Jahrgang 
1929
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Und wir? Von fern nur wagen wir zu ſtehn,

Doch ſehnſuchtsvoll an euch die Blicke hangen;

Ihr ſtiegt hinauf ſchon zu des Lebens Höhn,

Dahin wir noch mit heißem Aug verlangen.

Doch wenn der Berge Stürme uns umwehn:

Ihr ſeid den Weg uns ja voraufgegangen!

Wir klimmen nach! Einſt ſtehn wir Hand in Hand Mit euch vereint für Gott und Vaterland!!!

Nach dem ſtimmungsvollen Trio, ausgeführt von ehemaligen Schülern der An⸗ ſtalt, den Herren Studienrat Zwißler, Kieffer und stud. pharm. Feigel be⸗ grüßte Oberſtudiendirektor Kraemer im Namen der heutigen Lehrer⸗ und Schülergeneration die alten ehemaligen Schüler, indem er zunächſt diejenigen namentlich hervorhob, die vor 50 u. mehr Jahren die Anſtalt verlaſſen haben. Die älteſten anwe⸗ ſenden Abiturienten waren Rechnungsrat i. R. Ludwig Ehrmann, Wiesbaden und Rechnungsrat i. R. Hermann, Wilmshauſen.(Abit. 1873); Geiſtl. Rat Scheider, Bür⸗ gel(1874); Hauptmann a. D. Karl Fauſtmann, Wiesbaden(1875); General a. D. Ernſt Fauſtmann, Staufen, Geh. Juſtizrat i. R. Ludwig Fiſcher, Darmſtadt, Prof. Seb. Joſt, Mainz, Geh. Medizinalrat Dr. Reiſinger, Mainz(1876). Von Nichtabiturienten waren die älteſten: Kaufmann Daniel Reiling, Bensheim, der bis 1866 der Schule angehörte, und Georg Fritz, Poſtſekretär i. R., Zwingenberg(1874). Der Redner ſah in der über⸗ aus großen Zahl der Teilnehmer es waren etwa 500, nicht nur aus allen deutſchen Gauen, ſondern auch aus dem Ausland erſchienen einen Beweis für den ſchönen Geiſt der Kameradſchaft, der, durch keinerlei Spaltungen geteilt, von jeher hier beſtanden hat und auch heute noch beſteht. Die Anweſenheit vieler alter Lehrer(Profeſſor Biel, Hauff, Weißgerber, Glaſer, Kullmann und Prälat May) beweiſe aber auch, daß das ſchöne Vertrauensverhältnis zwiſchen Lehrer und Schüler die Jahrzehnte überdauert habe, und für die Schule ſelbſt ſei die zahlreiche Beteiligung beſonders ehrenvoll und erhebend als ein eindrucksvolles Bekenntnis zum alten humaniſtiſchen Bildungs⸗ ideal. Dieſes Eintreten für die alte Schule ſei umſo wertvoller, als das humaniſtiſche Gymnaſium auch heute noch ſchweren Angriffen ausgeſetzt ſei. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts unter dem Eindruck der wunderbaren Erfolge auf dem Gebiete der Technik und der Naturwiſſenſchaften eine Überſchätzung des realen Wiſſens eintrat, wurde auch die Schule immer mehr zu dem Ziele gedrängt, ein möglichſt umfangreiches Wiſſen zu vermitteln. Der Intellektualismus ſiegte, der Bildungsgedanke trat zurück. Kein Wunder, daß immer mehr die Schulen bevorzugt wurden, die für das Leben unmit⸗ telbar verwertbare, praktiſche Kenntniſſe mitgaben. Schon damals erhoben ſich Stim⸗ men gegen dasveraltete, in die neue Zeit nicht mehr paſſende humaniſtiſche Gymna⸗ ſium. Nach dem Zuſammenbruch 1918 aber mußte das Gymnaſium um ſein Weiter⸗ beſtehen kämpfen. Undeutſches Weſen wurde ihm vorgeworfen, obwohl es durch die Maſſe der freiwilligen Blutsopfer im Ringen um Deutſchlands Erhaltung ſeine Deutſch⸗ heit bewieſen hatte. Ungerecht waren auch die Angriffe, die es alsStandesſchule und Gelehrtenſchule bezeichneten. Stets haben ſeine Tore, wie auch heute, jedem Stre⸗ benden offen geſtanden und nicht nurGelehrte, ſondern eine große Anzahl Männer, denen die großen Leiſtungen in Technik und Naturwiſſenſchaft zu danken waren, ſind aus ihm hervorgegangen. Nicht weltfremd ſteht es mit ſeinen der Antike entnomme⸗ nen Bildungsſtoffen da, ſondern die ihm eigenen Bildungsſtoffe ſind auch heute noch be⸗ ſonders geeignet, den Geiſt zu bilden und dem jugendlichen Alter beſonders entſprechend