V. Chronik der Nenſtalt.
Die mit dem Beginn des Schuljahres 1876/77 von 58 auf 90 geſtiegene Zahl der Zöglinge und die Einführung des neuen Lehrplanes für die Großherzoglichen Schullehrer⸗Seminarien erheiſchte die Anſtellung von zwei weiteren Lehrern. Durch Decret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 4. März 1876 wurde der ſeitherige Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Karlsruhe, Georg Ohly, zum Lehrer an dem Schullehrer⸗Seiinar zu Bensheim ernannt und am 15. April 1876 in ſeinen Dienſt eingewieſen. Derſelbe gibt folgende Notizen über ſeinen Lebens⸗ lauf zu den Akten: b
Ich bin geboren den 4. Januar 1838 zu Holzheim bei Gießen. Nach Beſuch zweier Privat⸗ Inſtitute war ich im Lehrerſeminar zu Friedberg von Frühjahr 1854 bis dahin 1856. Von Herbſt 1856 bis Herbſt 1858 beſuchte ich die„Großherzogliche höhere Gewerbſchule“ in Darmſtadt. Herbſt 1858 bezog ich die k. k. Akademie zu Leoben in Steiermark, Herbſt 1859 die k. k. Akademie zu Pribram in Böhmen, um meine mathematiſch⸗naturkundlichen Studien fortzuſetzen bis Herbſt 1860. Nachdem ich einem Knabeninſtitut zu Guntersblum und dann einem ſolchen in Oſthofen bis 1. Okt. 1869 vorgeſtanden, trat ich in den badiſchen Staatsdienſt. Ich wurde als Reallehrer an die höhere Bürgerſchule in Karlsruhe verſetzt und blieb in dieſer Stellung bis Mitte April 1876, zu welcher Zeit ich meine Stelle als Seminarlehrer in Bensheim antrat.
Zum Hülfslehrer an der Anſtalt wurde Schulverwalter Coy von Habitzheim, bis dahin in Gießen, ernannt und am 29. April 1876 in den Dienſt eingewieſen. Derſelbe ging indeſſen ſchon mit dem Schluſſe des Sommerſemeſters nach Stuttgart ab, um ſich auf dem dortigen Conſervatorium in der Muſik vollſtändig auszubilden, und ſeine Stelle wurde durch Decret Großh. Miniſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, dem Schul⸗ Verwalter Jans übertragen, der am 3. November 1876 in den Dienſt eingewieſen wurde, und von dem nachſtehender Lebensabriß vorliegt:
Peter Joſeph Jans aus Urberach, Kreiſes Dieburg, geboren am 12. September 1851, beſuchte das Großherzogliche Lehrerſeminar zu Bensheim von Oſtern 1871— 1873. Nach beſtandener Entlaſſungsprüfung wurde er durch Decret Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction vom 28. April 1873 zum Gehülfen des Lehrers J. Burk in Lampertheim und durch Decret der⸗ ſelben Behörde vom 16. April 1874 zum Verwalter einer neu errichteten Klaſſe der kathol. Schule daſelbſt ernannt. Am 4. Oktober 1875 beſtand er die Schlußprüfung für Schulamts⸗Aſpiranten und wurde hierauf durch Decret Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, Abthei⸗ lung für Schulangelegenheiten, zum Verwalter der 2. Knabenklaſſe der kathol. Schule zu Bensheim ernannt. Durch Decret derſelben Behörde vom 26. Oktober 1876 wurde er als Hülfs⸗ lehrer an das Großh. Schullehrerſeminar zu Bensheim berufen.
Der 9. Juni, als der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, wurde durch beſonderen Gottesdienſt, welchem die Lehrer und Zöglinge beiwohnten, feierlich begangen. Der Unterricht blieb an dieſem Tage ausgeſetzt.
Der 25. Auguſt, der Namenstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, bot Gelegenheit zu einem größeren Ausfluge. Am frühen Morgen fuhren Lehrer und Zöglinge auf 5 Leiterwagen nach Lindenfels, von wo aus die Weiterreiſe nach Erbach zu Fuße ausgeführt wurde. Nach den herrlichen Naturgenüſſen warteten hier der Reiſegeſellſchaft auch ſehr ſchätzbare Kunſtgenüſſe. Seine Erlaucht der Herr Graf Eberhard von Erbach⸗Erbach hatte nämlich die Gewogenheit, den Lehrern und Schülern den Zutritt zu den in dem dortigen Schloſſe aufgeſtellten reichhaltigen Sammlungen zu geſtatten, welche mit großem Intereſſe und den lebhafteſten Dankgefühlen gegen Seine Erlaucht angeſehen wurden. Hierauf wurde der Marſch nach Beer⸗ felden angetreten, woſelbſt die Reiſenden am Abende, theilweiſe recht müde und der Ruhe bedürftig, ankamen, weßhalb auch bald nach eingenommener Abendmahlzeit von Allen die Nachtquartiere auf⸗


