Jahrgang 
1900
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PF. Gottesdienſt.

Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienſt ihrer Konfeſſion teil und ſangen mehr⸗ mals während desſelben geiſtliche Chöre.

G. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Die Zahl der Zöglinge betrug zu Anfang des letzten Schuljahres, am 20. April 1899, infolge der außerordentlich zahlreichen Anmeldungen zur Aufnahmeprüfung 107, ſodaß gegen das Schuljahr 1898/99 ein Zuwachs von 11 Schülern zu verzeichnen iſt.

Nach dreimonatlicher Schularbeit wurde gemäß einem an unſerem Seminar üblichen Brauche, alle drei Jahre eine weitere Reiſe auszuführen, Mitte Juni mit der ganzen Anſtalt ein vier⸗ tägiger Ausflug unternommen. In der Frühe des 14. Juni fuhren Lehrer und Seminariſten mit der Bahn nach Mainz, beſichtigten auf dem Gange nach dem Rheine die Sehenswürdigkeiten der Stadt und traten bei herrlichem Wetter auf dem Salondampfer Niederwald die Fahrt rheinabwärts an. Durch den prächtigen Rheingau an dem Nationaldenkmal und Bingen vorbei, durch das burgen⸗ und ſagenreiche rheiniſche Gebirge fahrend, kam die Reiſegeſellſchaft um die wüiltagspeit in Coblenz an, wo ſich die drei Klaſſen zu weiteren Touren von einander trennen mußten.

Die Oberklaſſe beſah ſich zunächſt die Stadt Coblenz, die Feſtung Ehrenbreitſtein und das Dorf Arenberg(roter Hahn) mit ſeinen ſehenswerten religiös⸗kirchlichen Anlagen und vollendete gegen Abend die Rheinfahrt bis Bonn mit ſeiner neuen und kühn erbauten Rheinbrücke.

Am zweiten Tage wurde am Morgen die rheiniſche Univerſitätsſtadt beſichtigt und die Reiſe mit dem Dampfer bis Köln unternommen, ſodaß der Nachmittag noch zur teilweiſen Betrachtung dieſer Stadt, namentlich ihres erhabenen Domes, des Meiſterwerkes deutſcher Gotik, verwandt werden konnte. Der dritte Reiſetag diente zur weiteren Beſichtigung der übrigen Sehenswürdigkeiten der rheiniſchen Biſchofsſtadt und zur Fahrt rheinaufwärts bis Königswinter, von welcher Station aus die Zahnradbahn die Klaſſe auf den Drachenfels mit ſeiner Burgruine und ſeiner entzückenden Ausſicht auf den Rhein, die Eifel, das Siebengebirge und den ferneren Weſterwald brachte. Am letzten für den Ausflug berechneten Tage reiſte die Oberklaſſe weiter ſtromaufwärts bis Aßmannshauſen, ſtattete dem gegenüberliegenden Schlößchen Rheinſtein einen kurzen Beſuch ab, widmete den Nachmittag der Beſteigung des Niederwaldes und kehrte gegen Abend nach Bensheim zurück.

Die Mittelklaſſe hingegen ſetzte ohne Aufenthalt in Coblenz die Fahrt bis Andernach auf dem Dampfer fort und beſtieg nach kurzer Raſt in dieſem Städtchen den Zug nach Niedermendig, wo die Fußwanderung an den intereſſanten Baſaltlavabrüchen vorbei nach dem Laacher See und der berühmten Abtei Maria⸗Laach angetreten wurde. In dem ſchön an dem See gelegenen Hotel wurde übernachtet und nach einem Beſuche des Kloſters und ſeiner im romaniſchen Stile aufgeführten Kloſterkirche früh um 6 Uhr nach Mayen in der Vordereifel marſchiert. Der zweiſtündige Marſch führte an zahlreichen Steinbrüchen vorbei und gewährte Gelegenheit, an vielen Stellen die erſtarrten Lavaſtröme früherer Entwickelungsperioden zu beobachten. Bis Darſcheid wurde von Mayen aus die Bahn benützt. Auf prachtvollen Waldwegen gelangten in zwei bis drei Stunden die Wanderer an die höchſt ſehenswerten Maare bei Schalkenmehren, Weinfeld und Gemünd. In dem geſchichtlich merkwürdigen Städtchen Daun wurde darauf ein beſcheidener Imbiß eingenommen, ſodaß mit neuen Kräften gegen Abend der dreiſtündige Weg nach Gerolſtein angetreten werden konnte. Dieſer geologiſch höchſt intereſſante Ort an der Kyll mit ſeinen ſeltſam geſtalteten Felſen und ſeinen vielen Gasquellen bot gutes Nachquartier. Am andern Morgen wurde in ſechs Stunden bis Kyllberg flußabwärts in dem ſchönen Kyllthal marſchiert, ſodaß zur Weiterreiſe bis Trier die ſchnelle Eiſenbahn höchſt willkommen war.