Jahrgang 
1892
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15 Wird künſtliches Licht benützt, ſo müſſen Cylinder und Milchglasglocke auf der Arbeitslampe ſein; dunkle Schirme auf derſelben ſind nachteilig. Die Lampe ſoll höchſtens ½ Meter weit von dem Schreibenden oder Leſenden und zugleich etwas zu ſeiner Linken ſtehen. Es empfiehlt ſich, in nicht all⸗ zulangen Zeiträumen im Leſen oder Schreiben eine Pauſe zu machen und den Blick auf einen fernen Gegenſtand oder ins Grüne zu richten. Beim Schreiben und Leſen ſoll die Entfernung zwiſchen Auge und Schrift mindeſtens 35 Centimeter betragen. Brillen und ihr Gebrauch ſollten nur von einem auf dieſem Gebiete beſonders erfahrenen Arzte beſtimmt werden. Beim Schreiben iſt der Stuhl ſo weit unter den Tiſch zu ſchieben, daß die vordere Stuhlkante etwa 25 Centimeter unter die Tiſchplatte reicht; bei gerader Körperhaltung darf die Bruſt die Tiſchkante nicht berühren. Unſere Stühle ſind in der Regel zu niedrig, unſere Tiſche zu hoch. Bei richtigem Sitzen muß, wenn der Sitzende die Arme herabhängen läßt, die Tiſchplatte ſich in der Höhe der Ellenbogen befinden. Da dies aber die gewöhnlichen Tiſche und Stühle nicht geſtatten, ſo muß man auf letztere ein Kiſſen auflegen. Die Fuͤße müſſen bei richtigem Sitzen mit der ganzen Sohle auf dem Boden aufſtehen. Da auch dies in der Regel bei gewöhnlichen Stühlen und Tiſchen nicht möglich iſt, ſo muß man unter die Füße einen Schemel ſtellen. Beim Schreiben ſoll das Heft nur wenig ſchräg vor der Mitte der Bruſt liegen. Beim Leſen und Lernen wird der Stuhl etwas zurückge⸗ ſchoben, der Körper nach hinten zurückgelehnt und das Buch ſchräg mit beiden Händen auf dem Tiſche feſt gehalten oder noch beſſer irgendwie ſchräg geſtellt.

Großherzogliche Direktion des Gymnaſiums zu Bensheim. Profeſſor Dr. P. Dettweiker.