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Am 20. Dez. fand in Arolſen eine Beſprechung zwiſchen 2 Vertretern des PSK. Kaſſel— Herrn Ober⸗ ſchulrat Dr. Zühlke u. Herrn Oberreg.⸗Rat von Bamberg— und der Stadtverwaltung ſtatt, in der über die Verſtaatlichung der Schule verhandelt wurde, nachdem eine eingehende Beſichtigung der Schulgebäude und der Sammlungen vorangegangen war. Im Rahmen des Anſchlußvertrages Waldeck⸗Preußen wird das Real⸗ gymnaſium im Laufe des Sommers 28 verſtaatlicht werden.
Die Weihnachtsandacht begingen wir in der Aula unter dem Tannenbaum am 21. Dez.
Der Unterricht im neuen Jahr begann am 5. Jan. 28.
Am 8. Febr. wohnten die UI u. OlII einer Schöffengerichtsverhandlung bei.
An dem Volkstrauertag(4. März) beteiligte ſich die Schule wie in den letzten Jahren.
Die mündliche Reifeprüfung fand am 6. März unter dem Vorſitz des Direktors ſtatt. Die Abiturienten wurden am 14. 3. in der Aula feierlich entlaſſen.
Der von den Schulgruppen des V. D. A. veranſtaltete„Saarabend“ am 15. März vereinigte die Mehrzahl der einheimiſchen Schüler. Die von einer Gruppe ſaarländiſcher Mädchen gebotenen volkstümlichen Vorführungen und die Rede der Frau v. Vopelius gaben uns ein eindrucksvolles Bild von dem Leben und der Not unſerer Volksgenoſſen.
Das Schuljahr ſchloß am 31. März mit einer Andacht und der Entlaſſung der abgehenden Schüler.
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Bericht über die Feier des 75 jährigen Beſtehens der Schule.
Am 18. Okt. 1927 waren 75 Jahre verſtrichen ſeit dem Tage, an dem unſere Anſtalt durch die Fürſorge der ſtädt. Behörden ins Leben gerufen worden war. In den Kreiſen der ehemaligen Schüler hatte ſich der Wunſch geregt, dieſen Gedenktag feſtlich zu begehen. Auch die gegenwärtigen Vertreter der Anſtalt glaubten ihn nicht vorübergehen laſſen zu dürfen, ohne ſtille zu halten und feiernd rückwärts und vorwärts zu ſchauen. In engſter Zuſammenarbeit des Vereins ehem. Schüler und des Lehrerkollegiums wurden ſchon von Beginn des Sommer⸗ halbjahres an die Vorbereitungen getroffen, um die Feier würdig auszugeſtalten. Wegen der im Oktober ſchon zu weit vorgeſchrittenen Jahreszeit wurden der 2.— 4. Sept. vorgeſehen, zumal da auch nach dem„100 jähr. Kalender“ dieſe Tage die einzigen aufeinanderfolgenden waren, an denen in dem ſo regenreichen Jahr gutes Wetter herrſchen ſollte. Die verſchiedenen Ausſchüſſe entledigten ſich ihrer keineswegs leichten Aufgaben mit größter Bereitwilligkeit und ſcheuten beſonders in den letzten Auguſttagen keine Mühe; auch die Schüler und Schülerinnen halfen ge⸗ treulich mit, vor allem gern während der Vormittage. Und als die Feſttage heranbrachen, da hatte ſich die ganze Stadt in ein prächtiges Feſtgewand geworfen, und der herrliche Sonnenſchein, der während der Feiertage die in reichſtem Fahnen⸗, Blumen⸗ und Guirlandenſchmuck prangende Stadt beſonders vorteilhaft erſcheinen ließ, trug nicht wenig zur Erhöhung der Feſtesſtimmung bei. In der Bahnhofſtraße grüßte eine ſchmucke Ehrenpforte(ent⸗ worfen von Oberſchullehrer Thiemann) mit einer ſinnigen Inſchrift, und je weiter man in die Stadt hineinkam, umſo farbenfroher wurde das Bild, das unſer freundliches Städtchen den zahlreichen Gäſten bot, waren doch der Einladung, die von der Schule und dem Verein gemeinſam ergangen war, nicht nur viele Ehrengäſte, Vertreter der Behörden, frühere Lehrer und Freunde der Anſtalt, ſondern auch die ehem. Schüler in über Erwarten großer Zahl gefolgt, da ſie es wieder hinzog an den Ort, an dem ſie ihre Jugendzeit verlebt hatten, zu der Schule, der ſie die Grundlage ihrer Bildung verdankten.
Der Abend des 2. Sept. vereinigte eine ſtattliche Schar von Gäſten und ehemal. Schülern ſowie das Kollegium im„Hotel zur Poſt“ zu einem geſelligen Zuſammenſein. Groß war die Freude, die Genoſſen der Jugend wiederzuſehen, und in frohem Verkehr von Lehrern und alten Schülern wurden die Erinnerungen an die vergangenen Zeiten wachgerufen und aufgefriſcht.
In freudiger und gehobener Stimmung blickten alle, die mit uns feiern wollten, nunmehr der Jubelfeier am 3. Sept. ſelbſt entgegen, deren Hauptteil ſich naturgemäß in der Schule abſpielte Die Aula war bald bis auf die letzten Plätze gefüllt, und nur die Rückſichtnahme auf die z. Teil von weit herbeigeeilten„Ehemaligen“, denen man die Plätze nicht nehmen wollte, hatten viele Eltern und Freunde der Anſtalt von der Teilnahme ab⸗ gehalten, ein Zeichen der engen Verbundenheit von Stadt und Schule. Der Schülerchor eröffuete die Feier mit Beethovens Hymne: Die Himmel rühmen des ewigen Ehre; darauf ſprach ein Primaner einen Vorſpruch, deſſen


