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V. Chrouik der Niuſtalt.
An die Stelle des am 13. Februar 1878 verſtorbenen Seminar⸗Muſiklehrers Klaſſert trat der durch Decret Großh. Miniſterums des Innern, Abth. für Schulangelegenheiten, zum Verwalter der Muſikleherſtelle am Seminar ernannte bisherige Muſikdirector Georg Sailer zu Baden im Canton Aargau; derſelbe wurde am 1. Juli 1878 in ſeinen Dienſt eingewieſen. Durch Allerhöchſtes Decret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 27. November 1878 wurde der ſeitherige proviſoriſche Seminarlehrer Wilhelm Flegler definitiv angeſtellt und am 9. December 1878 in ſeinen Dienſt eingewieſen.
Durch ebenſolche Decrete vom 17. April und 10. September 1878 wurden den Semi⸗ narlehrern Helm und Ofenloch Gehaltszulagen bewilligt.
Ein größerer, 2tägiger Ausflug in die baieriſche Pfalz wurde am 26. und 27. Juli 1878 von 7 Seminarlehrern und 1541 Schülern ausgeführt. Die Reiſe ging am erſten Tage Morgens nach Heidelberg, wo das Schloß beſtiegen und beſichtigt wurde, von da nach Schwetzingen, wo man nach dem Beſuche des bekannten Gartens im Hotel Haßler das Mittagsmahl einnahm. Von hier wurde per Eiſenbahn die Reiſe nach Speier fortgeſetzt, dorten der Dom beſichtigt, und alsdann die Weiterreiſe nach Neuſtadt a. d. H. per Eiſenbahn angetreten. Nach der Ankunft daſelbſt gegen Abend wurde noch die Maxburg beſtiegen, dieſe ſelbſt, ſowie die“ herrliche, ausgedehnte Ausſicht daſelbſt bewundert, und hierauf die Rückkehr nach Neu⸗ ſtadt bewerkſtelligt, woſelbſt Nachtquartier genommen wurde. Am Morgen des 27. Juli gewährte nach einer Eiſenbahnfahrt durch das ſchöne Lamprechter Thal bis Franken⸗ ſtein eine Wanderung durch das herrliche Iſenachthal mit ſeinen Burgen bis nach Dürkheim einen Hochgenuß. Nach eingenommener Stärkung und Beſichtigung der Stadt wurde die Rückreiſe per Bahn über Monsheim und Worms nach Bensheim vollzogen, woſelbſt alle wohlbehalten und in der heiterſten Stimmung anlangten. Die Reiſe war vom ſchönſten Wetter begünſtigt; die Main⸗Neckarbahn, alle badiſchen und baieriſchen Bahnen hatten auf Anſuchen der Direction mit der größten Bereitwilligkeit Preisermäßigungen eintreten laſſen, und nur die heſſ. Ludwigsbahn hatte, wie ſchon bei ähnlichen Gelegenheiten, den Landeskindern dieſe Vergünſtigung aus unbekanten Gründen verweigert.
Der Sedantag und der 12. September als der Geburtstag Seiner König⸗ lichen Hoheit des Großherzogs wurden in herkömmlicher Weiſe feſtlich begangen.
Am 23. Auguſt beſuchte Herr Oberſchulrath Greim die Anſtalt, wohnte mehreren Unterrichtsſtunden, ſowie dem Mittagsmahle der Seminariſten bei und beſichtigte die Neubauten. Auch am 19. Dezember beehrten die Herren Miniſterialrath Knorr und Oberſchulrath Greim das Seminar mit ihrem Beſuche und nahmen Einſicht von den neuen Einrichtungen. 21
Ein weiterer Beſuch des Herrn Oberſchulrathes Greim in Begleitung des Herrn Geheimen Oberſchulrathes Kabel aus Dresden erfolgte am 12. Februar d. J., bei welcher Gelegenheit beide Herren zugleich einige Stadtſchulen beſuchten. 1A a
Die Neubauten wurden bis Herbſt 1878 beinahe beendigt, insbeſondere wurde die neue Amtswohnung des Directors fertiggeſtellt, ſo daß ſie Ende September bezogen, und die ſeitherige Amtswohnung im Seminar zu Seminariſtenwohnungen hergerichtet werden konnte. Nach voll⸗ ſtändiger Fertigſtellung dieſer Wohnungen im Seminar können ca. 70 Zöglinge im Hauſe ſelbſt untergebracht werden. Auch die Arbeiten im Innern der neuen Turnhalle wurden im Laufe des Sommers beendigt, ſo daß ſie nach der durch einen Arbeiter der Turngeräthe⸗Lieferanten Dietrich und Hannack in⸗Chemnitz unter Leitung und Beaufſichtigung des Herrn Turninſpectors Marr erfolgten Aufſtellung der Turngeräthe dem Gebrauche übergeben werden konnte. Dieſelbe wird gegenwärtig auch vom Großh. Gymnaſium dahier benützt..
Es muß anerkannt werden, daß das Seminar nunmehr nach ſeiner Vollendung nicht nur äußerlich eine Zierde der Stadt Bensheim bildet, ſondern auch innerlich ſo zweckmäßig hergerichtet iſt, als es die gegebenen Verhältniſſe ermöglichten; und wenn ein Bedauern aus⸗


