Jahrgang 
1903
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- IX

IV. Geschichte der Anstalt.

Vor dem Schlusse des Schuljahres 1901/2 unterzog am 10. März Herr Oberkonsistorialrat und Superintendent D. Dr. Flöring die evangelischen Schüler der Anstalt einer Prüfung in der Religion.

Das neue Schuljahr begann Montag den 7. April 1902.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 1. Juli wurde dem Benefiziaten und Oberlehrer Herrn Jakob May der Charakter als Professor verliehen.

Am 25. September starb der Dekan des Dekanats Zwingenberg Herr Pfarrer Anthes zu Bensheim, der von 18671889 beinahe volle 22 Jahre den evangelischen Religionsunterricht an der Anstalt erteilt hatte, nach einem qualvollen, mit heroischer Standhaftigkeit ertragenen Siechtum. Die evangelischen Schüler und das Lehrerkollegium beteiligten sich vollzählig an dem Leichenbegängnisse und der Unterzeichnete legte im Namen derselben unter besonderer Würdigung der segensreichen und vorbildlichen Wirksamkeit, die der Verstorbene als Jugend- lehrer und Amtsgenosse entfaltet hatte, eine Kranzspende an seinem Grabe nieder.

Auch den Tod zweier hoffnungsvollen und braven Schüler hatte die Anstalt zu beklagen. Am 29. September starb der Quintaner Flori Steinberger aus Auerbach und am 12. Oktober der Quartaner Ludwig Hedderich aus Grosshausen, beide nach längerem Leiden. Ersterem gaben seine sämtlichen ehemaligen Klassenkameraden, letzterem eine Abordnung seiner Mit- schüler unter Führung ihrer Herren Klassenführer das letzte Geleite und legten zum Zeichen ihrer treuen Anhänglichkeit Blumenspenden auf das frühe Grab.

Wie im vorigen Jahr, fand auch diesmal wieder ein Kursus für freiwillige Kranken- trägerabteilungen statt, an dem sich 20 Schüler der Prima unter Aufsicht des Herrn Oberlehrers Bodenstein beteiligten. Der praktische Arzt Herr Dr. Neumann zu Bensheim hatte die Liebens- würdigkeit die Teilnehmer auszubilden, wofür ihm auch an dieser Stelle nochmals der gebührende Dank abgestattet werden soll.

Durch die Gnade Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs wurden zum 25. Nov. Herrn Prof. Dr. Josef Kieffer das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.

Die vaterländischen Gedenktage wurden in gewohnter Weise festlich begangen. An Grossherzogs Geburtstag fand eine engere Schulfeier statt, bei der die Schüler Musikstücke, Gedichte und Lieder vortrugen und Herr Prof. Hauff Justus von Liebig als grossen Forscher, edlen Menschenfreund und treuen Hessen verherrlichte. Die Kaiserfeier war öffentlich und von einem sehr zahlreichen Publikum besucht Zur Aufführung gelangte ein Melodram: Die Treue, gedichtet v. Johannes Weber, komponiert von Adam Lorenz. In seiner Festrede beleuchtete Herr Prof. Dr. Biel die Bedeutung der Mathematik im Organismus der Schule sowie im Kulturleben der Menschheit und die grosse Fürsorge unseres Kaisers für die mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächer.

Am 11. Februar beehrte Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei. Unter seinem Vorsitze fand auch am 17. Februar die mündliche Reifeprüfung statt. Derselben unterzogen sich 17 Schüler, die sämtlich bestanden: 10 waren vom mündlichen Examen befreit.

Der Gesundheitszustand der Schüler war, abgesehen von einigen schweren Erkrankungen, von denen, wie oben bemerkt, zwei tödlich verliefen, im allgemeinen befriedigend. Auch das