Jahrgang 
1891
Einzelbild herunterladen

11

III. Chronik der Schule.

Das Schuljahr nahm am 14. April ſeinen Anfang. Neu aufgenommen wurden 18 Schüler.

Mit Genehmigung des K. Prov.⸗Sch. wurde die Ober⸗ und Untertertia im Engliſchen und in Mathematik getrennt. Hierdurch wurde die Anſtellung eines wiſſenſchaftlichen Hülfslehrers nötig. Als ſolcher trat mit Beginn des Semeſters Herr Friedr. Rudolph ein.

Fr. Rudolpb, geb. am 7. Novbr. 1861 zu Hersfeld, evangeliſcher Konfeſſion, beſuchte das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt und beſtand daſelbſt am 5. Sept. 1881 die Reifeprüfung. Er ſtudierte vom Herbſt 188185 zu Marburg und Bonn und beſtand am 10. December 1886 die Prüfung pro fac. doc. Von Oſtern 1887 88 leiſtete er ſein Probejahr ab am Gymnaſium zu Weilburg und wurde von Oſtern 1889 an als Hülfslehrer am Gymnaſium zu Hersfeld beſchäftigt.

Am 1. Mai fiel mit Genehmigung des K. Prov.⸗Sch. der Unterricht von 9 Uhr an aus, weil ſich die Schule am Feſtzuge zur Einweihung der Eiſenbahn Warburg⸗Arolſen beteiligte.

Vom 1. bis 12. Mai durfte Oberl. Dr. Kutſcher wegen einer anſteckenden Krankheit in ſeiner Familie Unterricht nicht erteilen.

Pfingſtferien: vom 24. bis 28. Mai.

Am 30. Mai mußte Oberl. Dr. Kutſcher wegen Krankheit zunächſt auf 4 Wochen beurlaubt werden. Die Vertretung übernahmen die übrigen Lehrer.

Am 30. Juni wurde das Schulfeſt in Gemeinſchaft mit der höheren Töchterſchule und der Elementarſchule in hergebrachter Weiſe gefeiert.

Am 9. Juli erkrankte Hülfslehrer Rudolph am Scharlach und am 11. mußte Herr Flade ſeinen Unterricht ausſetzen, weil dieſelbe Krankheit in ſeiner Familie ausgebrochen war.

Mit Genehmigung des K. Prov.⸗Sch. waren die Sommerferien um 8 Tage verſchoben und dauerten vom 12. Juli bis 11. Auguſt.

Während derſelben erlag am 18. Juli Oberl. Dr. Kutſcher ſeinen ſchweren Leiden. In ihm verlor die Schule einen treuen und gewiſſenhaften Lehrer, der ſeit dem 1. Oktober 1880 der hie⸗ ſigen Anſtalt ſeine jugendfriſche und in jeder Beziehung bedeutende Kraft gewidmet hatte. Wiſſen⸗ ſchaftlich hervorragend tüchtig, hat er nicht nur bei ſeinen Kollegen und Schülern, ſondern auch in weiteren Kreiſen volle Anerkennung ſeines Strebens und Wirkens gefunden. Sein Andenken wird in Ehren gehalten werden von allen, die ihn kannten.

Mit der Vertretung des Verſtorbenen wurde mit Genehmigung des K. Prov.⸗Sch. der wiſſ. Hülfslehrer Rudolph und der Kandidat des höheren Schulamts Grebe beauftragt; doch mußte eine weſentlich andere Verteilung der Unterrichtsfächer vorgenommen werden.

Zur Feier des Sedantages machte die Schule am 2. Sept. einen Ausflug nach den Bruch⸗ häuſer Steinen, an welchem ſich faſt ſämtliche Schüler und von den Lehrern Flade, Brühne Rudolph, Grebe und der Rektor beteiligten. Bis zur Station Brilon wurde die Eiſenbahn benutzt, von da über Bruchhauſen nach Olsberg marſchiert, und von letzterem Orte die Rückfahrt mit der Bahn angetreten.

Vom 3.13. Sept. war der Rektor durch Unwohlſein am Unterrichten verhindert.

Die Herbſtferien dauerten vom 28. Sept. bis 12. Okt.

Auf Vorſchlag der Gemeindebehörden und mit Genehmigung des K. Prov.⸗Sch. rückten die ordentlichen Lehrer Flade, Dr. Nagel und Dr. Menk in die betr. nächſthöheren Lehrerſtellen auf.