15
und September 1908 war Herr Oberlehrer Konrad zu einer achtwöchigen militärischen Dienstleistung in Darmstadt eingezogen. Mit seiner Vertretung wurde vom Königſichen Provinzialschulkollegium der Kandidat des höheren Lehramts Herr Ballauf beauftragt.
Friedrich Ballauff wurde am 29. September 1879 zu Berlin als Sohn des Königlichen Ober- baurats Herrn Fr. Ballauff geboren. Nach dem Besuche veschiedener höherer Schulen erwarb er das Reifezeugnis an den Oberrealschule zu Cassel und studierte rsodann seit Ostern 1900 Mathematik und Naturwissenschaften. Er bestand die Staatsprüfung für das höhere Lehramt am 25. Januar 1907. Von Ostern 1907 ab war er zur Ableistung des Seminarjahres der Oberrealschule zu Cassel, von Ostern 1908 ab als Probekandidat dem Friedrichs-Gymnasium daselbst überwiesen.
Eine kürzere Störung des Unterrichts wurde dadurch herbeigeführt, dass Herr Lehrer Brettschneider während der Weihnachtsferien erkrankte und erst am 25. Januar wieder in seine Tätigkeit eintreten konnte. Auch in diesem Falle wurde die Vertretung durch das Lehrerkollegium selbst ausgeführt. Im übrigen war über den Gesundheitszustand von Lehreru und Schülern nicht zu klagen.
Das Schuljahr begann mit der Aufnahmeprüfung am 27. April 1908 und wird am 3. April 1909 schliessen. Die Pfngstferien dauerten vom 6. bis 10. Mai, die Sommerferien vom 11. Juli bis 10. August, die Herbstferien vom 4. bis 19. Oktober, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis 6. Januar.
Wegen zu grosser Hitze musste der Unterricht ausgesetzt werden am 1. Juni nachmittags, am 4. Juni von vormittags 1I Uhr ab, am 16. Juni nachmittags, am 17. Juni von vormittags 10 Uhr ab, am 19. Juni von vormittags 11 Uhr ab und am 2. Juli nachmittags. Ausserdem wurde den Schülern durch Aussetzen des Unterrichts am 4. Juli Gelegenheit geboten, ein grösseres Manôver der Fritzlarer Artillerie in nächster Umgebung der Stadt anzusehen
Die sommerlichen Schulausflüge fanden am 2. Juni statt. Unter Führung ihrer Klassen- lehrer unternahmen die unteren Klassen einen Spaziergang nach der Fischbach, die mittleren wanderten nach Haina, die oberen über Quernst und Traddel zur Bathildishütte. Die Freude an den herrlichen Berg- und Waldlandschaften unserer schönen Heimat wurde den rüstigen Wanderern auch durch ein plötzlich ausbrechendes starkes Gewitter kaum getrübt.
Das Schulfest wurde wieder in gewohnter Weise am Sonntag, den 21. Juni, im Ver- ein mit der Stadtschule begangen. Eine besonders hohe Freude wurde der Jugend und den er- wachsenen Teilnehmern des Hestes bereitet durch einen Besuch des Durchlauchtigsten Fürsten- paares, welches sich auch durch die Launen des recht unwirschen Wetters nicht abhalten liess, Jung-Wildungens Spielen und Turnübungen eine geraume Weile seine freundliche Aufmerksamkeit zu schenken.
Gegen Ende des Sommerhalbjahres wurde den Schülern der oberen Klassen die Teilnah me an einem Schüler-Tanzkursus gestattet, welchen der Tanzlehrer Herr Lenz aus Rolandseck a. Rh. leitete. Es nahmen Schüler der Klassen I- III daran teil.
Die vaterländischen Feste wurden in gewohnter Weise im Verein mit der Stadtschule begangen.
Die Feier des Sedanfestes fand am 2. September vormittags ½ 11 Uhr statt, und zwar nach folgender Ordnung:
1. Gemeinsame Andacht. 2. Gesang des Schülerchors: Psalm 23, in Musik gesetzt von B. Klein. 3. Festrede, gehalten von Lehrer Frese. 4. Schülervorträge: a) Lohmeyer, Auf der Walstatt[Ernst Henkel IV]; b) Wildenbruch. Die Belehnung des Burggrafen Friedrich I.[Friederike Noll, I. M.-Kl.]; c) Sallet, Zietens Schlachtplan[Emil Rohde, II. Kn.-Kl.]; d) Seidl. Der tote Soldal[Richard Oestreich, VII. 5. Chorgesang: „Sie sollen ihn nicht haben“ von Becker, Musik von Schumann. 6. Schülervorträge: a) Geibel, Deutsche Wanderschaft[Hedwig Rieder. II. h. M.-Kl.]; b) Stern, der Fall von Paris[Wilhelm Herbener III; c) Hoff- mann von Fallersleben, Deutschland[Emma Fax, III. M.-Kl.], 7. Gemeinsamer Sehlussgesang: Deutsch-
land über alles. 3 In der Festrede erörterte Herr Stadtschullehrer Frese die Frage, was der Sedantag für
das deutsche Volk bedeute.
In der gemeinsamen Wochen-Schlussandacht beider Schulen am Sonnabend, dem 21. November wies der Direktor in kurzen Ausführungen auf die Bedeutung der am 19. November 1808 erlassenen preussischen Städteordnung hin.


