Jahrgang 
1929
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Herr Rektor Mergler, der Rektor des biſchöflichen Knabenkonvikts, ſelbſt ein früherer Schüler des Gymnaſiums, betont die enge Gemeinſchaft zwiſchen Gym⸗ naſium und Konvikt. Beide Anſtalten marſchierten ſtets miteinander. In den 40 Jahren ſeines Beſtehens hat das Konvikt über 640 Schüler in das Gymnaſium geſchickt, davon 250 bis zur Ablegung der Reifeprüfung. Möge dieſe gute Harmonie ſtets weiter beſtehen bleiben zum Segen beider Anſtalten.

Herr PrälatScheider, Abiturient von 1874, geht in ſcherzhafter Weiſe aus von der ebenſo kurzen wie treffenden Löſung, mit der ein Mitſchüler im latei⸗ niſchen Aufſatz einſt die Gefühle der Soldaten Hannibals im Anblick der Alpen geſchil⸗ dert hatte: Utinam supra essemus! Zum Ernſt übergehend, ermahnt er die Jugend, den Blick ſtets vorwärts gerichtet zu halten und keine Mühe zu ſcheuen. Einmal kommt auch für die jetzigen Schüler die Zeit, wo ſie gutüber den Alpen gelandet ſind. Er erzählt, daß im Jahre 1874, als er das Abitur beſtand, zum erſtenmale ein Vertreter der Regierung zugegen war, der den Leiſtunngen der Schule das höchſte Lob zollte. Seine Worte, mit Humor gewürzt, ſind ſo recht ein Ruf an die Jugend.

Direktor Prof. Schuchmann vom deutſchen Realgymnaſium im Haag, auch ein alter Schüler des Gymnaſiums, bringt die Grüße ſeiner Schule. Er iſt gerne hierhergekommen, denn beſondere Anziehungskraft hat die Heimat für den, der auf Aus⸗ landspoſten ſteht. Er hebt hervor, welch beſonders guten Eindruck auf ihn die Haltung der heutigen Schüler mache. Seine Worte klingen aus in ein Hoch auf das derzeitige Lehrerkollegium des Gymnaſiums. Es war lange nach 1 Uhr als die erhebende Feier mit dem Schülerchor ihren Abſchluß fand.

Der Sonntag Nachmittag brachte zwangloſe Spaziergänge in unſere ſchöne Gegend, er brachte auch erholende Vorbereitung für den großen Feſtkommers am Abend, der wieder alle Teilnehmer und auch eine große Reihe neuer Gäſte, in Lachen und Freude zuſammenführte. Das Präſidium des Kommerſes lag wiederum in den bewährten Händen des Herrn Amtsgerichtsrats Schül. Ein eigentliches Programm für den Abend war nicht vorgeſehen, da man in dem vorbereitenden Ausſchuß der Anſicht war, daß die alten Pennäler ſich vor allen Dingen frei und zwanglos ausſprechen wollten. Darin hatte man ganz recht. Die einzige offizielle Rede, die gehalten wurde, lag in den Händen des heſſiſchen Geſandten in Berlin Dr. Nuß; ſie galt dem Vaterland. Darbietungen irgendwelcher Art wären garnicht gehört worden in dem toſenden Brau⸗ ſen der angeregten Unterhaltung. Selbſt die gemeinſamen Lieder, aus dem eigens zu⸗ ſammengeſtellten Liederbuch, zum Teil Originaldichtungen ehemaliger Schüler und Leh⸗ rer,(Rechtsanwalt Ullmer, Wiesloch und Prof. Dr. Weißgerber) hatten es ſchwer, gegen die Wogen der Freude anzukämpfen.

Die Vorahnung des Montags lichtete die Reihen raſcher, als der Tag vorher, der zum Sonntag führte. Doch jeder der ging, weil er wieder zur Arbeit mußte, trug als letzten Gruß begeiſtert das Wort auf den Lippen:In 4 Jahren komme ich beſtimmt wieder!