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C. Mitteilungen aus dem Unterrichtsbetriebe. I. Geistesbildung.
Die Lehraufgaben für die einzelnen Lehrfächer und Klassenstufen entsprechen den allgemeinen Vorschriften für Realschulen in den„Lehrplänen und Lehraufgaben für die höheren Schulen in Preussen“.(Min.-Erl. vom 29. Mai 1901, U II 1694.)
Gelesen wurde
im Deutschen: in Kl. II: Homers„Odyssee“(Uebersetzung im Auszuge) und Heyses „Kolberg“; zu Hause: Kleists„Michael Kohlhaas“ und Immermanns„Ein Trauerspiel in Tirol“(Andreas Hofer) in Schulausgaben; — in Kl. I: Lessings„Minna von Barnhelm“ und Goethes„Hermann und Dorothea“, sowie einzelne Stücke aus der Gedankenlyrik Goethes und Schillers; zu Hause: Proben aus der patriotischen Prosa der Jahre 1806— 13 und Schillers„Wilhelm Tell“.
im Französischen: in Kl. III und II: Kühn,„La France et les Français“. — in Kl. I: Quatre nonvelles modernes par Daudet etc. und Robert— Dumas, „Au bruit du canon“
im Englischen: in Kl. II:„Marshall, Our Island Story“. — in Kl. I: Scott,„Tales of a Grandfather“.
Daneben wurden die Schüler zur verständigen Benutzung der Klassen-Bibliotheken angehalten.
Uebungen im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Muttersprache werden von unten auf eifrig betrieben. Die Schüler der Klasse I lieferten 9 Aufsätze(ohne die Prü- fungsarbeit), darunter 3 Klassenarbeiten, je eine schriftlich ausgearbeitete und in der Klasse mündlich wiedergegebene kleine Abhandlung, sowie einen kurzen freien Vortrag.
Die Aufsätze behandelten: 1. Unsere Gemeinde.— 2. Klassenarbeit: a. Wieder- gefunden(Brief Minnas von Barnhelm).— b. Wie erklärt Gneisenau die Niederlage bei Jena? — c. Europas natürliche Gliederung.— 3. Tellheim und Riccaut.— 4. Welche Schwierig- keiten haben wir in unseren Kolonien zu überwinden?— 5. Klassenarbeit: a. Einkehr beim Löwenwirte(nach„Hermann und Dorothea“).— b. Im Expresszuge Berlin-Belgrad.— 6. Zu welchen Fernwirkungen verhilft uns die Elektrizität?— 7. Was hat die Fremdherrschaft in Deutschland Gutes gewirkt?— 8. Klassenarbeit: Das britische Weltreich.— 9. Der zeitge- schichtliche Hintergrund in Goethes„Hermann und Dorothea“.
Die Abhandlungen hatten je eine Landschaft des Deutschen Reichs zum Gegen- stande; in freien Vorträgen wurden die wichtigsten Ereignisse des Jahres 1813 an den jeweiligen Gedenktagen vorgeführt, unterstützt von Faustskizzen an der Wandtafel.
Auch im Gebrauch der Fremdsprachen wurde durch regelmässige Uebungen im Anschluss an die Lektüre eine gewisse Freiheit zu erzielen gesucht.
Zu freien Fortbildungsabenden versammelte der Direktor im Winterhalbjahr die Schüler der Kl. I an je einem Abend jeder Woche um sich. Es wurden Zeitschriften aufgelegt, auf gute Bücher und andere Bildungsmittel hingewiesen, Proben aus der älteren und neueren vaterländischen Dichtung und Kunst vorgeführt und einzelne Fragen aus der Natur-, Kulturgeschichte, Wirtschafts- und Staatskunde erörtert. Auch zu ästhetischen und ethischen Betrachtungen bot sich Gelegenheit.
Von Zeitschriften wurden aufgelegt:„Werden“,„Heimat und Welt“,„Kolonie und Heimat“,
„Mussestunden“,„Technische Monatsheftet. A teilt wurde das Verzeichnis guter Bucher des Durer- bnndes, hingewiesen auf die wertvollsten Bucher der Klassenbibliothek, ferner u. a. auf die Wiesbadener


