnen wurde Ende September an unſerer Anſtalt unter dem Vorſitze des Herrn Miniſterialrat Dr. Eiſenhuth abgehalten, und ſämtliche 14 Teilnehmerinnen konnten für beſtanden erklärt werden. Einige Tage vor dieſem Examen hatte der Herr Miniſteralrat in mehreren Stunden dem Unterricht einiger Kollegen beigewohnt.
Am 14. November beehrte uns Seine Excellenz der Herr Finanzminiſter Gnauth, in Begleitung des Herrn Vorſitzenden der Großh. Schulabteilung, mit ſeinem Beſuche und beſichtigte eingehend ſämtliche Räume der Anſtalt. Es iſt nach dieſem Beſuche zu hoffen, daß das Seminar in abſehbarer Zeit aus den engen und nicht mehr zweckentſprechenden Räumen des ehemaligen Kloſters in ausreichende, luftige und ſonnige Gebäude verlegt wird, wenn auch gerade jetzt die Ausführung des Planes auf große Schwierigkeiten ſtößt.
Die patriotiſchen Gedenktage wurden wie üblich durch Feſtreden, Deklamationen und muſikaliſche Vorträge feſtlich begangen. Die Anſprache hielt an Großherzogs Geburtstag Kollege Buxbaum, der bei dieſer Gelegenheit die von der Gemeinde Raunheim ihm zur Verfügung geſtellten Werke des heſſiſchen Pädagogen Schlez der Seminarbibliothek überreichte, und an dem des Kaiſers der Kollege Eck. Dem Gemeinderat von Raunheim ſei hier für die wertvolle Stiftung öffentlich gedankt.
Am franzöſiſchen Unterricht nahmen nach Vermehrung des Lehrerperſonals in der Unter⸗ klaſſe 31, in der Mittelklaſſe 21 und in der Oberklaſſe 8, im ganzen 60 Zöglinge teil. Künftig werden nur in Ausnahmefällen Befreiungen vom Franzöſiſchen eintreten.


