Jahrgang 
1926
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Der letzte Jahresbericht unserer Schule ist 1917 erschienen. Die für unser Volk so ereignisreichen und schicksalschweren Jahre, die seitdem verflossen sind, haben auch unserer Schule viel Aufregendes und mancherlei Betrübendes gebracht. Der verlorene Krieg und die Besetzung des Landes, Ruhrkampf, Separatismus und Inflation das alles musste auf einen so lebendigen Organismus, wie es die Schule ist, aufs stärkste einwirken. Wir wollen diese Bilder des Leidens nicht noch einmal an uns vorüberziehen lassen. Wir haben wohl alle das Gefühl, dass es wieder langsam aufwärts geht trotz der schweren Schatten, die die wirtschaftliche Not noch immer auch auf das geistige Leben fallen lässt.

Im Jahre 1917 war der um unsere Anstalt hochverdiente Dr. Zulauf noch Direktor. Er selbst stand damals im Felde und wurde von Prof. Dr. Becker in der Leitung der Geschäfte vertreten. Am 1. Oktober 1918 wurde er zum Direktor des Real- gymnasiums zu Mainz und der seitherige stellvertretende Direktor Dr. Becker zum Direktor unserer Schule ernannt. Am 2. April 1923 wurde Oberstudiendirektor Dr. Becker nach nahezu achtjähriger. schwieriger und verantwortungsvoller Leitung von der Besatzungsbehörde ausgewiesen. Mit seiner Stellvertretung wurde Studienrat Mickel betraut, der die Geschäfte bis zum 14. Mai 1925 führte.

Das Schuljahr 1925/26.

Das Schuljahr 1925/26 begann am 20. April mit den Aufnahmeprüfungen. Am 21. April nahm der regelmässige Unterricht seinen Anfang.

Am 23. April wurde der Unterzeichnete zum Direktor der Anstalt ernannt. Nach Ablauf der französischen Einspruchsfrist trat er am 14. Mai seinen Dienst an. In einer an diesem Tage einberufenen Lehrerratssitzung stellte er sich dem gesamten Lehrkörper vor und übernahm die Geschäfte. Er dankte vor allem Herrn Studienrat Mickel dafür, dass er über zwei Jahre lang in einer ausserordentlich bewegten Zeit und in einer wirt- schaftlich oft verzweifelten Lage nicht nur die Geschicke der Anstalt mit Hingebung und Umsicht durch alle Schwierigkeiten hindurchgeführt, sondern auch im Verein mit einem zielbewussten Kollegium und einer weitsichtigen Stadtverwaltung den Ausbau zur Ober- realschule erfolgreich gefördert habe.

Anlässlich des Dienstantritts des neuen Direktors wurde am 14. Mai in der Schule eine kleine Feier veranstaltet. Nachdem Herr Oberreallehrer Bumann ein Klavierstück vorgetragen hatte, hiess Herr Studienrat Mickel den Leiter der Schule mit herzlichen Begrüssungsworten willkommen. Der Direktor dankte ihm dafür und ent- wickelte in kurzer Ansprache die wissenschaftlichen und erzieherischen Grundsätze, nach denen er die Aufgaben, die er übernommen habe, zu erfüllen gedächte. Ein vom Schüler- orchester vorgetragenes Musikstück beschloss die schlichte Feier.

Am 18. Mai trat Studienassessor Rudolf Allmanritter seinen Dienst an.

Bei der Volkszählung, die am 16. Juni stattfand, stellten sich 5 Herren des Lehrerkollegiums der Kontrollkommission als Helfer zur Verfügung. 14 Primaner beteilisten sich als Zähler.

Am 20. Juni feierten wir unser Jugendfest am Forsthaus Vorholz. Wir waren dabei von prächtigem Sommerwetter begünstigt. Auf der grossen Waldwiese an der Strasse nach Orbis massen sich die einzelnen Klassen in sportlichen Wettkämpfen aller Art: Faustball, Handball, Hürdenlaufen, Reiflaufen, Stafetten, Topfschlagen. Nach diesen Wettkämpfen begann ein lustiges Treiben in der Umgebung des Forsthauses. Die Klassen verteilten sich auf einzelne Plätze und unterhielten sich durch Wurstschnappen, Eierlaufen, Sacklaufen, Tauziehen und andere Scherze. Die Klasse Ib hatte eine Bude aufgeschlagen, in der man mit Ringen nach Flaschen werfen konnte. Die Klasse Ila hatte eine Schiessbude für Luftgewehrschiessen errichtet. Zwei Obertertianer erregten in ihrer Verkleidung als Bärenführer und Bär Aufsehen und Heiterkeit. Leider war das schön verlaufene Fest nur von ganz wenigen Eltern besucht, obwohl doch gerade solche Gelegen- heiten geeignet sind, Elternhaus und Schule zusammenzuführen.