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Beginn des Schuljahres, zunächst provisorisch, von Michaelis d. J. ab definitiv der Lehrer Herr Max Brettschneider aus Berlin.
Max Brettschneider wurde am 19. März 1875 zu Berlin geboren. Seine Schulbildung
genoss er in seiner Vaterstadt, die Vorbildung zu seinem Berufe auf der Präparandenanstalt
und dem Lehrerseminar zu Elsterwerda. Das erste Lehrerexamen legte er im August 1895
zu Elsterwerda, das zweite im Mai 1900 zu Eisleben ab. Vom Oktober 1895 bis dahin 1901
verwaltete er eine Lehrerstelle in Frauwalde. Vom Oktober 1901 bis Oktober 1905 war er
an der Realschule zu Salzungen(S.-Meiningen) tätig. Von Michaelis 1905 bis Ostern 1907
widmete er sich privaten Studien an der Universität zu Berlin, übernahm jedoch zugleich
während der grossen akademischen Ferien kurze Vertretungen an verschiedenen Berliner
Schulen. Mit seiner Berufung an die Realschule zu Bad Wildungen trat er wieder in den ordentlichen Schuldienst ein.
Schon im ersten Quartal des Schuljahres wurde der Unterrichtsbetrieb aufs neue ge-
stört durch die Einberufung des Zeichenlehrers Herrn Hoefer zu einer Landwehrübung in
Cassel vom 5.— 19. Juni. Die Vertretung, soweit eine solche möglich war, wurde von den
übrigen Mitgliedern des Lehrerkollegiums übernommen.
Eine Auszeichnung erfuhr die Realschule durch die kurz vor den Sommerferien er- folgte Verleihung des Charakters als Professor an die bisherigen Oberlehrer Herrn Prorektor Knobeloch und Herrn Dresen.
Herr Professor Dresen sah sich inzwischen in seiner Gesundheit soweit gekräftigt, dass er nach den Sommerferien seine Unterrichtsstunden, zunächst wenigstens zum Teile, selbst wieder aufnehmen konnte. Die noch erforderliche teilweise Vertretung bis Michaelis d. Is. wurde von einigen der Kollegen ausgeführt. Mit Beginn des Winterhalbjahres über- nahm Herr Professor Dresen seine dienstliche Tätigkeit wieder in vollem Umfange.
Dagegen zeigten sich leider gegen Weihnachten 1907 bei Herrn Oberlehrer Dr. Ortloff die Anzeichen einer ernsteren nervösen Erkrankung, welche ihn bald nach den Weihnachts- ferien nötigte, seinerseits um die Gewährung eines längeren Urlaubs zur Herstellung seiner Ge- sundheit nachzusuchen. Dieser wurde ihm zunächst für die Monate Februar und März d. Js. gewährt, wird aber voraussichtlich bis zum Schlusse des Schuljahres verlängert werden müssen. Auch in diesem Falle wurde die Vertretung mit einigen Einschränkungen von dem Lehrerkollegium der Anstalt selbst zu gleichen Teilen übernommen.
Unbefriedigend gestaltete sich im abgelaufenen Schuljahr auch der Gesundheitszustand der Schüler. Kinderkrankheiten ernsteren Charakters, wie Masern, Scharlach und Diphtherie traten während des ganzen Jahres zwar nicht eigentlich epidemisch, aber in immer neuen Einzelfällen auf und brachten in manche Familien unserer Stadt schwere Sorgen und Trauer. Auch die Realschule hatte den plötzlichen Verlust eines Schülers zu beklagen, dessen geistige Fähigkeiten und Charakteranlagen eine erfreuliche Entwickelung hoffen liessen. Am 5. Oktober starb der Sextaner Moritz Seibel, Sohn des Bahnarbeiters Herrn Karl Seibel hier. Der Direktor gab in Vertretung des Lehrerkollegiums dem Entschlafenen das letzte Geleit. Seine Klassengenossen, denen die Teilnahme an der Beerdigung der Ansteckungsgefahr wegen nicht ge- stattet war, brachten ihre Teilnahme durch Niederlegung eines Kranzes an dem Grabe ihres aufrichtig betrauerten Mitschülers zum Ausdruck. Ein anderer Schüler unserer Anstalt, der während des Sommerhalbjahres einer ernsten Erkrankung wegen die Anstalt verlassen musste, erlag auch noch vor Ablauf des Jahres seinem lange mit grosser Geduld getragenen Leiden. Es war der frühere Quintaner Karl Mann, Sohn des Bürgermeisters Herrn Friedrich Mann in Wellen. Er entschlief in der Weihnachtsnacht 1907. Auch in diesem Falle bekundete der Direktor, begleitet von Herrn Realschullehrer Köster, durch Teilnahme an der Beerdigungs- feier den schwer getroffenen Angehörigen die Mittrauer des Lehrerkollegiums um das frühe Hinscheiden eines freundlichen Knaben und fleissigen Schülers.
Ein recht schwerer Schlag traf die Anstalt selbst durch die zu Weihnachten 1907 eintreffende Mitteilung, dass der Herr Finanzminister zur Zeit nicht in der Lage sei, den


