— 9—
Am 15. Mai wurde den Studienaſſeſſoren Reineck und Eckelhöfer, am 9. Oktober den Studienaſſeſſoren Fritz und Schmitt die Amtsbezeichnung„Studienrat“ verliehen.
Studienreferendar Dr. Bläßer wurde am 18. Juni mit der Verwaltung einer Stelle an dem Gymnaſium und der Realſchule zu Bingen beauftragt; von den Sommerferien bis Weihnachten fand eer an der Liebig⸗Oberrealſchule zu Darmſtadt, von Januar 1927 ab an der Auguſtinerſchule zu Friedberg Verwendung.
Der im Ruheſtand lebende Prof. Peth hat ſich auch im vergangenen Jahre wieder in liebens⸗ würdigem Entgegenkommen bereit gefunden, den Unterricht in einem wahlfreien Lateinkurs zu über⸗ nehmen. Wir danken ihm auch an dieſer Stelle herzlichſt für ſeine freiwillige Mitarbeit.
Auf Grund des Geſetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten wurde am 1. Oktober 1926 Oberreallehrer Adam Storckhin den Ruheſtand verſetzt. Er hat über 22 Jahre an unſerer Anſtalt gewirkt. Er hat den Zeichenunterricht in ſämtlichen Klaſſen unſerer Schule erteilt. Als Oſtern 1926 der Werkunterricht eingeführt wurde, hat er ſich mit friſcher Anpaſſungsfähigkeit auch dieſem neuen Lehrzweige gewidmet. Lehrer und Schüler haben den Rüſtigen nur ungern ſcheiden ſehen. Wir erinnern uns dankbar der Verdienſte, die Herr Storck ſich um die Schule erworben hat, und wünſchen ihm einen ſchönen Ruheſtand.
Mit der Verſehung ſeiner Stelle wurde am 20. Oktober der Schulverwalter Erich Türck zu Offenbach beauftragt.
Von früheren Lehrern der Anſtalt geziemt es uns zweier zu gedenken, die im vergangenen Schuljahr der Tod abberufen hat.
Am 10. Juni 1926 ſtarb in Darmſtadt Oberſtudiendirektor Dr. Karl Becker. Er iſt über 32 Jahre an unſerer Schule tätig geweſen; nahezu 8 Jahre hat er ſie in den ſchwierigen Kriegs⸗ und Nachkriegszeiten geleitet, bis er am 2. April 1923 von der Beſatzungsbehörde ausgewieſen wurde. Sein Name wird mit der Geſchichte unſerer Anſtalt immer verknüpft bleiben. Ein tatkräftiger, auf⸗ rechter Mann, ein anregender, von Liebe zu den Wiſſenſchaften und Künſten erfüllter Lehrer iſt mit ihm dahingegangen. Im Auftrage des Lehrerkollegiums wohnten der Direktor und Studienrat Schorlemmer der Einäſcherungsfeier in Darmſtadt bei.
Am 2. Januar 1927 ſtarb hochbetagt der Reallehrer i. R. Friedrich Heuſel. Nahezu ein halbes Jahrhundert hat er an unſerer Schule ſeine Lehrtätigkeit ausgeübt. Mehrere Generationen von Schülern aus Alzey und Umgebung wurden von ihm unterrichtet. Von höchſtem Pflichtbewußtſein erfüllt, betrachtete er es als ſeine erzieheriſche Aufgabe, die Schüler an peinliche Ordnung, Fleiß und Gehorſam zu gewöhnen, und das wird ihm noch heute von den meiſten gedankt. Die Schule wird ihm für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren.
Am 28. April 1926 erhielten wir vom Landesamt für das Bildungsweſen die Mitteilung, daß die Telefunken⸗Vertriebsgeſellſchaft zu Frankfurt aus der Graf Arco⸗Spende dem Volksſtaat Heſſen zwei komplette Radio⸗Einrichtungen geſtiftet habe und daß eine dieſer Einrichtungen unſerer Schule koſtenlos überlaſſen werde. Der Apparat— Tele funkon 26— wurde am 3. Mai bei uns auf⸗ geſtellt und hat ſich für die Zwecke des Unterrichts und der Unterhaltung gleich gut bewährt.
Unſer diesjähriger Jugendtag fand am 24. Juni bei anfangs trübem, dann aber ſehr ſchönem Wetter ſtatt. Die ganze Schule fuhr in Begleitung einiger Eltern und Freunde der Anſtalt morgens mit der Bahn nach Morſchheim. Von da ging's in geſchloſſenem Zuge zum Forſthaus Vorholz. Auf einer unmittelbar am Forſthaus gelegenen Wieſe nahmen die einzelnen Klaſſen ihre Lagerplätze ein. Dann begannen die Klaſſen⸗Wetthämpfe: Fauſtball in den Primen, Handball in den Sekunden, Stafetten⸗ und Hürdenläufe in den übrigen Klaſſen.
Nachdem dieſe Kämpfe ausgetragen waren, vergnügten ſich die einzelnen Klaſſen durch Scherz⸗ und Wettſpiele aller Art. Alle Schüler und auch die Erwachſenen beteiligten ſich am Keulenwerfen nach einem hölzernen Adler. Die Unterprima hatte eine Schießbude aufgeſchlagen, die beiden Oberſekunden hatten einen Stand errichtet, in dem man durch geſchicktes Werfen nach Flaſchen und Tellern Preiſe erringen konnte, die Unterſekunda lud zum Beſuch eines Marionettentheaters ein. Nachmittags um 3 Uhr nahm der Direktor die Preisverteilung vor. Um 9½ 4 wurde der Rückmarſch nach Morſchheim bezw. Alzey angetreten.
Am 19. Juni ſpielte die Schlagballmannſchaft unſerer Schule gegen diejenige der Auf⸗ bauſchule um das Banner des Heſſiſchen Philologenvereins, wobei die Aufbauſchule den Sieg davontrug.


