Jahrgang 
1889
Einzelbild herunterladen

8

Amor, che nel pensier mio vive e regna, E'l suo seggio maggior nel mio cor tene, Talor' armato nella fronte vene: Ivi si loca, ed ivi pon sua ingegna. Quella ch'amare, e sofferir ne'nsegna, E vuol che l' gran desio,'l accessa spene, Ragion, vergogna, e reverenza affrene,

Di nostro ardir fra se stessa si sdegna: Onde Amor pavendoso fugge al core Lassando ogni sua impresa; e piagne, e trema: Ivi s' asconde, e non appar più fore. Che poss' io far, temendo il mio signore, Se non star seco infin all' ora estrema? Che bel fin fa chi ben' amando more.

Wnatt.

The lover for shamefastness nhidet The long love that in my thought I harbour, And in my heart doth keep his residence, Into my face presseth with bold pretence, And there campeth displaying his banner. She that me learns to love and to suffer, And wills that my trust and lust's negligence Be reined by reason, shame, and reverence,

h his desire within his faithful heart. With his hardiness takes displeasure. Wherewith love to the heart's forest he fleeth, Leaving his entreprise with pain and cry, And there him hideth, and not appeareth. What may I do, when my master feareth, But in the field with him to live and die? For good is the life, ending faithfully. Ald. Edid. p. 1.

Surrey.

Complaint of Love, that liveth and reigneth in my thought, That built his seat within my captive breast; Clad in the arms wherein with me he fought,

a lover rebuked. Her smiling grace converteth straight to ire. And coward Love then to the heart apace Taketh his flight; whereas he lurks, and plains

Oft in my face he doth his banner rest.

She, that me taught to love, and suffer pain; My doubtful hope, and eke my hot desire With shamefast cloak to shadow and restrain,

His purpose lost, and dare not shew his face. For my Lord's guilt thus faultness bide I pains.

vet from my Lord shall not my foot remove:

Sweet is his death, that takes his end by love.

A. B. p. 72.

Vergleichen wir dieſe beiden Sonette mit dem Original, ſo finden wir, daß Wyatt das Ge⸗ dicht getreuer wiedergegeben hat, als Surrey, aber daß der Inhalt des Wyattſchen Sonetts weniger verſtändlich, und ſeine Sprache weniger elegant und ſein Versmaß weniger harmoniſch iſt. Daß in den Sonetten der beiden Dichter noch oftmals dieſelben Gedanken wiederkehren, iſt nur zu natürlich, wenn wir bedenken, daß ſie denſelben Quellen entlehnten, daß ſie beide der Liebe Luſt und Leid beſangen. Und doch welcher große Unterſchied! Surrey's Sonette ſind natürlich und ungekünſtelt; ſie entſpringen dem Herzen und werden meiſt durch Erlebniſſe veranlaßt; er entlehnt ſie den beſſeren und beſten Sonetten Petrarcas und vermeidet die Spitzfindigkeit und Künſteleien, die ſchon in Petrarcas Sonetten auffallen. Weder gelehrte Anſpielungen noch geſuchte Vergleiche und Allegorien beirren ihn, er bleibt zärtlich und einfach. Wyatt's Sonette erreichen nicht die Natürlichkeit, die Anmut, den Wohllaut und die Klarheit der Surreyſchen, ſeine Gefühle ſind nicht natürlich, ſondern meiſt erborgt, ſeine Nachahmungen gehen auf die am wenigſten gelungenen Gedichte Petrarcas zurück und leiden häufig an affektierten Wendungen, überſpanntheiten, an un⸗ paſſenden Anſpielungen und Vergleichen. Ein fernerer Vorzug Surrey's vor Wyuatt beſteht noch darin, daß er die Reize der Natur ebenſo trefflich preiſen und beſingen kann, wie die der Frauen. Endlich aber iſt auch das Versmaß der Sonette Wyatt's viel unharmoniſcher als das Surrey's.

Einige Beiſpiele mögen das ſoeben Geſagte veranſchaulichen. Wyatt's Unnatürlichkeit und Haſchen nach Spitzfindigkeiten und Affektiertheit kennzeichnen folgende Stellen. In einer derſelben