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Am 28. Juni wohnte der Fachberater des P. S. K. für Muſik dem Unterricht dieſes Faches in allen Klaſſen bei.
Am 1. Juli ging der Unterprimaner Gerlach aus dem„Redewettſtreit der Schüler höh. Lehranſtalten“ in Kaſſel als 3. herver.
Sommerferien vom§. Juli bis 8. Kuguſt.—
Am 11. Aug. fand in der Kula eine würdige Verfaſſungsfeier ſtatt. Die Feſtrede des herrn Stud. Rat Dr. haas wurde umrahmt von Geſängen u. Deklamationen. Außerdem ſprach der Prnader Gerlach über die Frage: Welche Kufgaben ſtellt die Reichsverfaſſung der deutſchen Jugend?. Die beiden Oberprimaner U. Bormann und Fr. Reumeyer erhielten als Prämie das Buch:„Heutſche Einheit, Deutſche Freiheit.“ (1 Exemplar war von der Reichsregierung zuſammen mit der preuß. Staatsregierung überwieſen, das 2. Exemplar wurde aus Mitteln der Stiftung des Vereins ehem. Schüler“ beſchafftſ.
Die Reichsiugendwettkämpfe, die nach miniſterieller Anregung am ſelben Tage ſtattfinden ſollten, konnten, da der Königsberg nicht früher zu benutzen war, erſt am 18. Kuguſt abgehalten werden. Unter Vorantritt unſerer Kapelle marſchierten wir im geſchloſſenen Zuge durch die Stadt. Die Teilnehmer waren in 5 Alters- gruppen eingeteilt. Nach Beendigung des Dreikampfes wurde in der Badeanſtalt ein freiwilliges Wett⸗ ſchwimmen ohne Bewertung veranſtaltet. Die 24 Schüler mit den beſten Leiſtungen erhielten die Ehrenur- kunde des herrn Reichspräſidenten.
Ab 26. Kuguſt fanden die größeren Wanderfahrten(ſ. oben) ſtatt. Aus den Mitteln der Stiftung des „Vereins ehem. Schüler“ u. aus einem dem Direktor zur Verfügung ſtehenden Fond konnte den beiden Primen ein Fuſchuß von 300 RM. gewährt werden. Ich laſſe 2 Berichte aus der Feder von Schülerinnen folgen:
Die Wanderfahrt der Ul an Rhein, Moſel und Lahn.
Daß es dieſes Jahr an den Rhein gehen würde, ſtand bei uns ſchon lange feſt. Ein halbes Jahr vorher ſprachen wir ſchon von unſrer Rheinfahrt. Ende Auguſt war der ſo ſehnlichſt herbeigewünſchte Augenblick endlich in abſehbare Nähe gerückt. Der ganze Plan lag ja bei uns allen ſchon feſt. Wir wählten nur noch ein„Reiſekomitee“, das den Fahrplan zuſammenſtellte und die verſchiedenen Herbergen benachrichtigte. Endlich war der mit Ungeduld erwartete Tag der Abreiſe herangekommen. Ein Blick zum Himmel ſagte mir, daß das Wetter gut würde. Gegen 6 Uhr fuhr unſer Zug. Fröhlich, zum Teil noch etwas verſchlafen, trafen wir uns am Bahnhof. Jeder war mit einem ſchweren Ruckſack beladen. Aber halt!— Da im letzten Augenblick ſah ich, daß zwei von unſern„Herren“ mit Aktentaſche und Coupéköfferchen erſchienen waren. Das war natürlich ein Grund, um unſern Spott an ihnen auszulaſſen. Sie nahmen uns das aber nicht übel und behaupteten uur, es bequemer zu haben als wir.— Mit Bummelzuggeſchwindigkeit ging es Frankfurt am Main entgegen. Unterwegs erzählten wir uns dieſes und jenes. Hier und da ſchlief man noch. Zur Aufmunterung ſangen wir ab und zu ein friſches Lied.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankfurt ging's weiter nach Mainz. Erwartungsvoll ſtanden wir an den Fenſtern und warteten darauf, bis der Rhein in Sicht kam. Endlich war es ſoweit. Alles drängte ſich an die Fenſter, um den ſchönſten aller deutſchen Ströme zu ſehen, kannten doch die meiſten von uns den Rhein nur aus Liedern oder vom Hörenſagen. Erhebend war der Eindruck, als wir über die große Rheinbrücke fuhren. Unter uns glänzten und glitzerten die Wogen des Stromes im hellen Sonnenſchein. Majeſtätiſch rauſchte der Strom dahin. Reges Leben herrſchte. Schleppzüge fuhren ab⸗ und aufwärts. Hell leuchteten die weißen Perſonendampfer. Mainz grüßte uns mit ſeinem ehrwürdigen ſechstürmigen Dom.— Im Innerſten er⸗ ſchüttert waren wir, als wir die vielen Franzoſen ſahen. Ein Franzoſe war das erſte. was uns auf dem Bahnſteig in Mainz in die Augen fiel. Mißtrauiſch wurde er beobachtet von uns. Auf dem Wege zur Jugendherberge begegneten ſie uns auf Schritt und Tritt in ihrer blaugrauen Uniform und den zweizipfligen Mützen. Wir kamen an einer Kaſerne vorbei. Es ſah zum Teil recht unordentlich um das Gebäude aus, ebenſo wie die Soldaten ſelbſt, unter denen man kaum einen fand, dem die Uniform gepaßt hätte. Eine gewiſſe Nachläſſigkeit war ihnen allen eigen.—
Die Jugendherberge lag weitab von Muinz. Es war ſehr heiß. Der Staub lag fußhoch, und der ſchwere Ruckſack drückte mächtig auf dem Rücken. Trotzdem waren wir in fröhlicher Stimmung, und unter Lachen und Scherzen kamen wir in der Jugendherberge an. Wir erholten uns ein wenig von unſrer Reiſe und gingen dann wieder nach Mainz, um uns in der Stadt ein wenig umzuſehen. In kleine Gruppen aufgelöſt, da es verboten iſt, in größeren Abteilungen zu gehen, zogen wir durch die Stadt. Unſer erſter Weg galt dem ſchönen alten Dom. Er iſt im romaniſchen Stil erbaut. Eine geheimnisvolle Däm merung empfing uns. Die mächtigen Rundbogen übten eine eigenartige Wirkung auf uns aus. Man mußte ſchweigen und die Größe und Majeſtät des Bauwerkes auf ſich einwirken laſſen, das ſchon jahrhundertelang allen Gefahren widerſtanden hat.— Im „Schöfferhof“ ſorgten wir erſt einmal für unſer leibliches Wohl, und dann ging's weiter in das römiſche und germaniſche Muſeum. Waffen, Kriegsausrüſtungen, Urnen und andere Gefäße zeugten von der Handfertigkeit und der Kunſt unſrer Vorfahren und der Römer und trugen ein wenig dazu bei, unſere Geſchichtskenntniſſe zu bereichern. Als wir gerade noch tüchtig beim Betrachten waren, ertönte das Glockenzeichen. Wir mußten das Muſeum verlaſſen, denn es war mittlerweile 6 Uhr geworden. Draußen löſten wir uns wieder in Gruppen auf. Die einen gingen über die Brücke nach Mainz⸗Kaſtel, die andern bummelten auf der Mainzer Seite am Rhein entlang, und eine dritte Gruppe fiſchte ſich ein paar indiſche Pfadfinder auf, die gerade von einem


