Jahrgang 
1929
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liche Geiſtesgemeinſchaft aller Zöglinge einer Anſtalt durch den Zuſammenſchluß als Vereinigung aller ehemaligen Gymnaſialſchüler ihren äußeren Ausdruck fand.

Daß bei dieſem Zuſammentreffen auch die alten Lehrer nicht fehlen durften, iſt wohl ſelbſtverſtändlich. Wer es ermöglichen konnte, weilt heute hier, faſt überwältigt von dem Gedanken, nicht nur in der Vorſtellung, ſondern in leibhaftiger Wirk⸗ lichkeit bei dieſer ſeltenen, einzigartigen Gelegenheit gleichſam eine Heerſchau anſtellen zu können über die große Schar derjenigen, denen er auf einem beträchtlichen und gewiß dem nicht unwichtigſten Teil ihres Lebenswegs Führer und Berater war.

Was bewegt nun wohl an einem Tage, wie der heutige, einen alten Lehrer? Vor allem iſt es gewiß das Gefühl einer herzlichen, dankbaren Freude, daß es ihm vergönnt iſt, dieſer Feier perſönlich beiwohnen und ſich in weit zurückliegende Erinne⸗ rungen verſenken zu können. Zugleich beſchleicht ihn aber auch eine gewiſſe Wehmut, und dieſes nicht zum wenigſten angeſichts der Lücken in der langen Reihe der Jüng⸗ linge und Männer, denen er in jahrelanger gemeinſamer Arbeit nahe geſtanden. End⸗ lich aber iſt es auch eine GewiſſensfrageV, die ſich an ihn herandrängt: Wie haſt du gewirkt? Was haſt du der Jugend gegeben? Bezüglich des erſten Punkts kommt der Redner zu dem Schluß: Über der Berufstätigkeit aller Lehrer auch unſeres Gymnaſiums ſtand das Motto: Pro altero! Nicht ſich, nur der Jugend wollten ſie die⸗ nen. Ein Altruismus in ausgeprägteſter Form, dem gegenüber alle Unvollkommenhei⸗ ten und menſchlichen Schwächen in den Hintergrund treten müſſen. Die zweite Frage möchten die, die es angeht, ſelbſtbeantworten oder vielmehr, ſie ſind ſelbſt die Antwort durch das, was ſie heute ſind. Wenn ſie nicht umhin können an⸗ zuerkennen, daß ihre heutige Lebensſtellung und geiſtige Verfaſſung in der Schule wur⸗ zelt, daß ſie aus ihr die erſte und vielleicht wichtigſte, weil grundlegende Geiſtesnah⸗ rung ſogen, ſo haben ſie ſicherlich etwas Großes und Wertvolles empfangen, und die⸗ jenigen, die es ermittelt haben, dürfen das beruhigende Bewußtſein in ſich tragen, ihren Schülern etwas Reales, etwas Poſitives gegeben zu haben. In dieſer eigenen überzeugung und in der Hoffnung, daß es auch die aller alten Schüler ſein möge, entbie⸗ tet der Redner mit dem gleichen warmherzigen Empfinden, das dieſen von ihren Leh⸗ rern allezeit entgegengebracht wurde, und das auch heute noch unverändert in ihnen lebendig iſt, auch namens ſeiner mit ihm gleichgeſinnten Amtsgenoſſen allen Erſchie⸗ nenen freudigſten Willkommengruß mit einem innigen Salve! Salvete!

Geh. Medizinalrat Reiſinger aus Mainz ſpricht im Namen der ehe⸗ maligen Schüler. Er erzählt mit launigen Worten ausalten Zeiten, als noch Direk⸗ tor Geyer ſtraff und ſtreng ſeines Amtes waltete. Da war die Anrede ſelbſt in den höheren Klaſſendu, und die allgemeine Zucht war ſtrenger als heute. Er plaudert von den alten Lehrern, von den Gymnaſiaſtenſtreichen, aber auch von ernſter Arbeit. Aus ſeinen Worten klingt wehmütige Erinnerung, aber auch Anerkennung und Dank⸗ barkeit für das, was die Schule ihren Zöglingen mitgegeben.

Herr Kreisdirektor Reinhart bringt die Grüße der Kreisverwaltung und des Vereins der Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums.

Herr Bürgermeiſter Dr. Angermeier nennt die Verſammlung eine Symphonie der Treue. In den Gruß und den Dank der Stadt Bensheim ſchließt er die Bitte ein, unſerer Stadt auch weiterhin die Treue zu halten.Treue um Treue, ſo klingen ſeine Worte aus.