Jahrgang 
1895
Einzelbild herunterladen

V. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Seminarlehrer Dr. Moſer, der am 4. März 1893 definitiv am Seminar angeſtellt worden war und ſchon während des darauffolgenden Sommers mehrfach unpäßlich war, er⸗ krankte im Dezember desſelben Jahres derart, daß er nach und nach bis zum 1. Oktober 1894 beur⸗ laubt werden mußte. Da er aber auch dann noch durch fortdauernde Kränklichkeit an der Wieder⸗ übernahme ſeiner Unterrichtsſtunden verhindert war, wurde er auf ſein Nachſuchen durch Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs mit Wirkung vom 1. Oktober 1894 in den Ruheſtand verſetzt. Während ſeiner Beurlaubung waren der Vorſteher des biſchöflichen Knabenkonvikts Dr. Huppert, die Seminarlehrer Prof. Flegler und Kleinſchmidt, ſowie Hilfslehrer Döbert mit ſeiner Vertretung beauftragt.

An die Stelle des ausgeſchiedenen Lehrers trat der neuernannte proviſoriſche Seminarlehrer Georg Lenhart, ſeither Kaplan in Bensheim. Derſelbe wurde am 29. September 1894 in den Dienſt eingewieſen, den er am 1. Oktober desſelben Jahres antrat. Gleichzeitig wurde Dr. Huppert, der den größeren Teil der Unterrichtsſtunden Moſers, ſowie deſſen ſonſtige Verpflichtungen als Seminarlehrer übernommen hatte, von ſeinen Dienſtleiſtungen am Seminar entbunden, indem ihm der gebührende Dank für ſeine anſtrengende, mit Geſchickllichkeit, Eifer und Treue ausgeübte Thätigkeit am Seminar abgeſtattet wurde.

Bei dem Einzuge der Allerhöchſten Neuvermählten, Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin, in die Reſidenz am 20. April 1894 waren Lehrer und Schüler des Seminars an der Spalierbildung im Zuge beteiligt.

Während des Sommers wurden mit den Seminariſten unter Aufſicht von Lehrern klaſſen⸗ weiſe verſchiedene kürzere Ausflüge gemacht.

Am Sedantag unternahmen nach vorausgegangener Schulfeier die 3 Klaſſen in Be⸗ gleitung von Lehrern größere Ausflüge. Gegen Abend erreichten dieſelben auf verſchiedenen Wegen Heidelberg, von wo aus die Heimfahrt gemeinſam unternommen wurde.

Am 24. Oktober 1894 beſuchten Herr Geheimer Staatsrat von Knorr und Herr Geheimer Oberſchulrat Greim die Anſtalt und wohnten verſchiedenen Unter⸗ richtsſtunden bei.

Die Geburtstage Seiner Majeſtät des Kaiſers und Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurden in herkömmlicher Weiſe feſtlich begangen.

Am 8. Januar 1895 wohnten 2 Klaſſen mit ihren Lehrern der Litteratur der Vor⸗ ſtellungMaria Stuart im Großherzoglichen Hoftheater zu Darmſtadt bei.

Den Seminalehrern Prof. Flegler, Sailer, Kleinſchmidt, Schrod und Bux⸗ baum wurden Gehaltszulagen beyilligt.

Aus Staatsmitteln wurden für das Jahr 1894/95 an bedürftige und würdige Semi⸗ nariſten 4855 Mark, aus den Zinſen der Weinheimſchen Stiftung 140 Mark und aus denen des Gräffſchen Legats 120 Mark als Stipendien gewährt.

Der Handfertigkeitsunterricht wurde auch im abgelaufenen Schuljahre, ſo oft es anging, von den Schülern gruppenweiſe in der dazu hergerichteten Werkſtätte, die mit einer zweiten Hobelbank ausgeſtattet wurde, unter der Leitung des Seminarlehrers Buxbaum eifrig betrieben. Die angefertigten Gegenſtände werden gelegentlich der öffentlichen Prüfung zur Ausſtellung kommen.

An Geſchenken erhielt die Anſtalt im Laufe des Schuljahres: a. Für die Bibliothek:

Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten: Beiträge zur Statiſtik des Großherzogtums Heſſen, 38. Band, 1. u. 2. Heft und ein Exemplar von Büchmanns Werk:Geflügelte Worte.

3 ſn Großh. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik: Dieſelben Hefte der Beiträge zur Statiſtik.