F. Gottesdienst.|
Die Seminaristen beteiligten sich regelmässig an dem Gottesdienste ihrer Religionsgemeinde.
(6. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr 1899/1900 nahm seinen Anfang am 20. April vorigen und schliesst mit dem 7. April dieses Jahres.
Der Gesundheitszustand der Zöglinge war zwar im allgemeinen gut, doch hatten wir leider gleich zu Beginn des Schuljahres den Verlust eines braven und gewissen- haften Schülers, des Johann Becker aus Dautenheim, zu beklagen und längere Er- krankungen bei zwei anderen Schülern zu verzeichnen.
Am 26. Juni erkrankte Herr Kollege Ohly und musste um einen längeren Ur- laub nachsuchen. Mit seiner Vertretung wurde durch hohe Verfügung vom 5. Juli Herr Lehramtsassessor Dr. Männchen beauftragt. Leider trat in dem Befinden des Herrn Ohly die gewünschte Besserung nicht ein. Er wurde deshalb durch Aller- höchstes Dekret vom 30. August 1899 auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse des Verdienst- ordens Philipps des Grossmütigen mit Wirkung vom 16. Okt. 1899 in den Ruhestand versetzt.
Das Befinden des im vorigen Schuljahre erkrankten Elektrotechnikers Herrn Erckmann besserte sich soweit, dass er in diesem Schuljahre den Handfertigkeits-Unter- richt in Holz- und Metallarbeiten für die Oberklasse wenigstens wieder aufnehmen konnte. Die Unterklasse wurde wie früher in Papparbeiten durch Herrn Buchbinder Machwirth und die Mittelklasse durch Herrn Kollegen Dr. Heineck im Kerbschnitt unterwiesen.
An Stelle des mit Wirkung vom 1. September 1899 nach Oppenheim versetzten Kreisarztes Herrn Dr. Stigell wurde mit hoher Genehmigung der neu ernannte Kreis- arzt Herr Dr. Schäffer zum Seminararzt bestellt.
Eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitswesens unserer Anstalt haben wir dadurch erreicht, dass wir mit dem trefflich ausgestatteten und geleiteten Kreiskranken- haus einen Vertrag abschlossen, demzufolge alle bettlägerig erkrankten Zöglinge des Internats sofort im Krankenhaus Aufnahme finden. So ist den Kranken von vornherein eine sachgemässe Pflege und den Gesunden mehr Schutz gegen Ansteckung gesichert.
Am 13. Januar beehrte uns Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth mit seinem Besuche und wohnte dem Unterrichte in einigen Lehrstunden bei. Die vorgeschriebenen Be- suche ein- und zweiklassiger Volksschulen der Nachbarschaft durch die Zöglinge der Ober- klasse wurden am 2.—4. Nov. in jezwei Abteilungen in Albig und Dautenheim ausgeführt.
Den Sommerausflug machten wir in diesem Jahre klassenweise, und zwar besuchte die Oberklasse Heidelberg, Schwetzingen und Mannheim, die Mittelklasse Mainz und Frankfurt und die Unterklasse Mainz.
Am 9. Februar unternahm die ganze Anstalt eine Fahrt nach Darmstadt zum Besuche der Marineausstellung, bei welcher Gelegenheit auch Darmstadts Sehenswürdig- keiten eingehend besichtigt wurden. Endlich veranstalteten wir mit der Mittelklasse einen Besuch der Glockengiesserei von Hamm in Frankenthal, um so den Glockenguss aus der Anschauung kennen zu lernen.
Der Unterhaltung und Belehrung unserer Zöglinge dienten vielfache Konzert- und Theaterbesuche. Besonders anregend wirkten zwei Experimentalvorträge des Phy- sikers Dähne aus Dresden, in denen er die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Elektrizität und Optik in glänzenden Versuchen vorführte und gemeinverständlich erläuterte.
An unseren Vortragsabenden wurde über die nachfolgenden Themen gesprochen: Die Kreuzzüge und ihre weltgeschichtlichen Folgen für das Abendland. Die nationale Erziehung. Das Rittertum. Die Verdauung. Die Erfindung der Dampfmaschine. Base- dow. Die Ernährung der Pflanzen. Diesterweg. Die Anfänge des Dramas. Blitz und Blitzableiter. Konradin Kreutzer. Die oberrheinische Tiefebene. Inwiefern. trug Ludwig XIV. zur französischen Revolution bei? Worms. Theodor Körner. Die Sing- vögel und ihre Erhaltung. Heinrich Heine. Die Mythologie der alten Griechen und Römer. Gralsage und Parzival. Friedrichs d. Gr. Thaten für sein Reich. Das elek- trische Licht. Das Nibelungenlied. Das Glas. Der Phonograph. Die Kaiserreise nach


