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IV. Zur Gescicte der Anstalt.
Der Unterricht begann am 25. April 1927 nach einer Eröffnungsfeier, bei der Studienrat Prof. Seipeldie Ansprache hielt und der unterzeichnete Direktor Mitteilungen zur Hausordnung machte. Die Aufnahmeprüfung hatten wir bereits vor den Osterferien abgehalten. Der Lehrkörper erlitt im abgelaufenen Schuljahr keine Aenderungen.
Mit Wirkung vom 1. April 1927 war an Stelle des Aushelfers Franz Klippel der Amtsgehilfe an der Realschule zu Laubach, Valentin Erbes, zum Amtsgehilfen an der Aufbauschule Alzey er- nannt worden. Mit Genehmigung des Landesamtes für das Bildungswesen wurde für die Winter- monate der Heizer Heinrich Mann eingestellt.
Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war im Sommerhalbjahr— mit einer Aus- nahme- befriedigend; im Winterhalbjahr wurde der Unterricht verschiedentlich durch Erkältungs- krankheiten gestört, was mit der unzureichenden Beheizung und den unzulänglichen Raumverhält- nissen des Schülerheims zusammenhängen mag. Unser Antrag auf Ausdehnung der Dampfheizung auf den Schülerwohnbau und auf Errichtung von Erweiterungsbauten mußte mit Rücksicht auf die
linanzlage des Landes auf das nächste Jahr zurückgestellt werden.
Leider hatten wir im Sommer einen schweren Verlust zu beklagen. Unser lieber und hoffnungsvoller Schüler Otto Theis aus Waldmohr(Pfalz) erlag am 8. Juli 1927 einer tückischen Krankheit. Eine Trauerfeier, bei der der Unterzeichnete sprach, unmittelbar am Morgen nach dem Hinscheiden des uns unvergeßlichen Schülers und jungen Freundes verein- te Lehrkörper und Schülerschaft zu einer ernsten Gedenkstunde. Der Direktor, mehrere Lehrer und eine Abordnung der Schüler mit dem Blasorchester gaben dem Heimgegangenen das letzte Geleit und ehrten sein Andenken durch Ansprachen und Niederlegen von Kränzen.
Der Tod des lieben Schülers traf uns um so erschütternder, als er wenige Tage vorher noch mit seinen Kameraden an der Gedenkfeier der Stadt Alzey(5.—5. Juli) hatte teilnehmen können und wir alle noch erfüllt waren von den erhebenden und frohen Eindrücken der glänzend verlaufenen 'Gedächtnisfeier unserer ehrwürdigen Volkerstadt. Alzey konnte im letzten Jahre auf ein 650jähriges Bestehen als Stadt, auf eine an wechselvollen Schicksalen reiche Vergangenheit zurückblicken. Mit dem 3. Festtag verbanden wir die Feier des Landesjugendtages; unsere Schüler beteiligten sich an dem Umzug sowie an den Wettspielen und errangen eine Ehrenurkunde.
Am 4. September fand im Rahmen des Sportwerbetages wiederum der Wettlauf um den von der Stadt Alzey gestifteten Wanderpreis statt. Da unsere Anstalt zum drittenmal Sieger blieb, ging der schöne Silberschild in unseren Besitz über. Außerdem errangen wir noch zwei Urkunden.
Am 12. und 13. September veranstalteten wir die Reichsjugendwettkämpfe. Die Ehrenurkun- de des Reichspräsidenten erhielten die Schüler Peter Acker(ON), Julius Leis(ON), Jakob Fischer (Ol), Kurt Scheffel(UIID), Otto Guttandin(UI), Walter Lohrum(Ol). Außerdem wurden 54 Schüler durch die Urkunde des Reichsausschusses für Leibesübungen ausgezeichnet.
Das Reichsjugendabzeichen erwarben Peter Acker(OIl), Helmut Brück(ON), Albin Korn(ON, Heinrich Mußmann(Ull), Johann Weber(UN), Robert Klein(ON).
Auch an den Schlagballwettkämpfen um den vom Hess. Philologenverein gestifteten Wander- preis beteiligten wir uns in diesem Jahre wieder. Unsere Mannschaft siegte am 30. Vl. gegen die O.-R. Alzey mit 77:15, am 8. VII. gegen O.-R. Worms mit 70:31, am 12. VI gegen O.-R. Mainz mit 86:61, am 17. IX. gegen O.-R. Butzbach mit 147:52, während sie am 23. IX. im Endspiel gegen den vorjährigen Preisträger, die Aufbauschule Bensheim, mit 62:93 Punkten unterlag.
Unser Dank gebührt wiederum dem Schwimmklub„Neptun“ für kostenlose Ueberlassung des Schwimmbades zu gewissen Stunden. Leider war in diesem Jahre die Einrichtung von pflichtmäßi- gen Schwimmstunden nicht möglich. Ebenso danken wir der Stadt Alzey und den hiesigen Turn- und Sportvereinen für die kostenlose gelegentliche Ueberlassung ihrer Sportplätze, sowie den Herren ‚des Turnvereins für die entgegenkommende Uebernahme des Schiedsrichteramtes bei den turne- rischen Vorführungen der Reichsjugendwettkämpfe.
Am 19. August feierten wir den Verfassungstag; die Ansprache hielt Studienrat Dr. Jung. Der Vortrag eines Blinden(am 20. VIII.) vermittelte unseren Schülern einen lehrreichen Einblick in die Blindenschrift und das Geistesleben der Blinden. Aufmerksame Zuhörer fand auch der Rechen- künstler Dr. Ferrol. Die Ansprache bei der Feier des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von


