Jahrgang 
1915
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Den Lehrerwechsel infolge der Kriegsereignisse erhöhte noch ein ernstes Leiden des Prof. Dr. Glaser, das seine Beurlaubung ab 12. November zunächst bis Weih- nachten und dann bis zum Schluss des Schuljahres notwendig machte. Hoffentlich wird ihm seine völlige Gesundheit wiedergegeben. Mit seiner Vertretung wurde Lehr- amtsassesor Zwissler betraut, dessen Unabkömmlichkeit die Militärbehörde bis zum 31. März 1915 befristete. Auch sonst brachte das Schuljahr infolge Erkrankungen von Lehrern nicht selten kürzere Vertretungen mit sich.

Am 30. November fanden 3 Oberschlesier vom Gymnasium Beuthen, die der Krieg aus ihrer Heimat getrieben hatte, bei uns als Gastschüler Aufnahme und in dem bischöflichen Knabenkonvikt dahier bereitwillig Unterkunft, konnten aber am 9. De- zember wieder entlassen werden, da eine unmittelbare Gefahr für sie nicht mehr vorlag.

Die vaterländischen Gedenktage erhielten durch die weltgeschichtlichen Vorgänge erhöhte Bedeutung und besondere Weihe.

Dass der 2. September 1870 die Grundlage zu dem mächtigen Bau des deutschen Reiches schuf, zeigte so recht das Kriegsjahr 1914. Darum wird es wohl zukünftig keine Frage mehr sein, ob wir Sedan feiern sollen. In diesem Sinne hat unsere Schule den Gedenktag durch Ansprachen und Ausflüge festlich begangen. Am Ge- burtstage unseres Landesherrn des Grossherzogs stand im Vordergrunde der Schul- feier die gehaltvolle Festrede des Prof. Dr. Biel, der Anlass, Bedeutung und Ziel des Weltkrieges darlegte und unseren Landesfürsten unter seinen treuen Landeskindern im Felde zeigte. Am 27. Januar wurde in öffentlicher Feier eine entsprechende Auswahl zeitgeschichtlicher Gedichte, um die sich Prof. Henkelmann besonders verdient gemacht hatte, und mehrere ihre Gedanken zusammenfassende Chorlieder vorgetragen, worauf der Direktor unsern Kaiser in seiner Friedenstätigkeit und nach dem frevlen Friedensbruch unserer Feinde als Kriegsfürsten feierte und die Jugend ihm als Weihefrühling gelobte.

Die mündliche Reifeprüfung für den Rest der Oberprima(5) und einen Abituri- enten der Oberrealschule Heppenheim leitete am 20. Februar 1915 der Direktor als Regierungsvertreter. Drei Prüflinge wurden ganz, einer teilweise befreit, und allen die Reife zuerkannt.

Am 18. Februar unterzog der Grossh. Turninspektor Herr Schulrat Schmuck zu Darmstadt mehrere Klassen der Anstalt einer Besichtigung im Turnen.

Die Förderung der Volks- und jugendspiele wurde auch im abgelaufenen Schul- jahre durch den Mangel eines Spielplatzes empfindlich gehemmt. Immerhin fanden bis zu den Sommerferien alle 14 Tage die Ausflüge und Spiele der Jungdeutschland- gruppe mit durchschnittlicher Beteiligung von 3040 Spielern statt.

Schauturnen, Spielfeste u. a. konnte nicht abgehalten werden. Dagegen benutzten die Zöglinge des bischöflichen Konvikts(ca. 60) ihren eignen Spielplatz recht fleissig. Zu den monatlichen Kklassenspaziergängen gesellten sich seit Oktober 1914 die oben- genannten militärischen Uebungen, an denen sich etwa 25 Schüler regelmässig beteiligten.

Wir hoffen zuversichtlich, dass bald alle jungen Männer über 16 Jahre ohne Ausnahme es als eine Ehrenpflicht gegen das Vaterland empfinden werden, sich recht- zeitig für den Dienst bei der Waffe vorzubereiten und gewissenhaft bei diesen Uebungen zu erscheinen.

Während der Gesundheitszustand der Lehrer manches zu wünschen übrig liess, erfreute sich, von influenzaartigen Erscheinungen und Einzelerkrankungen abgesehen, die Jugend durchschnittlich einer erfreulichen Gesundheit.

Für alle der Anstalt gemachten Geschenke sprechen wir auch hier noch einmal den freundlichen Gebern unsern verbindlichsten Dank aus.

Das Schuljahr findet Samstag, den 27. März 1915 einen würdigen Abschluss durch eine Feier des 100 jährigen Geburtstages unseres ersten Reichskanzlers Bismarck. Möge das deutsche Volk und insbesondere die deutsche Jugend niemals vergessen, was wir diesem Manne schulden!