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von dem Herrn Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten beantragten Staatszuschuss für die Realschule zu Bad Wildungen zu gewähren. Damit erscheint die weitere günstige Ent- wickelung des bisher so erfreulich aufgeblühten Wildunger Schulwesens recht ernstlich in Frage gestellt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die von dem Landtage der Fürstentümer ein- stimmig ausgesprochene Erwartung, es werde dem Herrn Landesdirektor gelingen, in dem für Herbst d. Js. von der Staatsregierung in Aussicht gestellten Nachtragsetat die Bereit- stellung der zu gedachtem Zwecke erforderlichen Mittel doch noch zu erwirken, sich erfülle. Die Gemeinde Bad Wildungen selbst ist in ihrer Opferwilligkeit für die Ausgestaltung ihres Schulwesens und insbesondere auch für die Unterhaltung der nicht nur der Stadt Bad Wildungen sondern ebenso sehr der gesamten Umgebung der Stadt bis weit in die benachbarten preussi- schen Kreise hinein zu gute kommenden Realschule bereits an die äusserste Grenze ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit gegangen. Die Gewährung einer Staatsbeihilfe erscheint ja auch nach dem oben Mitgeteilten nur mehr eine Frage der Zeit. Es ist aber dringend zu wünschen, dass diese Hilfe recht bald und in ausreichendem Masse eintrete. Denn gerade zur Ueberwindung der gegenwärtigen, aus der natürlichen Entwickelung der Realschule einer- seits und der finanziellen Bedrängnis der Gemeinde anderseits sich ergebenden grossen Schwierigkeiten bietet sich kein anderes wirksames Mittel mehr als ein tatkräftiges Eingreifen der Staatsregierung.
Das Schuljahr begann mit der Aufnahmeprüfung am 8. April 1907 und wird am 11. April 1908 schliessen. Die Pfingstferien dauerten vom 18. bis 22. Mai, die Sommer- ferien vom 13. Juli bis 12. August, die Herbstferien vom 6. bis 21. Oktober, die Weihnachts- ferien vom 22. Dezember bis 6. Januar.
Wegen zu grosser Hitze musste der Unterricht am 13. Mai nachmittags und am 15. August von vormittags 11 Uhr ab ausgesetzt werden.
Die sommerlichen Schulausflüge fanden in den Tagen vom 23.— 25. Mai statt. Unter Führung ihrer Lehrer unternahmen die Klassen VI und V am 24. Mai einen Spaziergang über Wenzigerode und Betzigerode nach Zwesten und über Braunau zurück, die Klassen IV und III über Wellen und die Johanniskoppe nach Züschen, Fritzlar und von dort über Ungedanken heimwärts. Mit der Mehrzahl der Schüler der oberen Klassen, im ganzen 37, traten der Direktor, Oberlehrer Konrad und Dr. Löwe am 23. Mai eine dreitägige Turnfahrt nach der Weser, Pyrmont und dem Teutoburger Wald an. Die Eisenbahnfahrt, welche die Wanderer zum Schauplatz ihrer Taten bringen sollte, wurde durch einen zweistündigen Aufenthalt in Cassel unterbrochen, der zu einer raschen Durchwanderung der Stadt in ihren sehenswertesten älteren und neueren Partien benutzt wurde. In Carlshafen angekommen, erstieg man die benachbarten Weser- klippen. um von dort aus einen ersten Ueberblicküberdie anmutige und geschichtlich so denkwürdige Landschaft zu gewinnen. Der Dampfer trug dann die frohe Gesellschaft durch das wechsel- volle und erinnerungsreiche Wesertal hinab bis nach Polle. Hier begann der Fussmarsch, der die Wanderer über das wellige Bergland mit seinen weiten Aussichten noch am selben Abend nicht ohne Anstrengung bis zu ihrem ersten Nachtquartier in der idyllisch gelegenen Sommer- frische Friedenstal bei Dyrmont führte. Der nächste Wandertag brachte einen frischen Morgenspaziergang nach Pyrmont, eine Umschau in diesem anmutigen und in seiner alten Kultur so anziehenden, bunt belebten Badestädtchen nebst einem Aufstiege zum Aus- sichtsturme auf dem Bomberge. Um Mittag führte die Eisenbahn unsere Reisenden hinüber über Himmighausen, wo ein schweres Gewitter glücklich abgewartet werden konnte, nach Leopoldstal am Fusse des Teutoburger Waldes. Von hier aus wurde am Nachmittag die seltsam öde Höhe des Velmerstot erstiegen, von dessen Gipfel die Blicke weit über das Lippische Land zu den Weserbergen hinüber und den ganzen Hang des Teutoburger Waldes entlang schweiften. Dann ging es hinab zu den vielberufenen Externsteinen mit ihren alten Skulpturen, wieder hinauf zur Waldhöhe mit den Trümmern der Falkenburg, hinab durch das Tal, in dem die Berlebecker Quellen sprudeln, und nochmals bergan zum zweiten Quartier,


