Jahrgang 
1905
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Di

Schüler(solche besuchen aus mehr als 50 Orten der Umgebung unsere Anstalt) nicht durch Zurückweisung gehemmt und nach anderen Städten hingelenkt werde. Wir hofften, dass die Stadtverordnetenversammlung. in Berücksichtigung der mehr idealen Interessen unserer Schule und der mehr praktischen und wirtschaftlichen Interessen der Stadt nicht zögern werde, die Unterrichtsräume zu vermehren, und dass die Zeit der Einengung bald vorüber gehen werde, So beschlossen wir, von einer Zurückweisung von Schülern abzusehen und die Teilung der V trotz der vorhandenen Schwierigkeiten vorzunehmen,

Die Teilung wurde durch Zusammenlegungen anderer Abteilungen und durch Mehrbelastung einiger Lehrer ermöglicht(Einzelheiten 5.8.3). Durch die Zusammen- legungen wurden zugleich Räume frei, die für die geteilten Klassen benutzt wurden.

Um für 1905 bessere Verhältnisse zu schaffen und eine freiere Entwickelung unserer Schule zu ermöglichen, beantragten wir bei Grossh. Ministerium die Einstellung dreier weiterer Lehrerstellenin den Voranschlag für 1905/06!) und bei Grossh, Bürgermeisterei und Stadtverordnetenversammlung der Stadt Alzey für Ostern 1905 die Errichtungeiner zweiklassigen oder zweier einklassigen Schulba- rackenundfürdie folgenden Jah re, um die aller Wahrscheinlichkeit nach weiter- hin notwendigen Klassenteilungen vornehmen zu können, die Errichtung eines Ergän- zungsbaues?),

Die Grossh. Regierung war bereit, drei weitere Lehrerstellen in den Hauptvoranschlag für 1905 einzustellen, falls die Stadt Alzey sich bereit erklärte, für Ostern 1905 die weiter nötigen Räume zur Verfügung zu stellen. Die Verhandlungen zogen sich lange hin und droh- ten gänzlich zu scheitern, da zur Zeit der Fertigstellung des Hauptvoranschlags(Oktober) und der Nachträge zum Hauptvoranschlag(Dezember) keine Beschlüsse der Stadtverordneten- versammlung vorlagen, aus denen eine bedingungslose und sichere Zusage, dass die Räume Ostern 1905 tatsächlich zur Verfügung stehen würden, zu entnehmen war?), Wenn man nicht zu der harten Massregel greiten wollte, einen Teil der vorhandenen Schüler zum Austritt zu veranlassen, so musste man angesichts der unvermeidlich gewordenen Teilung überfüllter Real- schulklassen, um Raum zu gewinnen, Ostern 1905 die Aufnahmeindieun- terste Vorschulklasse verweigern und die Aufnahmen überhaupt ein- schränken.

Die Vorschule ist seit 46 Jahren mit unserer Anstalt verbunden und eng mit ihr verwachsen, Ihre Errichtung ist früh als ein Belürfnis erkannt worlen. Schon 1843 beantragte Direktor Winterstein die Errichtung von Vorschulklassen(Progr. 1843 5. 13), damals jedoch ohne Ertolg. An ihrer Stelle wurden Privatinstitute gegründet, die sich indes nicht so bewährten, wie es wünschenswert war, Daher wurde F ebr. 1859 aut Antrag des Bürgermeisters Georg Mayer von der Stadtverordnetenversammlung die Errichtung einer Vorbereitungsschule auf Kosten der Stadt beschlossen, Die Eröffaung fand im gleichen Jahre mit 25 Knaben statt. März 1861 wurde die Vorbereitungsschule durch Entschliessung Grossh. Oberstudiendirektion zur 5, Realschulklasse erhoben und damit die ursprünglich provisorische Einrichtung in eine definitive verwand:lt. Seit dieser Zeit bis heute ist(die Vorschule von 1100 Schülern besucht worden, die in ihrer überwiegenden Mehrheit aus Alzey stammten, Dass unsere Vorschule eine Anstalt für das Volk und nicht für einzelne Stände ist, geht aus dem Umstand hervor, dass unsere Vorschüler sich aus allen Kreisen der Bevöl- kerung ergänzt haben und noch ergänzen. Die bürgerlichen Kreise sind am meisten vertreten, Die Eltern von mehr als?/, aller Vorschüler gehörten dem Stand der Landwirte, Handwerker, (ewerbetreibenden, Kaufleute etc. an,

Die Aufhebung der Vorschule beklagten wir, auch aus pädagogischen Grün- den, tief, doch sahen wir keine Möglichkeit, wie ohne weitere Schulräume die Aufhebung vermieden werden konnte, In den Nachträgen zum Hauptvoranschlag für 1905 wurde zur Teilung übertüllter Realschulklassen unter Aufhebung der untersten Vorschul- klasse eineneue OÜberlehrerstelle angefordert.

So wäre unsere Schule, statt sich frei entwickeln zu können, verkleinert und gehemmt worden, wenn nicht zuletzt noch durch den Beschluss der Stadtverordnetenver- sammlung vom 9. Februar 1905 für Ostern d. Js. Schulbaracken zur Verfügung gestellt und auf Antrag des Herrn Landtagsabgeordneten Diehl, dem wir auch an dieser

!) Bericht vom 27. Mai 1904.?) Antrag vom 28. Juli 1904.®) Beschlussfassungen fanden am 7. X. 10 XI. 20. XI1. 04 statt.