Jahrgang 
1911
Einzelbild herunterladen

10

In der Nacht vom 23. auf 24. Oktober starb dahier der Gymnasiallehrer i. P. Herr Prof. Dr. Weyerhäuser, der von April 1883 bis 1. September 1892 dem Verbande unserer Schule angehört hatte. Das Lehrerkollegium gab auch ihm das letzte Geleite, und der Direktor legte am Grabe eine Kranzspende nieder, wobei er besonders der vorbildlichen Pflichttreue und Willensstärke gedachte, mit welcher der Verblichene trotz geschwächter Gesundheit seinem Berufe ergeben war.

Zur Absolvierung ihres zweiten Probejahres wurden mit Genehmigung Großh. Ministeriums ab Winterhalbjahr 1910 Herr Lehramtsreferendar Ofenloch und ab Schul- jahr 1911 Herr Lehramtsreferendar Bauder an unserer Anstalt zugelassen.

Mit Genehmigung Großh. Ministeriums wurde durch Verfügung vom 2. Februar 1911 Herr Prof. Henkelmann für das Schuljahr 1911/12 beurlaubt, um als Mitarbeiter an dem Werke: Kunstdenkmäler des Großherzogtums Hessen tätig zu sein.

Am 14. Juli wurde der langjährige Leiter des hessischen Schulwesens, Herr Geheimerat Dr. Eisenhuth zu Darmstadt durch einen jähen Tod dahingerafft. Seine hohen Verdienste und sein edles Menschentum werden unvergessen weiterleben.

Der neu ernannte Vorsitzende der Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten Herr Geheimerat Süffert und Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel beehrten am 13. September 1910 unsere Anstalt mit ihrem Besuche, wobei ersterer sich das Lehrer- kollegium vorstellen ließ und beide Herren dem Unterricht in mehreren Klassen bei- wohnten.

Am 8. November 1910 unterzog Herr Bischof Dr. Kirstein zu Mainz den katholischen, und am 13. Februar 1911 Herr Prälat Dr. Flöring zu Darmstadt den evangelischen Religionsunterricht einer Visitation.

Unter dem Vorsitze des Direktors als Regierungskommissars wurde am 24. September 1910 eine außerordentliche mündliche Reifeprüfung abgehalten, zu der 2 Schüler zugelassen wurden. Einer wurde vom Münqdlichen befreit, und beide bestanden.

Die ordentliche mündliche Reifeprüfung fand am 17. Februar 1911 unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Oberschulrats Nodnagel statt. Sämtliche 23 Schüler der Oberprima erhielten das Zeugnis der Reife; 13 davon konnten ganz und ô6 in ein- zelnen Fächern vom Mündlichen entbunden werden.

Am Tage vorher hielt Herr Medizinalrat Dr. Groos an die Abiturienten einen sehr beherzigenswerten Vortrag über sittliche und gesundheitliche Gefahren, die den aus der Schule entlassenen jungen Männern drohen. Auch an dieser Stelle sei ihm nochmals unser herzlichster Dank ausgesprochen.

Die vaterländischen Gedenktage wurden dieses Jahr besonders festlich be gangen. Am 1. September fand in der Turnhalle eine erhebende Sedanfeier statt, bei der Herr Dr. Ruhl die Bedeutung dieses Tages vor 40 Jahren und nicht minder für die Zukunft unseres Volkes würdigte. Am folgenden Tage unternahmen sämtliche Klassen der Anstalt größere Ausflüge. Bei der Schulfeier an Großherzogs Geburtstag entwarf Herr Prof. Dr. Biel ein anziehendes Lebensbild des Landgrafen Philipp von Butzbach und beleuchtete besonders seine hohen Verdienste um die wissenschaftlichen Bestrebungen seiner Zeit. Die öffentliche Feier am 27. Januar, die sehr gut besucht war, galt dem Geburtstage unseres Kaisers und besonders dem Andenken an die Königin Luise, deren 100jährigen Todestag unser deutsches Volk 1910 pietätvoll be- ging. Herr Prof. Henkelmann kennzeichnete in beredten Worten das Wesen der hohen Frau, ihre Reinheit, Herzensgüte, Vaterlandsliebe, ihren Seelenadel und Starkmut in Trübsal und Not. Die Feier wurde verschönt durch die Aufführung des Melodrams Königin Luise, verfaßt von A. Grüttner, in Musik gesetzt von Franz Wagner.

Im Sommerhalbjahr hielt Herr Lehrer Michel zu Bensheim in liebenswürdigem Entgegenkommen einen Kursus für Gabelsberger Stenographie ab, an dem sich 41 Schüler unserer Anstalt beteiligten. Auch im Winterhalbjahre fanden sich noch mehrere Schüler zur Befestigung und Erweiterung des Gelernten unter der gleichen Leitung zusammen.