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Der Reſt des dritten Reiſetages diente nach kurzer Erholung zum Beſuche des Amphi— theaters mit ſeiner weiten Arena und ſeinen vielen Tierzwingern ſowie der alten Moſelbrücke, des Domes und der Liebfrauenkirche. Am vierten Tage wurden dann die römiſchen Thermen, das römiſch⸗germaniſche Provinzialmuſeum, die Porta nigra und a. m. beſucht und bei heiterem Sonnenſchein die Bahnfahrt durch das herrliche Moſelland bis Coblenz und gegen Abend weiter zurück an die Bergſtraße ausgeführt.
Das Ziel für die Unterklaſſe war die Lahn mit ihrer ſehenswerten und lohnenden Um— gegend. Die Klaſſe fuhr nach einer kurzen Beſichtigung der Stadt Coblenz, ihrer Denkmäler und Anlagen zunächſt nach Station Friedrichsſegen und beſichtigte nach kurzem Fußmarſche in Frücht das Grabdenkmal des Freiherrn vom Stein. Ein ſchattiger Waldweg führte die Wanderer nach Ems, wo nach einem Beſuch der Badeanlagen Raſt gemacht wurde, um den letzten Teil des Weges nach Naſſau zurücklegen zu können. An letzterem Orte wurde das erſte Nachtquartier genommen. Am andern Morgen führte der Weg nach dem Steindenkmal und weiter an der Lahn aufwärts an der Langenburg vorbei nach dem wohlerhaltenen Kloſter Arnſtein mit der auf ſteiler Felſenhöhe erbauten Abteikirche. Hier zweigte die Reiſeroute von der Lahn ab und führte die Klaſſe landeinwärts durch das wildromantiſche Dörsbachthal nach Katzenelnbogen und nach eingenommenen Mittageſſen weiter nach dem Schloſſe Schaumburg und Station Balduinſtein. Nach kurzer Eiſen— bahnfahrt wurde der Reſt des Tages zum Beſuche des Limburger Domes verwendet
Den nächſten Morgen wurden in Villmar die neue Kirche, das König Konraddenkmal und die ſehenswerten Marmorbrüche in Augenſchein genommen und die Reiſe nach Wetzlar fortgeſetzt. Nach einem Beſuche des Domes und des Lottezimmers wurde der großartige Fürſten⸗ ſitz und Luftkurort Braunfels aufgeſucht und nach dieſem Abſtecher in Weilburg übernachtet.
Der letzte Reiſetag galt dem Weilthale. Von Weilmünſter, bis wohin man am Morgen mit der Bahn gefahren war, wanderte man zu Fuß nach Uſingen weiter. Nach kurzem Auf⸗ enthalt daſelbſt wurde die Weiterreiſe bis Station Saalburg mit der Bahn bewerkſtelligt, von wo aus wieder die Fußwanderung nach dem Römerkaſtell gleichen Namens und nach deſſen Beſichtigung nach Homburg v. d. Höhe angetreten wurde. Der letzte Bahnzug brachte dann die Ausflügler wieder am Abend nach Bensheim zurück. Am folgenden Tage, einem Sonntage, war den Zöglingen hinreichend Gelegenheit zur Ruhe nach den anſtrengenden Märſchen gegeben. Es darf wohl bemerkt werden, daß dieſe viertägigen Reiſen, die von den Zöglingen einen Geld⸗ aufwand von 20 bis höchſtens 26 Mark erheiſchten, eine Fülle des Neuen und Intereſſanten boten und demnach in bleibender und angenehmer Erinnerung bleiben werden.
Andere Ausflüge wurden mit den Seminariſten am Sedantage unternommen. Die Unter⸗ klaſſe ſtattete den Nachbarſtädten Mannheim, Schwetzingen und Heidelberg Beſuche ab, die Mittelklaſſe verbrachte den Tag mit der Beſichtigung der Sehenswürdigkeiten von Frankfurt a. M., während die Oberklaſſe die Stadt Aſchaffenburg und ihre Umgebung zum Reiſeziel gewählt hatte. Von den die einzelnen Klaſſen führenden Seminarlehrern wurden die Bedeutung des Sedan⸗ tages für die Gründung des Deutſchen Reiches hervorhebende Anſprachen gehalten.
Die Wiederkehr des 150 jährigen Geburtstag des Dichterfürſten Goethe wurde auch in unſerer Anſtalt durch eine würdige Feier feſtlich begangen. Hierbei hielt Kollege Werner die Rede, in welcher Goethe als Menſch, Dichter und Erzieher den Zöglingen geſchildert wurde.
An den Geburtstagen Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin ſowie demjenigen Seiner Majeſtät des Kaiſers wurden in üblicher Weiſe Schulfeiern mit muſi⸗ kaliſchen Vorträgen, patriotiſchen Deklamationen und Anſprachen gehalten. Letztere hatten in dieſem Schuljahre der Direktor und Kollege Profeſſor Flegler übernommen.
Der Eintritt in das Jahr 1900 wurde zufolge miniſterieller Verfügung feierlich begangen. Kollege Buxbaum gab bei dieſer Veranlaſſung einen Rückblick auf die Errungenſchaften des abgelaufenen Jahrhunderts und ſkizzierte die Ziele und Aufgaben des kommenden.
Die diesjährige erſte Prüfung der Schulamtsaſpirantinnen wurde an unſerer Anſtalt im Monat September abgehalten. Am 22. und 23. September fand unter dem Vorſitz des Herrn Geheimen Oberſchulrates Nodnagel die mündliche Prüfung ſtatt, wobei 24 Aſpirantinnen beſtanden..


