Jahrgang 
1876
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landſchaftlichen Reizen verſchwenderiſch ausgeſtattetes Gemälde vor ihren ſtaunenden Blicken ſich entrollen ſahen. Die im Thale ſich hinziehende Nahe, die umhergeſtreuten Dörfer, die gegenüberliegende Ebernburg, die ſchroff abfallenden Felſen, die tief unten liegen⸗ den Salzwerke, die vorüber brauſenden Bahnzüge, das Alles feſſelte längere Zeit ihr Auge. Nach einem Gange durch das freundliche Huttenthal, bei welchem von eifrigen Botanikern auch manche intereſſante Pflanze eingeſammelt wurde, gelangte man nach Münſter am Stein, wo die Saline mit ihren Gradirwerken, dem Kurbrunnen und dem Abdampfhauſe wieder Stoff zu nützlichen und wichtigen Belehrungen darboten, welcher denn auch gehörig ausgenützt wurde. Der kurze Weg nach Kreuznach wurde zu Fuße zurückgelegt und daſelbſt noch das Kurhaus mit ſeinen ſchönen Anlagen und die intereſſanten Colonnaden in Augenſchein genommen. Durch die Wanderung im Freien hatte ſich bei Allen ein geſunder Appetit und Durſt eingeſtellt, welcher im Gaſthauſezum weißen Roß, wo Herr Gaſtwirth Winkler die Wanderer freundlichſt empfing, an deſſen wohlbeſetzter Tafel bei vortrefflichen Speiſen und Getränken ausreichende Befriedigung fand. Nach der Mahlzeit, während welcher Seminarlehrer Helm unſerm treuen Führer, Herrn Lehrer Metzler, den Dank für deſſen uns bewieſene Freundlichkeit abſtattete und einHoch ausbrachte, in welches Alle dreimal aus voller Kehle einſtimmten, geleitete uns dieſer noch an den Bahnhof, von wo aus wir nach einem herzlichen Abſchiede über Bingen, Mainz und Darmſtadt dem Ausgangspunkte unſerer Landpartie, Bens⸗ heim, zudampften. Die ganze Reiſe, reich an wichtigen Belehrungen und gewürzt durch fröhliche Unterhaltung und herrliche Naturgenüſſe, war ohne jede Störung verlaufen und ließ in allen Theilnehmern die ſchönſten Erinnerungen zurück.

Mit gebührendem Danke muß noch erwähnt werden, daß die Directionen der Main⸗ Neckar⸗ und heſſiſchen Ludwigs⸗Bahn Fahrpreisermäßigungen hatten eintreten laſſen, wodurch die Reiſekoſten erheblich vermindert worden waren.

Am 2. September, dem Jahrestage der Ereigniſſe bei Sedan, beſuchten die Lehrer und Zöglinge der Anſtalt den Gottesdienſt in der Seminarkirche, nach welchem eine entſprechende Feier in dem größten Lehrſaale abgehalten wurde, beſtehend in patrio⸗ tiſchen Geſängen und einer Feſtrede des Directors, in welcher er die Bedeutung dieſes Tages und die Geſinnungen, welche das Andenken an denſelben in uns hervorrufen und befeſtigen ſolle, eingehend erörterte. Außerdem betheiligten ſich auf erfolgte Einladung von Seiten des Feſtcomités die Lehrer und Zöglinge an dem Feſtzuge durch die Stadt und an den übrigen Theilen der allgemeinen Feſtfeier.

Den Seminarlehrern Klaſſert, Köpp und Ofenloch wurden durch Aller⸗ höchſte Decrete Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 5. Auguſt 1875 Zulagen bewilligt.

Mit gebührendem Danke muß ferner anerkannt werden, daß auch in dieſem Jahre einer Anzahl bedürftiger und würdiger Seminariſten eine Subvention von Seiten des Staates im Betrage von 2229 Mark zugewendet wurde.

Ddie Schenkung eines Ungenannten an die Anſtalt im Betrage von 700 Mark zur Anſchaffung von Büſten oder Bildern Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers und Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, ſowie zum Ankaufe phy⸗ ſikaliſcher und chemiſcher Apparate erhielt die Allerhöchſte Genehmigung. Möchte