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in ihrer Klarheit, Einfachheit und Durchſichtigkeit. Sind doch die Werke der Hellenen in wahrſtem Sinne Urſchöpfungen und deshalb—„und immer behalten die Quellen das Wort“!— der ſeeliſchen Verfaſſung auch unſerer Jugend durch ihren friſchen Wage⸗ mut, durch die jugendliche Unbefangenheit, mit der ſie ſich an die größten Probleme wagten, durch ihren zuverſichtlichen Blick ins Leben beſonders naheſtehend.— Das Mit⸗ erleben des eineinhalbtauſendjährigen Werdens und Aufſteigens der helleniſchen Kul⸗ tur von den primitivſten Anfängen auf den Gebieten der Kunſt und Wiſſenſchaft, des Staates und der Geſellſchaft bis zu ſpäter niemals übertroffenen Höchſtleiſtungen iſt das erzieheriſch Wertvolle. Deshalb ſollte auch eigentlich das Griechiſche im Gymnaſium an erſter Stelle ſtehen.— Daß aber ein tieferes Verſtändnis der antiken Staatsgeſinnung und ihre mannigfaltige Auswirkung in ihrer Vorbildlichkeit wie mit all ihren Schwächen den Blick beſonders ſchärft auch für die Belange der Gegenwart und zur Mitarbeit am heutigen Staate geeignet macht, das dürfte kaum ein Einſichtiger beſtreiten können.—
Schließlich iſt das Erziehungsziel der Griechen, harmoniſche Ausbildung von Kör⸗ per und Geiſt, auch heute wieder das allgemein anerkannte Bildungsideal. Das Gym⸗ naſium hat ſich in dem Kampf behauptet und hat auch im neuzeitlichen Leben ſeinen berechtigten Platz,„fern vom Geſchrei des Marktes, aber doch nahe dem Strom des Lebens“. Eine Ehrenpflicht iſt es, anzuerkennen, daß im Kampf für das Gymnaſium die ehemaligen Schüler ſich beſonders beteiligt haben. Männer aus allen Berufskreiſen, auch aus der Technik und den Naturwiſſenſchaften haben für den Wert der humani⸗ ſtiſchen Bildung als Grundlage auch für ihren Beruf eine Lanze gebrochen.— Zum Schluſſe wurde die heutige Stellung des Gymnaſiums in der Weiſe beſtimmt, daß es ſich nicht nur als Vorbereitungsanſtalt für irgend einen gelehrten Beruf anſieht, ſon⸗ dern als Aufgabe von eigengeſetzlicher Bedeutung die Heranbildung zu einem„ver⸗ tieften Leben im Geiſte“ hat, die Erziehung zu einem geiſtig und körperlich für das Leben unſerer Zeit gerüſteten Menſchen. Der Redner ſchließt mit dem freudigen Zu⸗ kunftsglauben, daß die neue Jugend, die aus dem alten Bensheimer Gymnaſium her⸗ vorgehe, erfüllt ſei vom alten guten Geiſt, zum Wohle der Volksgemeinſchaft und des Vaterlandes.
An die mit großem Beifall aufgenommene Rede, die wir natürlich nur in einzel⸗ nen Hauptgedanken wiedergeben konnten, ſchloſſen ſich eine Reihe längerer Anſprachen an. Zuerſt ergreift Herr Prof. Dr. Biel, der älteſte der ehemaligen Lehrer, das Wort zu einer Begrüßungsanſprache, die wir in gedrängter Form wiedergeben:
Ein ſchöner Gedanke iſt zur erfreulichen Tatſache geworden. Wiederſehensfeiern früherer Schüler unſeres Gymnaſiums waren ja nichts Ungewöhnliches; ſchon ſeit län⸗ ger als zwei Jahrzehnten haben wir ſolche alljährlich erlebt. Während ſich dazu aber jeweils nur die enger verbundenen Gruppen der einzelnen Abiturienten⸗Jahrgänge zu⸗ ſammen fanden, hält nach langen Jahren heute zum erſtenmal wieder die geſamte alte Schülerſchaft ohne Unterſchied, d. h. alle die unſerer alma nutrix überhaupt angehört haben, eine Art großen Generalappells ab. Und während es ſich bei jenen Gelegen⸗ heiten nur um eine interne Feier im kleineren abgeſchloſſenen Kreiſe handelte, ſo beſitzt eine Tagung wie die heutige inſofern eine erhöhte Bedeutung, als ſie ſich vor der großen Sffentlichkeit abſpielt und vor dieſer bedeutet, daß die humaniſtiſche Schule auch heute noch, aller Gegnerſchaft zum Trotz, ihre unentwegt treuen und dankbaren Anhänger beſitzt. Die weihevollen Stunden dieſes Wiederſehens werden den gewiß blei⸗ benden Eindruck noch dadurch vertiefen, daß die ſchon an und für ſich beſtehende, natür⸗


