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„Weltkrieg“— herausgegeben vom Hilfsverein deutſcher Frauen zur Unterſtützung der Kinder gefallener Krieger— werden die amtlichen Kriegsnachrichten geſammelt. Die unſtändliche geſchäftliche Regelung des Bezuges hat Herr Oberlehrer Olbrich freundlichſt übernommen.
Auch über die Brotfrage, die Kriegsanleihe und die Bedeutung des Goldbeſtandes der Reichs⸗ bank wurden die Schüler aufgeklärt. Im Anſchluß hieran wurde im März eine planmäßige Goldein⸗ wechſelung ſeitens der Schule in die Wege geleitet, um deren Organiſatiou ſich Herr Dr. Haaß große(Verdienſte erworben hat. Der Erfolg dieſer Goldſammlung verſpricht ſehr erfreulich zu werden. Sie betrug in den erſten ſechs Tagen bereits 14000 Mark.
Ihre Durchlaucht die Fürſtin hat derjenigen Klaſſe, welche das meiſte Gold zuſammenbringt, ein Bild des Generalfeldmarſchalls von Hindenburg als Geſchenk huldvollſt in Ausſicht geſtellt. Es ſei mir geſtattet, auch an dieſer Stelle den untertänigſten Dank der Anſtalt auszuſprechen.
Nicht nur unter dem Einfluß der Schule, ſondern vielfach aus ſich heraus zeigten die Schüler das Beſtreben, auch ihr Teil beizutragen zu der großen Arbeit, die in dieſer Kriegszeit vom deutſchen Volke geleiſtet werden muß., Einige Schüler halfen bei Erntearbeiten. In den erſten Wochen der Mobilmachung waren ganze Klaſſen damit beſchäftigt, die Ausrüſtungs⸗ gegenſtände für ausrückende Truppenteile zu ordnen, Torniſter zu packen und bei Aufräumungs⸗ arbeiten in der Kaſerne Hilfe zu leiſten. Andere beteiligten ſich an Aufführungen und muſikaliſchen Darbietungen zur Unterhaltung Verwundeter, wieder andere machten ſich beim Verteilen von Liebesgaben an durchfahrende Truppentransporte nützlich, eine Gruppe ſchließlich leiſtete ſehr wertvolle Dienſte als Krankenträger bei der Ueberführung von Verwundeten zum Lazarett. Für das rote Kreuz ſammelten die Schüler unter ſich 155 Mark, ebenſo für Liebesgaben für das hieſige Bataillon mit dem Erfolge, daß 3000 Zigarren und 1 Ctr. Tabak von dem Ertrag der Sammlung gekauft werden konnten. Zigaretten und Feuerzeuge wurden außerdem noch geſchenkt. Zahlreiche Dankes⸗ briefe und Karten zeigten, wie willkommen die Sendung im Schützengraben geweſen war.
Am Sedantage fand, wie in früheren Jahren, eine Schulfeier ſtatt, bei der Herr Dr. Hufnagel die Feſtrede hielt.
Michaelisferien: Dienstag, den 29. September bis Donnerstag, den 15. Oktober.
Am 26. Oktober nahm die Schule an den Trauerfeierlichkeiten für Seine Durchlaucht den Prinzen Wolrad teil, der auf einem Patrouillenritt im Weſten den Heldentod geſtorben war.
Am 23. November trat der wiſſenſchaftliche Hilfslehrer, Herr Georg Pinterich als Kriegs⸗ freiwilliger in das Heer ein. Wir ſahen ihn mit großem Bedauern ſcheiden, er war ein immer liebenswürdiger Kollege, ein befähigter Lehrer und bei ſeinen Schülern, zu denen er ſich ſtets freundſchaftlich ſtellte, ſehr beliebt. Als das hieſige Feldbataillon, bei dem er ausgebildet war, ausrückte, gaben ihm Lehrer und Schüler in großer Zahl das Geleit zum Bahnhof. Hoffentlich ſehen wir ihn nach dem Kriege in unſerer Mitte wieder.
Zu ſeiner Vertretung wurde vom 4. Dezember ab der Seminarkandidat Herr Reinmold der Anſtalt überwieſen.
In der Zwiſchenzeit half uns in liebenswürdigſter Weiſe Herr Kneuper vom Realgymnaſium in Marburg, ein früherer Schüler unſerer Anſtalt, der auch bereits als wiſſenſchaftlicher Hilfslehrer


