Jahrgang 
1894
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insbeſondere den Trifels, zu beſuchen. Sie beſichtigte alſo das Wörther Schlachtfeld vor den anderen. Die Oberklaſſe und die Mittelklaſſe wanderten gegen 7 Uhr gemeinſam über die welt⸗ geſchichtliche Stätte, wo am 6. Auguſt 1870 der furchtbare Zuſammenſtoß zwiſchen dem Heere des Kronprinzen und der Armee Mac Mahons erfolgt war. Die ſtillen Abendſtunden, die ſie dort oben verweilten, eingetaucht in die Erinnerung an eine große Zeit, werden allen Beſuchern im Gedächtnis bleiben. Vor Fröſchweiler trennte man ſich nach zweiſtündiger Wanderung. Die Oberklaſſe ging nach Niederbronn, die Mittelkaſſe nach Wörth zurück. Letztere wollte ſich urſprüng lich am dritten Tage im Sauerthale aufwärts bis zur Hohenburg und Wegelnburg begeben und von da nach Weißenburg wenden, alſo den Weg der Unterklaſſe in umgekehrter Richtung machen. Die große Hitze ließ eine Abänderung des Planes rätlich erſcheinen. Man marſchierte am Vor⸗ mittag des 14. von Wörth nach Sulz unterm Wald und fuhr von da nach Weißenburg. Die Fußwanderung bot nicht nur Gelegenheit, in das eigentümliche coupierte Terrain des unteren Elſaſſes einen Einblick zu gewinnen und deſſen freundliche, in Baumgärten gebettete Dörfchen aus nächſter Nähe zu betrachten, ſie führte auch mitten durch das bekannte elſäſſiſche Petroleumgebiet, deſſen Zentrum Pechelbronn man berührte. Nach Weißenburg kam am Nachmittag des 13. von Niederbronn aus auch die Oberklaſſe. Sie hatte während des Vormittags, da die Ermüdung nach dem vortägigen zehnſtündigen Marſche einem größeren Ausflug im Wege ſtand, ſich mit dem Badeort ſelbſt und ſeiner Umgebung bekannt gemacht. Während der Fahrt nach Weißenburg wurde ein einſtündiger Aufenthalt in Hagenau noch benützt, dieſe alte Reichsſtadt, wo einſt Kaiſer Rotbart ſich ein Schloß gebaut und mehrfach ſeinen Wohnſitz aufgeſchlagen hatte, flüchtig kennen zu lernen. Nach der Vereinigung mit der Mittelklaſſe trat man zuſammen die Rückfahrt an. In Landau, wo am Beginn der Reiſe die Oberklaſſe ſich abgetrennt, ſtieß nun die Unterklaſſe, von Annweiler her kommend, zu den andern. Der ganze Ausflug hatte 2 ½ Tage gedauert. Die Koſten für Eiſenbahnfahrt, Frühſtück, Mittageſſen, Abendeſſen und Nachtquartier wurden aus der gemeinſamen Reiſekaſſe beſtritten; ſie beliefen ſich für den Schüler auf etwa 13 Mk. Wenn man die Fülle der Eindrücke mannigfaltigſter Art erwägt, die eine derartige Reiſe bietet, wird man die Höhe dieſer Ausgabe nicht tadeln. Um den Ausflug möglichſt nutzbringend zu geſtalten, war vorher eine Überſichtskarte über das geſamte zu beſuchende Gebiet entworfen und mit jeder einzelnen Klaſſe ihre Reiſeroute eingehend durchgeſprochen worden.

Am 29. Auguſt 1893 beſuchte Herr Geheimer Oberſchulrat Greim das Seminar und wohnte mehreren Unterrichtsſtunden bei.

Dem Seminarlehrer Flegler wurde durch Allerhöchſte Entſchließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 11. November 1893 der Charakter alsProfeſſor verliehen.

Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde durch eine in muſikaliſchen und deklamatoriſchen Vorträgen beſtehende Feier feſtlich begangen. Seminarlehrer Prof. Flegler hielt dabei einen Vortrag überDie Grafſchaft Hanau-Lichtenberg als heſſen darmſtädtiſcher Beſitz, und der Direktor brachte nach einer Anſprache ein dreimaligesHoch auf den Landesfürſten aus, worauf die Feier mit dem GeſangeHeil Dir ꝛc. geſchloſſen wurde.

Der 27. Januar 1894, der Geburtstag Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers, wurde durch einen beſonderen Gottesdienſt in der Seminarkirche, bei welchem die Seminariſten dasDomine salvum fac ſangen, gefeiert.

An Geſchenken erhielt die Anſtalt im Laufe des Schuljahres: a) Für die Bibliothek:

Von Großherzoglichem Miniſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten: Beiträge zur Statiſtik des Großherzogtums Heſſen, 30. Band, 3. Heft, 36. Band, 2. und 3. Heft und 37. Band, 1., 2. und 3. Heft.

Von Großh. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik: Dieſelben Bände und Hefte.

Von Großh. Centralſtelle für die Landwirtſchaft: Zwei Exemplare der Zeitſchrift für die landwirtſchaftlichen Vereine des Großherzogtums Heſſen, Jahrgang 1893.

Von Großh. Centralſtelle für die Landesgewerbvereine: Ein Exemplar des Gewerbe⸗ blattes für das Großherzogtum Heſſen, Jahrgang 1893.