Jahrgang 
1902
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laden waren dazu die hiesigen Schulbehörden und die Gemeindevertretung. Ausserdem nahmen einige der Schule näher stehende Gäste teil. Ausser den Realschülern waren die 3 oberen Klassen der Volksschule, die Präparandenschule und die beiden oberen Klassen der höheren Mädchenschule anwesend. Die Festfeier wurde eingeleitet durch die Motette: Der Herr ist mein Hirt, PS. 23, v. Bernh. Klein, gesungen vom Schülerchor der Stadtschule unter Direktion des Herrn Konr. Löwe. Dann betrat Herr Provinzialschulrat Dr. Kaiser das Rednerpult, um in längerer Rede die Bedeutung und Aufgabe der Realschule auseinander zu setzen. Er bezeichnete es als eine glückliche Wendung, dass Wildungen von den verschiedenen Arten der höheren Schulen gerade die Realschule ausgewählt habe, die zweifellos den Bedürfnissen der Bevölkerung am besten genügen werde. Der Herr Redner betonte dann als Hauptziele der Schule die Erziehung zu patriotischer Denkart und zur Frömmig- keit. Das Bedenken, das man gegen die Realschulbildung geltend gemacht habe, als gäbe sie dem Denken unseres Volkes eine materialistische Richtung, könne er nicht teilen. Im Gegenteil glaube er, dass mit der Kenntnis der Natur und ihrer Kräfte auch die Erkenntnis Gottes sich fest verknüpfe. Er sprach die Erwartung aus, dass der neue Direktor die junge Schule in diesem Sinne leiten werde und überreichte ihm den allerhöchsten Erlass vom 27. Juni 1901, der die Ernennung enthielt.

Sodann bestieg der Direktor das Podium, um seinem Dank Ausdruck zu verleihen für das Vertrauen, welches ihm die Stadtvertretung und die vorgesetzte Behörde durch die Wahl zum Direktor ausgesprochen hätten. Er sei sich der grossen Verantwortlich- keit der Stadt gegenüber wohl bewusst und gelobte, seine ganze Lebenskraft und Berufs- freudigkeit für die Schule einzusetzen. Bei dem Interesse, das die Allgemeinheit heut- zutage am öffentlichen Schulwesen nehme und das auch die Wildunger Bevölkerung der Entwicklung der Realschule entgegengebracht habe, sei es wohl nicht ohne Interesse, der Geschichte der Realschule in Deutschland einmal näher zu treten. Redner zeigte, wie die ersten Realschulen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts durch den Pietismus ins Leben gerufen worden seien und verfolgte dann die Entwicklung durch die verschieden- artigen Strömungen des Philanthropismus und des Neuhumanismus hindurch und gab einen kurzen Ueberblick der neuen Geschichte der Realschule, die mit dem Sieg der Gleich- berechtigungsbestrebungen enden werde. Im Licht dieser Darstellung warf er dann einen Rückblick auf die Geschichte der Wildunger Stadtschule. Am Schluss sprach er den Wunsch aus, dass die mit so viel Opfern errichtete neue Realschule zu einem Segen für die künftigen Geschlechter Wildungens werde und neben und mit der Volksschule eine rechte Schule des Volks sein und bleiben möge.

Herr Bürgermeister Radke überbrachte dann dem neueingeführten Direktor die Wünsche der Stadtvertretung und Herr Prorektor Knobeloch die des Lehrerkollegiums, während der Primaner Gustav Emde im Namen der Schüler Glück wünschte und das Gelöbnis treuen Fleisses aussprach.

Mit dem Chorgesang:Herr Gott, dich loben wir, Psalm 130, von Silcher schloss die erhebende und eindrucksvolle PFeier.

Am folgenden Montag um 10 Uhr vereinte die Feier des Sedanfestes wiederum

Realschule und Stadtschule in der Aula. Der Feier war folgende Ordnung zu Grunde gelegt:

1. Gemeinsamer Choral. 2. Psalm und Gebet(Herr Prorektor Knobeloch). 3. Schluss- strophe des Chorals. 4. Chorgesang: Der Herr ist mein Hirt, von Klein. 5. Festrede, gehalten von Herrn Oberlehrer Dr. Ortloff. 6. Gemeinsamer Gesang: Heil Dir im Siegerkranz. 7. Deklamationen: a) Mein Vaterland v. Jul. Sturm(Charlotte Braun, III. M.); b) Lützows wilde Jagd von Theodor Körner(Wilhelm Briele, II.); c) Nach der Schlacht bei Wörth von Karl Klein(Richard Hocke, II. Präp.); d) Die Trompete von Gravelotte von Ferd. Freiligrath(Karl Klapp, I. Kn.); e) Lieb' Vaterland, magst