Jahrgang 
1930
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Am 24. August kehrten die Teilnehmer der Englandfahrt zuriück, die in allen Teilen glücklich verlaufen war. Zu dem gedruckten Bericht über die internationale Zusammen⸗ kunft August 1929 steuerten auch unsere Schüler(innen) 3 Aufsätze bei. Zwei Schil- derungen von Adelheid Schönewald, die für den Abdrud zu spät eingegangen waren, mögen hier im Auszug folgen:

London.

Welch unendlich pulsierendes Leben birgt eine Großstadt in ihren Straßen und Gassen, ihren Palästen und Hinterhäusern, ihrem Westend und Eastend, mit ihren Millionen Fahrzeugen, Untergrundbahnhöfen, Museen und Parks! An den trüben Londoner Himmel hatte ich mich bald gewöhnt. Er erstickt jede auffällige, unvornehme Eleganz und verleiht den Menschen, sie alle zu ähnlicher schlichter Regenkleidung zwingend, etwas eigentümlich Gleiches, Schematisierendes. Die dunstige Atmosphäre bildet den passenden Hintergrund zum Schwarz⸗Weiß der Gebäude(schwarz vom Ruß und weiß vom neuen Verputz), die mir in ihrer Düsterkeit wie lebendig gewordene nordische Tradition erschienen. Die unterirdische Welt der KRiesenstadt hatte für mich einen eigenen erregenden Zauber; dieTube saust in raschem Tempo von Station zu Station, die Wagentüren klappen wie Rachen von seèlber gespenstisch auf und zu, die Menschen gleiten wie Schemen auf Rolltreppen und in Aufzügen auf und nieder. Die feuchte Luft dämpft die Stimmen. Beim Auftauchen aus diesem Reich des welt⸗ städtischen Verkehrs empfinden die dunkelgewöhnten Augen kaum den Ubergang zu dem farblos grauen Licht des Tages. Wenn über Hyde Park die Sonne scheint, wirkt er nicht halb so schön, wie wenn sich an Regentagen in dampfender Feuchtigkeit die Konturen der herrlichen Baumgruppen lösen und die Nebel silbrig über den weiten Rasenflächen stehen.....

The International School.

Das Leben in Bedales School in Petersfield, Hampshire, wo der Ferienkurs stattfand, war zunächst keine reine Freude. Vor allem die stramme Tageseinteilung, an der nicht zu rütteln war, behagte uns anfänglich nicht. Mir, und ich glaube auch vielen anderen, war es etwas vollkommen Neues, den Tag nach fremder Vorschrift zu verbringen. Kein Wunder, denn wir Deutsche kennen allzuwenig das Gemeinschaftsleben, um uns sofort darin wohl zu fühlen. Wir sind mehr oder weniger alle Eigenbrötler, ziehen zum min⸗ desten einen kleinen Freundeskreis einem weiteren vor. Das englische Volk erzieht seine Jugend anders; ob besser, will ich dahingestellt sein lassen. Die englischen Kinder wachsen in der Boarding School auf, den größten Teil des Jahres vom Elternhaus und seinen Annehmlichkeiten getrennt. Gemeinschaftsleben und Rücksicht auf das Gemein⸗ wohl wird den Engländern zur Gewohnheit, zur Selbstverständlichkeit. Das ist gewiß ein Vorzug, der manche Nachteile dieser Erziehung aufwiegt. Nun, auch wir ge⸗ wöhnten uns, sogar recht schnell, an das neuartige Zusammenleben. Anfänglich hatte ich oft den Wunsch nach einem guten Buch, einer Stunde Alleinsein: aber solche Ge⸗ lüste verflogen bald. Die Tage vergingen mit Spiel. Sport, Ausflügen, mit dem Gesang von Liedern und mit Theateraufführungen in drei Sprachen. Wenn die Zeit auch äußer⸗ lich ruhig verlief, der Geist war aufs Xußerste angespannt, von fremden Sprachen, fremden Gedanken und Eigenarten so viel als möglich zu erraffen, so daß mir heute die Zeit in Bedales länger vorkommt, als sie in Wirklichkeit war.

Ich hatte mich bald mit einem englischen Mädel befreundet. Da wir zufällig dem- selben Schlafraum und derselben Gruppe angehörten, hatten wir Zeit genug, uns kennen zu lernen. Wir erzählten einander von unserem Leben, unserer Schule, unseren Eltern, Geschwistern, der Heimat und vielem anderen und verbrachten lange Stunden mit Debatten über Bücher, die wir beide kannten, und unsere Ideenkreise grenzten oft aneinander.

Fast alle waren wir vorurteilsfrei und vertrauensvoll zu dem International Gathering gekommen, und wir haben auch von Franzosen und Engländern nur Freundschaft und Entgegenkommen erfahren. Wir alle haben von unserer Englandreise nicht nur Sprach⸗ kenntnisse und Reiseerinnerungen, sondern auch das Wissen vom Wert der Menschen, die einer anderen Nation entstammen, mit nach Hause gebracht. Nur wer von diesem Wissen durchdrungen ist, kann für die Gedanken des Friedens ein erfolgreicher Kämpfer