Jahrgang 
1894
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V. Zur Geſchichte der Anſtalt.

Der verſtorbene Seminarlehrer G. M. Helm hat dem Seminar ein Legat von 500 Mk. vermacht, deſſen Zinſen nach der Beſtimmung des Erblaſſers bei dem Gottesdienſte in der Seminar⸗ kirche zur Verwendung kommen ſollen.

Durch Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 4. März 1893 wurde der proviſoriſche Seminarlehrer Dr. Moſer zum Lehrer an unſerer Anſtalt ernannt.

Am 9. Mai v. J. beſuchte Herr Seminardirektor Dr. Rückert von Hildburghauſen das Seminar, wohnte einer Unterrichtsſtunde in der Bibelkunde bei und nahm Einſicht von den Räum⸗ lichkeiten und Sammlungen der Anſtalt.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 2. Juni 1893 wurde dem Direktor eine Gehaltszulage verliehen.

Vom 12. bis 14. Juni machten die Lehrer und Schüler der Anſtalt einen gemeinſamen Ausflug nach den Schlachtfeldern von Weißenburg und Wörth. Über den Verlauf desſelben hat Seminarlehrer Prof. Flegler, der den Plan dazu entworfen hat, die nachfolgende Skizze aufgezeichnet:Der Ausflug kam, wie das auch in frühern Jahren mehrfach geſchehen iſt, in der Weiſe zur Ausführung, daß die drei Klaſſen für einen großen Teil der Reiſe ihren beſonderen Weg einſchlugen und doch jede von ihnen die bemerkenswerteſten Ortlichkeiten des beſuchten Gebietes zu beſichtigen Gelegenheit hatte. Die Oberklaſſe nahm zum Ausgangs punkte Landau. Sie beſuchte am Nachmittag des 12. die Madenburg und wanderte von da auf ausſichtreichem Höhenweg an dem Trifels vorüber nach Annweiler im Thale der Queich. Den Vormittag des 13. füllte ein Fußmarſch von der Station Hauenſtein oberhalb Annweiler nach Schönau im Sauerthal. Die ſiebenſtündige Wanderung durch die ſchönen Pfälzer Vogeſen bot eine Reihe wechſelnder Anregungen. Das mächtige, zum großen Teil in natürliches Geſtein gehöhlte Dahner Schloß, die Wegelnburg mit ihrer großartigen Fernſicht und ihre nachbarliche Elſäſſer Schweſter, die durch landſchaftliche Schönheit, merkwürdige Baureſte und wechſelvolle Geſchichte gleich intereſſante Hohenburg, bildeten die Glanzpunkte des Weges. Auf Leiterwagen gelangte die Klaſſe am Nachmittag, dem Laufe der Sauer folgend, von Schönau über Lembach nach Wörth. Die letzterwähnte Route hatte ein paar Stunden vorher auch die Unterklaſſe zurückgelegt. Sie war am Nachmittag des 12. auf der Bahn nach Weißenburg ge⸗ kommen und hatte den Reſt des Tages zu einer eingehenden Beſichtigung des dortigen Schlacht feldes verwendet. Am 13. wanderte ſie in der Morgenfrühe das freundliche Lauterthal aufwärts bis Nothweiler, ſtieg von da zur Wegelnburg und Hohenburg hinauf und beſuchte außer den beiden genannten Nuinen noch den nahegelegenen Löwenſtein, wo der ſagenhafte Lindenſchmied ge⸗ hauſt haben ſoll, ſowie den Fleckenſtein, das charakteriſtiſchſte unter den Felſenſchlöſſern der nörd⸗ lichen Vogeſen, gleich der Dahner Feſte faſt gänzlich in die Sandſteinmaſſen eines Berggipfels eingehöhlt. Nach kurzer Raſt in Hirſchthal an der Sauer ging es auf Leiterwagen die Land⸗ ſtraße hinunter nach Wörth, wo für den Nachmittag ein Zuſammentreffen der drei Klaſſen ge⸗ plant war. Gegen 4 Uhr geſellte ſich hier zur Unterklaſſe die Mittelklaſſe. Sie hatte das bekannte Elſäſſer Badeſtädtchen Niederbronn zum erſten Ziéle ihrer Wanderfahrt genommen. Am Abend des 12. daſelbſt angekommen, hatte ſie noch Gelegenheit, die Stadt und deren nächſte Umgebung in Augenſchein zu nehmen. Am Morgen des 13. hörte ſie zunächſt das Frühkonzert der Kur⸗ kapelle mit an und gab dabei ſelbſt einige Lieder zum beſten, womit ſie lebhaften Beifall ſeitens der zahlreichen Badegäſte erntete. Dann beſtieg man den bei Niederbronn gelegenen Großen Wintersberg und genoß von dem Turm auf dem Gipfel den prachtvollen Rundblick auf das Meer der waldbedeckten Berggipfel der Nordvogeſen und auf die geſegneten Fluren des unteren Elſaſſes, die in ſanften Wellenlinien nach dem Rheine hin ſich erſtrecken. Nach dem Mittageſſen marſchierte die Klaſſe dann von Niederbronn nach Wörth, wo ſie, wie bemerkt, die Unterklaſſe antraf. Leider konnte dieſe letztere die etwas verſpätete Ankunft der Oberklaſſe nicht abwarten, da ſie noch am Abend mit dem Zuge nach Weißenburg zurückwollte, um am 14. einen Teil der Pfälzer Vogeſen,