Jahrgang 
1928
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aus finanziellen Gründen nicht zustimmen konnte. Wenn man auch in Zeiten der Not zu Sparmaſtnahmen greifen muf, bleibt doch die unterbliebene Trennung der überfüllten Un- terprima sehr zu bedauern. Die Höchstzahlen für den Besuch der Klassen geben die äufterste Grenze an, die noch einen fördersamen Unterricht zuläßt. Von einer Teilung der Klasse hät- ten alle Schüler groſen Gewinn gehabt.

Der sechsstündige Vormittagsunterricht, der in diesem Jahr zum ersten Mal durchgeführt wurde. nimmt zweifellos die geistigen und körperlichen Kräfte der Schiiler in hohem Mafte in Anspruch. Es lassen sich gewiß mancherlei Bedenken gegen eine solche Ballung der Unterrichtsstunden geltend machen, und aus Elternkreisen wurden auch vereinzelte Klagen laut. Eine ausgiebige Besprechung im Elternbeirat und im Gesamtlehrerrat führte aber zu dem Ergebnis. daß bis auf weiteres an der neuen Regelung festgehalten werden muß. Die Vorteile für die Schiler, besonders auch für die auswärtigen., sind so bedeutend, daß eine Rückkehr zu dem ausgedehnten Nachmittagsunterricht nicht ratsam erscheint.

Um die nachteiligen Wirkungen des langen, nervenanspannenden Unterrichts abzu- schwächen., bieten wir seit Mitte November den Schülern Gelegenheit, in der Schule Milch zu trinken. Die Einrichtung hat sich gut bewährt; mehr als die Hälfte der Schüler kaufen sich jeden Morgen ein Fläschchen Vorzugsmilch(14 Liter) zu ihrem Frühstück. Zur unent- geltlichen Versorgung mehrerer bedürftiger Kinder(14) mit Milch und Brötchen stellt das Wohlfahrtsamt der Stadt dankenswerterweise die Mittel zur Verfügung.

Der Turnunterricht wird nach den neuen Lehrplänen wöchentlich durch 2 Stun- den Bewegungsspiele ergänzt. Für die Spielstunden konnten wir den Sportplatz des Sport- vereins benutzen. Doch ist der Platz so weit von der Stadt entfernt, daß die Kinder an den Spieltagen durch Hin- und Rüdweg viel Zeit verlieren. Außterdem ist der Platz nur bei trockenem Wetter für das Spiel geeignet. Die erfolgreiche Durchführung der Spielstunden litt auch unter der großen Zahl Schüler, die beim Spiel vereinigt werden muftten. Es ist für den Führer von 60 90 Knaben und Mädchen nicht gut möglich, die Spiele mehrerer Grup- pen sachgemäß anzuordnen, und danach die Beachtung der Regeln bei den verschiedenen Spielen sorgsam zu überwachen. In den Sommermonaten wurde eine Turnstunde aller Klassen bei günstiger Witterung in das städtische Freibad verlegt. Die Nichtschwimmer er- hielten dort von einem von der Stadt bestellten Schwimmlehrer unentgeltlich Unterricht. Auch eine Anzahl Mädchen machten einen besonderen Schwimmkursus bei Herrn Sinnwell durch. Wir erkennen gern den Eifer an, mit dem Herr Sinnwell sich bemühte, unsere Schüler und Schülerinnen schwimmen zu lehren. Wenn trotzdem ein großter Teil der Knaben in den unteren Klassen und recht viele Mädchen die Kunst des Schwimmens noch nicht beherr- schen, so darf daraus gefolgert werden, daß für den Schwimmeister auch in den nächsten Jahren noch ein Stüc Arbeit zu leisten übrig bleibt. Der Erfolg hängt wesentlich von der Witterung im Sommer ab.

Die Reichsjugendwettkämpfe wurden Ende August bis Anfang September ausgetragen. Es beteiligten sich an den Kämpfen 108 Knaben und 8 Mädchen. Sieger wurden 53 Knaben und 2 Mädchen. Den ersten zehn vom Hundert der Sieger in der Reihenfolge der Punktwertung wurde am 0. Dezember nach einer Ansprache des Direktors die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten überreicht: Hermann Bierwirth IIa. Hans Schäfer IIIa2. Erwin Schnei- der Ib. Theodor Dietz IIa, Eduard Diehl Ja, Jochen Clod IIIa2: die übrigen Sieger erhielten die vom Deutschen Reichsausschuft für Leibesübungen gestiftete Urkunde.

Im Laufe des Schuljahres wurden 6 Monatsspaziergünge unternommen. Der Jahresausflug am 6. September führte die Klassen in den Taunus und Vogelsberg.

lerr Dr. Steiger reiste mit seiner Obertertia zwei Tage in den Spessart und besichtigte auf der Rückfahrt das Völkermuseum und den Zoologischen Garten in Frankfurt am Main. Mit den Oberprimanern unternahm Herr Prof. Fuldner eine dreitägige Rhönwanderung.

Wegen grofter Hitze muſtte der Unterricht ab 11.20 Uhr an folgenden Tagen ausge- setzt werden: 17. Juni. 6., 12. und 15. Juli und am 1. und 2. September.

Durch Vermittlung des Kreiswohlfahrtsamtes Friedberg konnten mehrere Schüler aus den Mittelklassen zu 4- und 6wöchigen Erholungskuren nach Kellenhusen und Feh- marn reisen. Die gesundheitlichen Vorteile des Seeaufenthaltes machten sich bei allen Teil- nehmern der Fahrt bemerkbar. Auch im Sommer 1028 finden wieder für schwächliche Kna- ben und Mädchen gegen mäſlige Bezahlung Erholungskuren an der Ostsee statt.